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Konzert im Hansesaal

Souveräne Sopranistinnen

10.05.2009 | 19:10 Uhr

„Ich darf Sie zu einem außergewöhnlichen Abend begrüßen. Wir sind drei Soprane, beherrschen drei Oktaven, und was die drei Tenöre können, das können wir schon lange.” Selbstbewusst und locker stimmte Desiree Bruver-Leske die Zuschauer im prall gefüllten Hansesaal auf die Darbietungen ein.

„Frauenpower von der Klassik bis zur Gegenwart” stand in der Programm-Ankündigung. Dabei waren es sogar vier gebürtige Lünerinnen, die am Samstag den Ton oder besser gesagt die Töne angaben. Denn die Sopranistinnen Monika Bergmann, Desiree Bruver-Leske und Nicole Schwenzfeier wurden einfühlsam begleitet und musikalisch getragen von der Pianistin Sabine Grube.

Parodistische Einlagen

Der Abend begann mit einem Querschnitt durch geistliche Lieder, vom andächtigen „Panis Angelicus” bis zu „Deep River” und „This little light of mine”. Bei diesen Spiritual-Gospel-Songs gelang es den Solistinnen, den typischen Sound der Gospel-Stimmen anklingen zu lassen.

Der letztgenannte schwungvolle Titel regte die Zuschauer bereits zum rhythmischen Klatschen an. Insgesamt bewiesen die Akteure durch die Stückauswahl und Darbietung, dass gesangliche Kunst nicht todernst präsentiert werden muss, sondern dass gerade eine Prise Humor den Genuss für das Publikum steigern kann.

Natürlich musste bei soviel Frauenpower das Thema Männer einen breiten Raum einnehmen, sei es in der Klage „Ich wollt ich wär' kein Mädchen, ich wollt ich wär' ein Mann” oder in der Qual der Wahl „Ich erwähle mir den Braunen” bis zur Entwicklung der richtigen Taktik im Umgang mit Männern aus den „lustigen Weibern von Windsor”. Oder die Entwicklung der Vorstellungen vom Märchenprinzen „Du sollst der Kaiser meiner Seele sein”.

Die Solistinnen meisterten die stimmlichen Herausforderungen mit Bravour, ohne dass man ihnen die Anstrengungen anmerkte. Ganz im Gegenteil: Mit humorvollen Gesten, parodistischen Einlagen und Tanzbewegungen unterstrichen sie den heiteren Tenor des Abends. Doch bei einigen Liedern verwandelte sich die „Power” sogar zum „Schauer”, der einem über den Rücken lief. Denn da zeigten die Damen, dass sie auch das ernste Metier souverän beherrschten. So beim eindrucksvoll dargebotenen Lied „Rebecca” oder beim Traum der Esmeralda von einer besseren Welt in „Someday”.

Der Prophet gilt nichts im eigenen Land. Für die Prophetinnen aus und in Lünen traf diese Volksweisheit nicht zu. Mit stehenden Ovationen wurden sie gefeiert, sodass ihnen zum Schluss sogar die Zugaben ausgingen. Monika Bergmann: „Mit einem so großen Erfolg haben wir nicht gerechnet. Aber wir kommen gerne wieder.”

Von Diethelm Textoris

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