Unterkünfte für Asylbewerber auf dem Prüfstand
02.03.2010 | 07:00 Uhr 2010-03-02T07:00:00+0100Gahmen/Lünen. Angesichts der Überlegungen von Verwaltung und Politik, bis zu drei von insgesamt sechs Lüner Übergangswohnheimen für Asylbewerber zu schließen (wir berichteten), warnt Pfarrer Volker Jeck von der Gemeinde Preußen vor einem „Schnellschuss”.
Zwar sei es denkbar, bestimmte Wohnheime aus finanziellen Gründen aufzugeben, sagte das Mitglied des Arbeitskreises Flüchtlinge am Montag – werde eine solche Entscheidung allerdings „ausschließlich unter Spargesichtspunkten” getroffen, bestehe die Gefahr, „nicht im Interesse der betroffenen Menschen zu handeln”.
Derzeit sind in Lünen von insgesamt 365 verfügbaren Übergangsplätzen 240 belegt – die Verwaltung ist damit beauftragt, ein Konzept für die Schließung bestimmter Einrichtungen zu erarbeiten. Die Heime An der Vogelscher und an der Brambauerstraße aufzugeben, sei „völlig unstrittig”, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Rolf Möller – die Schließung des Heimes an der Ladestraße sei dagegen noch unsicher. „Wir wollen keine Konzentration von problematischen Gruppen an einem Standort”, so Möller, „da muss die Verwaltung überlegen, wie das passt.” Auch CDU-Fraktionsvorsitzende Annette Droege-Middel zieht Schließungen in Erwägung, möchte dem erwarteten Fachkonzept der Verwaltung aber nicht vorgreifen: „Wir zahlen Miete für Räume, die wir nicht brauchen”, so Droege-Middel, „da kann man etwas einsparen”.
Durch die Altfallregelung seien in den Einrichtungen tatsächlich „Kapazitäten frei geworden”, bestätigt Volker Jeck, es stelle sich allerdings die Frage, nach welchen Kriterien über die Schließung einzelner Heime entschieden wird. Der Entscheidung lägen „komplexe” Sachverhalte zu Grunde – Jeck appelliert an die Politik, diese zu berücksichtigen, ansonsten könne es „sehr viel teurer werden”. So halte die offenbar nicht von der Schließung bedrohte Einrichtung Auf dem Ringe zwar beispielsweise bessere Wohnqualität vor als das Containerheim an der Ladestraße, gegen die Einrichtung sprächen allerdings ihre Größe, ihr „ghettohafter Charakter” und die damit verbundene Belastung für die Stadtteile Gahmen und Lünen-Süd.
Generell plädiert Pfarrer Volker Jeck dafür, die Menschen in den Übergangswohnheimen möglichst schnell in normalen Wohnungen unterzubringen und dadurch wieder in die Gesellschaft zu integrieren. Immer noch gebe es Menschen, die in den Heimen geboren würden, dort aufwüchsen und die Einrichtungen auch später nicht verließen. „Die Integration ist schwieriger, wenn die Menschen langfristig in derartig schwierigen Wohnverhältnissen leben.”
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