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Werk Nüdlings geht ans Museum Horst Janssen

17.01.2008 | 19:45 Uhr

Lünen. (B.H.) Wer schwarz sieht, sieht mehr; wer zeichnen atmen gleichsetzt, nimmt manchem Betrachter die Luft weg, vor allem, wenn er viel zeichnet: Hermann Nüdling sichtete 2 000 seiner Grafiken der vergangenen zwölf Jahre und stellte eine kleine ...

... Auswahl zu einem Buch zusammen. Titel: "Die Summe aller Farben ist Schwarz". Die zeitlose Botschaft jeder Zeichnung ist, dass die Welt, so wie sie ist, nicht bleiben darf. Hungernde Menschen, tote Kinder ("Weihnachten war gestern"), verwehende Illusionen ("Rosinante gibt auf"), zerstörte Bäume, zerfetzte Vögel, entbeinte Männer, weinende Mütter reden Klartext und stellen die Zukunftsfrage mehr denn je. Die ausschließlich schwarz-weißen Bilder sind bunt und schrecklich. Das ist keine Kunst fürs Wohnzimmer, aber Kunst als Weltbetrachtung mit heißem Herzen und ungetrübtem Blick.

In wenigen Tagen (25. Januar) wird Hermann Nüdling 76 Jahre alt. Zu seinem Geburtstag schenkte er sich die Zusage des Oldenburger Horst Janssen-Museums, dass es nach seinem Tode sein Werk als Schenkung annimmt. Die wissenschaftliche Leiterin Dr. Jutta Moster-Hoos, bestätigte auf Anfrage der Redaktion: "Wir sehen das Werk durchaus im Zusammenhang mit Horst Janssen." Noch gehört das Konvolut dem Künstler und seiner Frau Monika. Weil er aber erleben will, wie sein "Schatz", wie er die Blätter nennt, aufgehoben sein wird, will er ihn noch zu Lebzeiten nach Oldenburg geben, um sich vielleicht über eine dortige Ausstellung derselben freuen zu können. Das konnte das Museum allerdings noch nicht zusichern.

Zu seinem 65. Geburtstag verschenkte Nüdling schon einmal einen Teil seines Werkes. Der Stiftung für Kulturpflege der Sparkasse in Lünen, der Stadt, in der er als Grafiker viele Spuren hinterließ, vermachte er 110 Grafiken und Zeichnungen. Sie wurden seither nie ausgestellt, wohl aber "schlecht verwahrt", wie Nüdling feststellte, als er kürzlich welche zur Reproduktion seines Buches (siehe oben) auslieh. Sie "waren teils beschädigt, verschmiert und nicht korrigierbar", so der Zeichner im Gespräch mit der Redaktion.

Jürgen Böhm, Leiter des Vorstandssekretariats der Sparkasse, bestätigte und bedauerte auf Anfrage der Redaktion den Zustand "einiger Blätter", gab aber auch zu bedenken, dass "wir kein Museum sind". Eine Ausstellung der Arbeiten sei sicher möglich, aber in nächster Zukunft nicht geplant.

Der Leiter des Kulturbüros, Werner Althoff, betonte im Gespräch mit der Redaktion "immer ein sehr gutes Verhältnis" zu Hermann Nüdling gehabt zu haben, dass es aber schon viele Jahre keinen Kontakt mehr zu ihm gäbe. "Traurig" ist Althoff zwar darüber, dass Lünen nicht die aktuell Beschenkte ist, er räumt aber ein, dass das Museum sicher "seinen Arbeiten gerechter" würde, als das Lünen jemals könnte.

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