Waldgeister wachen über die neue Hütte
13.07.2011 | 18:33 Uhr 2011-07-13T18:33:00+0200
Brambauer. Mit Graffiti beschmierte Wände, herausgehobene Bänke, wuchernde Pflanzen – der Anblick der Grillhütte war schon lange kein schöner mehr. Dank der Arbeit von 18 Schülern der „Projektwerkstatt“ im Lippe-Berufskolleg ist das nun anders.
Seit September vergangenen Jahres renovierten die Jugendlichen unter der Leitung der Umwelt-Werkstatt den heruntergekommenen Bau und gestalteten den Bereich nahe des Freibades komplett um.
Das städtische Grünflächenamt hatte die vom Vandalismus gebeutelte und vom Abriss bedrohte Grillhütte als Projekt-Baustelle zur Verfügung gestellt. „Hier sah es aus, als hätten 20 Jugendliche eine Ballermannparty gefeiert“, erinnert sich der 17-jährige Kevin Pies. „Holzbalken waren kaputt geschlagen, Bänke zertrümmert. Da war auf jeden Fall Alkohol und Langeweile im Spiel.“ An drei Tagen in der Woche haben die Mädchen und Jungen jeweils acht Stunden auf der Baustelle angepackt, jäteten Unkraut, bauten neue Bänke, renovierten die Hütte, pflasterten die Wege. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Neben der Instandsetzung der alten Gegebenheiten wurde der Bereich außerdem mit Sitzgelegenheiten rund um die steinerne Tanzfläche und ein paar künstlerischen Holzarbeiten optisch aufgewertet.
Dank für Engagement
In minuziöser Kleinarbeit bekamen große und kleine Baumstumpfe Formen und Gesichter. Nun wachen sie als „Waldgeister“ über die Grillhütte. Allein auf die will sich Michael Makiolla, Landrat des Kreises Unna, aber nicht verlassen, wenn es um die Erhaltung des neu in Stand gesetzten Freizeitbereiches geht. Er schlug zum Einen vor, mit den örtlichen Vereinen zu sprechen. „Eine andere Möglichkeit wäre es, durch das Programm ‚Bürgerarbeit’ Arbeitssuchende für die Beaufsichtigung des Geländes zu gewinnen.“
Beim „Angrillen“, zu dem sich am Mittwochvormittag Mitwirkende und Unterstützer trafen, dankten Michael Makiolla und Bürgermeister Hans Wilhelm Stodolick den Jugendlichen für ihr Engagement. Für die teils schulmüden jungen Leute war der Einsatz an der Grillhütte aber nicht nur Arbeit, sondern ein wichtiger Schritt in die Zukunft. Sie konnten sich in vielen handwerklichen Bereichen testen und ihre Stärken herausfinden. Einige konnten durch das Projekt ihren Hauptschulabschluss erlangen. Für zwei von ihnen ergab sich sogar ein Ausbildungsplatz.
Jugendliche entdecken
ihre Stärken
Und auch die anderen können ihre Ziele nun klar definieren. Von Dachdecker über Landschaftsbau bis Berufe im kaufmännischen Bereich ist alles dabei. „Ich habe in meinem Leben noch niemand kennengelernt, der keine Stärken hat“, so Uwe Ringelsiep, Geschäftsführer des Jobcenters Kreis Unna, das das Projekt finanziell gefördert hat. „Man muss diese Stärken nur herausfinden.“
Auch für Arno Franke, Schulleiter des LBK, hat das Projekt Grillhütte ein Exempel statuiert. „Hier zeigt sich, dass die Jugend auch heute noch gut ist.“ Wenn man sich mit ihr befasse, könne sie auch ihr volles Potenzial entfalten. Außerdem appellierte Franke an die Politik. „Nur wenn mehr in Bildung investiert wird, können wir dafür sorgen, dass die jungen Menschen in der Lage sind, sich selber zu versorgen. Und dann haben wir einige soziale Probleme weniger.“
06:15
Nun ist sie also fertig und sie ist gut geworden. Bleibt jetzt nur die Frage, ab wann sie zur Verfügung steht, denn immerhin ist der Sommer vorbei und im Winter wird sie ja wohl kaum genutzt. Außerdem: Wer verwaltet den Schlüssel für den Grillrost? Wenn der Schlüssel im Rathaus verwaltet werden sollte, dann ist dies der größte Schildbürgerstreich der letzten Jahre.