Turnerdenkmal: Engel mit Sportsgeist
23.12.2008 | 19:16 Uhr 2008-12-23T19:16:15+0100Lünen. Diese Engel beweisen Sportsgeist. ...
... Erst Torwächter einer Turnhalle, dann beim Abriss des Gebäudes gefallen, schließlich fast vergessen, sind die Putten heute steinerne Zeugen des Treibens an der Parkstraße - eng umschlungen von Efeu in einer Hauseinfahrt. Das Relief in einer Mauer nimmt kaum einer der Passanten wahr, und sogar einigen Mietern des Hauses sind die Mitbewohner unbekannt. Wie und warum die engelsgleichen, aber ungeflügelten Figuren hier landeten, ist nicht genau zu sagen - woher sie kommen schon.
Ihren ursprünglichen Standort kennt Hans-Jürgen Korn, ehemaliger Konrektor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums: über dem Eingang zur Sporthalle des Progymnasiums an der Holtgrevenstraße, die 1961 abgerissen wurde. "Der Bau hat einen fast sakralen Charakter gehabt und war mit zahlreichen Natursteinelementen versehen", beschreibt Korn im Katalog zu seiner Ausstellung "100 Jahre - 100 Bilder" zum Jubiläum des FSG im vergangenen Jahr. Reste des Progymnasiums sind heute Teil der Scholl-Gesamtschule, in der Nachbarschaft des Amtsgerichts. Das so genannte Turnerdenkmal ist das einzige erhaltene Stück der Sporthalle.
Ernst Deppe vom Geschichtskreis Horstmar spürt für das Lüner Stadtarchiv genau solche Schätze auf. Er kann ein Stück Geschichte sichtbar machen: Die Putten auf dem Denkmal halten ein Wappen, das ehemals mit vier stilisierten "F" geziert war, die für die Turner-Ideale "Frisch, Fromm, Fröhlich, Frei" stehen. Der Wahlspruch ist laut Lexikon auf einen Studentenspruch des 16. Jahrhunderts zurückzuführen und von "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn Anfang des 19. Jahrhunderts neu gefügt worden.
Eine Art Wiedergeburt erlebte auch das Turnerdenkmal: Die Putten haben Doppelgänger an der Sporthalle des Stein-Gymnasiums. Der Abguss des 20 Zentner schweren Natursteinblocks wurde 1987 zur 125-Jahr-Feier der Fachschaft Turnen im Lüner Sportverein enthüllt - nicht aber das Schicksal der älteren Brüder.
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