Steinerne Zeugnisse werden Denkmäler
05.09.2007 | 07:41 Uhr 2007-09-05T07:41:21+0200Brambauer. Mehrere Grab- und Gedenksteine auf dem alten kommunalen Friedhof sollen unter Denkmalschutz gestellt werden. Sie erinnern an jüdische Bürger und an sowjetische Zwangsarbeiter, die während des Zweiten Weltkriegs in Lünen ums Leben kamen.
"Es gibt wenige solcher Zeugnisse, das ist für uns der wichtigste Grund für die Unterschutzstellung", erklärt Markus Fischer, Pressereferent beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Sie seien bedeutend für die Ortsgeschichte, "da sie als letzte Zeugnisse der jüdischen Bevölkerung in Lünen, die zwischen 1933 und 1945 vernichtet wurde, angesehen werden müssen", so die Bewertung. Auch das Massengrab der Zwangsarbeiter sei ein wesentliches Dokument. Die Erhaltung der Gedenksteine solle zeigen, "wie man in der Nachkriegszeit mit dem Thema umging".
Auf Anregung des Landesbauministeriums (siehe Kasten) prüfen die Denkmalpfleger des LWL die Steine auf ihre Denkmalwürdigkeit. "Ergebnis ist eine vorläufige Unterschutzstellung", berichtet Johannes Kleffken, stellvertretender Leiter der Abteilung Stadtplanung. Seit zwei Jahren ist er für die Denkmalpflege in Lünen zuständig. Das Verfahren durchlaufe jetzt noch die städtischen Gremien. Herrscht Zustimmung, werden die Objekte in die Denkmalliste der Stadt eingetragen. Für ihn wäre es das erste Unterschutzstellungsvorhaben, für das es grünes Licht gibt.
In einer äußeren Ecke des alten kommunalen Friedhofs steht der Gedenkstein für die Zwangsarbeiter, die hier bestattet sind. "Hier ruhen 16 Sowjetbürger, die in den Kriegsjahren 1941-1945 ums Leben gekommen sind" lautet die Inschrift. Der Findling habe vor Jahren eine hölzerne Gedenkplatte ersetzt, erzählt Erika Sikora, in der Abteilung Stadtgrün für Bestattung und Kriegsgräberfürsorge zuständig. Die Namen der Toten sind bekannt, für die Schriftzüge habe aber damals das Geld gefehlt.
Auch die jüdischen Gräber liegen versteckt auf dem Gelände an der Friedhofstraße, in dessen Mittelpunkt die Kriegsgräber deutscher Soldaten stehen. Die drei jüdischen Gräber nahe des Gedenksteins für die Zwangsarbeiter sind verwittert, nicht alle Inschriften komplett zu lesen. Es sei nicht klar, ob die Toten hier bestattet oder hierher umgebettet wurden, berichtet Kleffken von den Recherchen der Denkmalschützer.
Genauso ungewiss ist die Geschichte der Gräber jüdischer Bürger, für die ein Gedenkstein mit Inschrift in der anderen äußeren Ecke des Friedhofs aufgestellt wurde. Sie sind namentlich nicht bekannt, sollen ursprünglich auf dem jüdischen Friedhof in Lünen begraben gewesen und 1939 umgebettet worden sein. Unter welchen Umständen und von wem, ist ungewiss.
Wohl aber das Ende des jüdischen Friedhofs: "1938 wurden die Grabsteine mit Vorschlaghämmern zerschlagen und abtransportiert, der ,Judenberg' wurde planiert", heißt es in der "Geschichte der Juden in Lünen", die Stadtarchivar Fredy Niklowitz mit sechs weiteren Autoren verfasst hat. Früher habe der Friedhof weit vor der Stadt um einen Sandhügel gelegen, "der bis zur Abtragung die Bezeichnung ,Judenberg' führte".
An den jüdischen Friedhof erinnert heute eine Grünfläche mit Gedenkstein an der Münsterstraße - wie die baldigen Denkmäler in Brambauer "eine der wenigen Erinnerungen an die Lüner Judengemeinde", wie Niklowitz schreibt.
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