„Winterwunderland“ treibt auf der Lippe
12.12.2010 | 14:54 Uhr 2010-12-12T14:54:00+0100
Lünen. Zehn liebevoll geschmückte und beleuchtete Flöße trieben am Samstagabend die Lippe hinunter. Der Tauchsportclub Lünen hatte zu seinem alljährlichen Fackelschwimmen geladen. Insgesamt 120 Schwimmer und mehrere befreundete Tauch- und Wassersportvereine waren ihm gefolgt und brachten ihre selbst konstruierten Flöße unter dem diesjährigen Motto „Winterwunderland“ mit in die Lippestadt.
Bei dem Floßbau sollte sich an der Geschichte von Alice im Wunderland orientiert werden. „Verrückt und verdreht“ hatte der TSC auf seiner Homepage gefordert. Auf „explosive Überraschungen“ sollte jedoch besser verzichtet werden. „In all den Jahren ist zwar noch nie etwas passiert, aber man weiß ja nie auf welche Ideen die Leute kommen,“ erklärte Pressewart Hans-Jürgen Voß.
Am Nachmittag begannen die angereisten Gruppen ihre Flöße am Lippeufer östlich des Theaterparkplatzes aufzubauen. Dann ging es zum Umziehen ins Stadtbad, von wo aus sich die Schwimmer mit ihren Fackeln und teils in weihnachtlicher Verkleidung um 17.30 Uhr durch die Innenstadt auf den Weg zum Einstieg machten. „Es ist wichtig, leichte Materialien zu verwenden“, sagte Astrid Cooper vom TSC Herten. Das Floß ihres Vereins zierten zwei große Eisbären und ein Weihnachtsbaum, alles aus Draht, Papier, Stoff und Styropor gefertigt. Seit vielen Jahren nehme der Verein am Fackelschwimmen teil. Rund 35 Mitglieder würden bereits einen Monat im Voraus an dem Boot basteln. „Da steckt viel Vorbereitung und Energie drin“, sagte Cooper. „Aber man macht es gerne. Das Fackelschwimmen ist immer wieder ein Erlebnis.“ Letztes Jahr sei sie auch im Wasser gewesen, so die Hertenerin. „Die Kälte ist nicht so schlimm. Die merkt man erst, wenn man unter der Dusche steht.“ Und so waren die in Neoprenanzüge gekleideten Fackelschwimmer guter Laune, als sie gegen 18 Uhr in das circa 10 Grad kalte Wasser glitten. Für einen sicheren Einstieg sorgte das Technische Hilfswerk mit einer eigens dafür gebauten Konstruktion und genügend Licht. Unterstützung erhielten die 15 Einsatzkräfte des THW von der Freiwilligen Feuerwehr, die mit 20 Kräften die Sicherung am Ausstieg übernahm. „Durch die Schneeschmelze haben wir leichtes Hochwasser und eine recht starke Strömung“, sagte Hermann Dissel von der Feuerwehr. „Das stellt aber weiter kein Problem da.“ Zur Sicherheit begleitete aber ein Boot des THW die Flöße.
Abschluss-Feuerwerk
Mit schneller Geschwindigkeit und weihnachtlichen Grüßen auf den Lippen trieben Flöße und Schwimmer hinunter zur Lippebrücke, von wo aus Mechthild Nolden vom Kulturbüro das Geschehen moderierte. Zu sehen gab es unter anderem eine „verrückte Teegesellschaft“ oder einen „verirrten Weihnachtsdelfin“, alles versehen mit bunten Lichtern. Hunderte Zuschauer säumten nicht nur die Brücke und ihre Seitenwege, sondern schauten auch von den Balkonen hinunter. Die Schwimmer stimmten immer wieder Lieder an oder jubelten den Betrachtern „Frohe Weihnachten!“ zu. Während die Zuschauer sich am Abschlussfeuerwerk erfreuten, stiegen die Schwimmer an der Brücke hinter den Lippekaskaden aus dem kühlen Nass. Nach einer heißen Dusche im Stadtbad ging es in die Aula der Geschwister-Scholl-Gesamtschule, wo nicht nur eine Party sondern auch die Preisverleihung auf sie wartete.
Die Jury, bestehend aus Vertretern des Weihnachtsmarktes und der Stadt, vergab den Pokal für das schönstes Floß und die größte Gruppe an den LSV Turnen 1862, der ein Iglu samt Winterschneelandschaft mit Pinguinen und Schlitten gebaut hatte. Als zweiten Gewinner wurden die Herner-Sport-Taucher mit ihrer Umsetzung der verlorenen Taschenuhr des weißen Kaninchens gekürt. Platz 3 ging an die „Eisbärige Weihnacht“ des Tauchsportclubs Herten. Die Sonderpreise für den jüngsten und ältesten Teilnehmer gingen an die achtjährige Mira Cöppikus aus der Jugendabteilung des TSC und den Vorsitzenden der Tauchsportfreunde Herdecke, den 66-jährige Eberhard von Gagern. Am weitesten gereist waren wie im letzten Jahr die Einzelschwimmer der über 200 Kilometer entfernten Tauchgemeinschaft Papenburg, die dieses Mal zu viert erschienen waren. Zum 27. Mal fand das Fackelschwimmen des TSC statt. An den Beginn 1984 erinnert sich Voß noch genau. „Damals dachten sich einige Mitglieder‚ das was der Nikolaus kann, können wir schon lange. Sie setzen sich rote Weihnachtsmützen auf, nahmen einen Baum mit ins Boot und so war das Fackelschwimmen geboren.“
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