„Stein erfüllt Sinn – wir sind das Mahnmal“
22.04.2011 | 15:55 Uhr 2011-04-22T15:55:00+0200
Lünen.An die „unvorstellbaren Grausamkeiten von Menschen an Menschen“ erinnerte Landrat Michael Makiolla am Karfreitag beim Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus am Mahnmal im Südpark. Vor dem aktuellen Hintergrund „besorgniserregender rechtsextremistischer Vorfälle auch im Kreis Unna“ sei jeder gefordert, „dem Unrecht aktiv entgegenzutreten“.
Die Bedeutung des Standortes hob Bernhard Dlugosch, Pastor in der Gemeinde Heilige Familie, hervor. „Der Stein erfüllt seinen Sinn, weil wir hier stehen – und nicht im Garten, im Biergarten oder auf der Couch sitzen geblieben sind. Wir sind das Mahnmal.“ Man dürfe die Vergangenheit nicht ruhen lassen, „damit ihr Schrecken nicht der Schrecken der Zukunft wird“.
Die Redner erinnerten an den gewaltsamen Tod von etwa 300 politischen Gefangenen und Widerstandskämpfern: Zwischen dem 7. und 12. April 1945, kurz vor Kriegsende, ermordeten Gestapo und SS im Dortmunder Rombergpark, in der Bittermark und in Hörde die Menschen aus sieben Ländern.
Unter den Opfern am Karfreitag vor 66 Jahren waren Lüner: Johann Berg, Jakob Bink, August Dombrowski, Bernhard Höltmann, Johann König und Josef Kriska – „aufrechte Männer, die den Unrechtscharakter der Regierung erkannt hatten und die ihren Mut und ihre Überzeugung mit dem Leben bezahlen mussten“, so Makiolla. Ihre Namen müssten „unvergessen bleiben“. Isa Nigge vom Internationalen Rombergpark-Komitee hatte 2008 einen weiteren hinzugefügt: Alex Uesseler, ehemals Lüner Ratsmitglied, sei nach Lüdenscheid gezogen, dort verhaftet und im Rombergpark von Nationalsozialsozialisten erschossen worden.
Der SPD-Kreistagsabgeordnete Jens Hebebrand, der die etwa 70 Teilnehmer des Gedenkens begrüßt hatte, verlas ein Grußwort des Rombergpark-Komitees. Dessen Vertreterin hatte wegen Krankheit abgesagt. Die 1960 in Dortmund gegründete Initiarive habe sich jüngst mit dem Förderverein Steinwache Dortmund zusammengeschlossen, um gemeinsam gegen Rechtsextremismus und Vergessen der Opfer von Gewaltherrschaft einzutreten.
Das Gedenken, veranstaltet von den SPD-Ortsvereinen Oberbecker und Lünen-Süd, der IGBCE Lünen-Süd und der Siedlergemeinschaft Oberbecker, wurde vom Posaunenchor der Preußengemeinde mitgestaltet, vertreten war außerdem der Schützenverein Lünen-Süd.
Makiolla mahnte, die Erinnerung in Lünen wachzuhalten: „Hätten damals mehr Menschen diesen Mut bewiesen, wäre unserem Land viel Leid erspart geblieben.“
0mitdiskutieren