Segen für Arbeiter ist gewiss
08.01.2010 | 08:00 Uhr 2010-01-08T08:00:00+0100Lünen. Trianel wird zu einem späteren Zeitpunkt den Segen für die Arbeiter auf der Kraftwerksbaustelle erbitten - und auch bekommen. „Wir werden sicherlich nicht darauf verzichten”, erklärte Manfred Ungethüm, Geschäftsführer der Trianel Kohlekraftwerk GmbH. Man werde die Bitte um Segen wiederholen.
Pfarrer Ralf-Hubert Bronstert, der den Besuch der Sternsinger auf der Baustelle am Dreikönigstag kurzfristig abgesagt hatte, teiltemit, diesem Ersuchen selbstverständlich nachzukommen, sofern er gefragt würde. Schon in den Fürbitten an diesen Wochenenden würde die Gemeinde für das Wohl auf der Baustelle beten, sagte Bronstert.
Der Leiter des Pastoralverbundes erläuterte noch einmal die von ihm getroffene Absage. Er habe sich kurzfristig gegen den Besuch der Sternsinger aus der Gemeinde St. Josef auf der Kraftwerksbaustelle entschieden, als klar wurde, dass daraus ein Politikum wird. Er habe die Kinder und die gute Sache schützen und nicht zu Schaden kommen lassen wollen. Er habe sich nicht der Meinung von Bedenkenträgern und Kraftwerksgegnern gebeugt, die ihn am Abend zuvor anriefen. Bronstert sprach selbst von Druck, der auf ihn ausgeübt wurde, betonte aber, in seiner Entscheidung souverän und eigenständig gehandelt zu haben.
Die Begründung der Absage habe er noch vor dem Besuchstermin Trianel-Pressesprecher Elmar Thyen mitgeteilt, der ihn nach Bekanntwerden der Absage am Morgen des Dreikönigstages anrief. Die Absage der Gemeinde wurde zuvor per E-Mail an das Unternehmen übermittelt.
Geschäftsführer Manfred Ungethüm berichtete, darüber morgens auf der Fahrt von Köln nach Lünen informiert worden zu sein. Trianel wollte am Mittag den Beginn der Arbeiten am Kesselhaus feiern, wozu die Sternsinger sowie zahlreiche Gäste und Medien geladen waren. „Das ist unglücklich gelaufen”, zog Ungethüm gestern Bilanz. Er sprach davon, das Gespräch mit der Gemeinde suchen zu wollen.
Mit einem schnellen versöhnlichen Ende ist nicht zu rechnen. Manfred Ungethüm kündigte gleichzeitig einen Brief ans Erzbischöfliche Generalvikariat in Paderborn an. Man wolle eine Antwort darauf, ob das Verwehren des Segens gerechtfertigt ist. Und auch, ob Pfarrer Bronstert nicht doch vielmehr dem Druck der Bedenkenträgern erlegen sei. Für Pressesprecher Elmar Thyen ist vor allem die späte Absage ein Indiz für Opportunismus. Wenn es ihm darum gegangen wäre, die Sternsinger aus einer umstrittenen Sache herauszuhalten, hätte er das viel früher sagen können, so Thyen.
Pfarrer Bronstert erklärte daraufhin auf Nachfrage, dass er dies auch getan hätte, wenn ihm früher klar geworden wäre, welche Wellen der angekündigte Besuch der Sternsinger am umstrittenen Kraftwerk schlagen würde. Damit aber habe er schlichtweg nicht gerechnet, weswegen er der Einladung zur Baustelle im Dezember zugesagt habe.
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