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Von der Ein-Euro-Kraft zum Künstler

16.12.2009 | 17:55 Uhr
Von der Ein-Euro-Kraft zum Künstler

Lünen. Nach Jahren der Arbeitslosigkeit hat Uwe Hebecker seine Berufung gefunden. An der Heinrich-Bußmann-Schule, wo er früher als Ein-Euro-Jobber unterwegs war, stellt der 48-Jährige jetzt seine Bilder aus.

Als der Leiter der Heinrich-Bußmann-Schule ihn charakterisiert, schaut Uwe Hebecker verlegen in die Runde. „Ein Mann des Fleißes” sei er, sagt Jürgen Ortlepp über den 48-Jährigen. „Ein Mann der Power, der Zuverlässigkeit, der Kompetenz. Einer des künstlerischen und handwerklichen Geschicks.”

Das habe er während seines Einsatzes als Ein-Euro-Kraft an der Schule immer wieder gezeigt. Nun zeigt Hebecker es auch allen anderen Interessierten: Er stellt seine Kunstwerke in den Fluren der Schule aus.

Diese Ausstellung bedeutet ihm viel. Denn seine Kunst war es, die ihn aus der Krise zurück ins Leben holte, damals, als er durch eine Nervenerkrankung in der Hand seinen Job als Industriemaler verlor. Als er den Vorsatz fasste: „Wenn ich wieder Leben in meiner Hand spüre, fange ich an zu malen.”

Die Operation gelingt, Hebecker greift zum Pinsel – und lässt ihn nicht mehr los. Er ist Autodidakt, hat nie Kurse besucht. Schablonen und Skizzen braucht er nicht. „Ich male alles aus der Hand – direkt auf die Wand”, sagt er.

Seine Werke – Acrylarbeiten, Ölbilder, Wachs-, Wisch- und Spachtelarbeiten – sprudeln über vor Farben, vor Überraschungen. „Ich schaffe Bilder, die sich verändern”, sagt der Lüner. Manche offenbaren ihre Geheimnisse, wenn man sie dreht, andere wenn man sie in Schwarzlicht taucht. „So möchte ich die Menschen zum Nachdenken bringen. Und zum Träumen”, sagt er.

Sein künstlerisches Talent brachte ihn letztlich, nach Jahren der Arbeitslosigkeit, als Ein-Euro-Kraft an die Bußmann-Schule. Seit März ist er als Hausmeisterprojekthelfer im Einsatz. Bernd Wagner, Projektleiter des Multikulturellen Forums, stellte den Kontakt her.

„Ich wusste einfach: Das passt”, sagt er. Er behält Recht. „An diese Schule zu kommen war meine zweite Chance”, erklärt Uwe Hebecker. Er tut hier, was er am Besten kann: Er malt. Kaum eine Ecke auf dem Schulgelände, kaum eine Wand, die er nicht schon kunstvoll gestaltet hätte.

„Der Mann mit der Mütze”, wie er an der Schule genannt wird, „der, der immer lachend, immer erzählend und erklärend ist”, ist hier kaum noch wegzudenken.

Dennoch: Im März wird sein Einsatz an der Bußmann-Schule enden. Danach würde Hebecker gerne selbstständig als Künstler arbeiten. Die Ausstellung ist ein erster Schritt hin zu diesem Ziel. Die „Bußmänner” jedoch, da ist sich Jürgen Ortlepp sicher, werden Uwe Hebecker vermissen: „Sie haben sich in die Herzen der Schüler gemalt!”

Die Ausstellung „Optischer Spaziergang” ist bis Ende Januar in der Heinrich-Bußmann-Schule zu sehen.

Daniela Thamm

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