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Schicht im Schacht

29.06.2012 | 07:00 Uhr
Schicht im Schacht
Ein Bild aus dem Juli 1991: Die Stilllegung der Zeche war bereits bekannt. Das alte Gebäude neben dem Förderturm gibt es heute nicht mehr. Förderturm und Schachthalle werden allerdings heute noch genutzt.

Brambauer.   Vor 20 Jahren wurde in Brambauer das letzte Stückchen Kohle gefördert. Die IGBCE erinnert mit einem Fest daran.

„Friede“ – so hieß es einmal, das Bergwerk in Brambauer. Ihren bis heute geläufigen Namen erhielt die Zeche Minister Achenbach erst etwas später. Mehr als 100 Jahre Bergbaugeschichte wurden im Ortsteil geschrieben – vor 20 Jahren war es dann damit vorbei. Daran erinnern am Samstag, 30. Juni, die beiden IGBCE-Ortsgruppen.

Schon 1897 war der erste Schacht in Brambauer geteuft worden, die Kohleförderung begann drei Jahre später. Bis zu ihrem Ende wurden in der Zeche Minister Achenbach mehr als 126 Millionen Tonnen Kohle gefördert. Jahrzehntelang war der Stadtteil mehr als viele andere vom Bergbau geprägt, etliche Bewohner lebten mit und von ihm – direkt oder indirekt.

Drei Jahre früher Schichtende

Umso schockierender war die Nachricht vom Aus, die Mitte 1988 von der Ruhrkohle AG verkündet wurde. Eigentlich sollte das Bergwerk nach 1994 geschlossen werden, Ende 1991 jedoch wurde bekannt: Schon am 30. Juni 1992 wird Schluss sein. Tatsächlich war dies der Tag, an dem die letzten rund 800 Bergleute zum letzten Mal in Brambauer Kohle ans Tageslicht förderten.

Dass der Schock auch wirtschaftlich tief saß, ist in ganz Lünen bis heute zu spüren. Trotz manch positiver Entwicklung ist der Strukturwandel noch immer nicht überstanden.

Bis heute bestimmt die Bergbauvergangenheit das Stadtbild. Die Siedlungsstrukturen beruhen oft auf den alten Bergarbeitersiedlungen, die Seilbahntrasse ist heute Fuß- und Radweg. Wo einst die Schachtanlagen 1 und 2 waren, gibt es heute das Gewerbegebiet Achenbach und die Zechenstraße. Das letzte Gebäude, das dort überlebt hat, ist das ehemalige Gesundheitshaus – dort sitzt unter anderem die Arbeitsloseninitiative Lünen. Der ehemalige Schacht 4 mit der benachbarten Halde Tockhausen hat es sogar zu einem der meistfotografierten Wahrzeichen des Ruhrgebiets geschafft: Das Colani-Ufo ist im Grunde noch der alte Förderturm.

Über 1000 Mitglieder

Ein ehemaliges Verwaltungsgebäude der Zeche beherbergt das Technologiezentrum Lüntec und damit auch zahlreiche junge Unternehmen. Ansonsten erinnern vor allem eine Reihe alter Straßennamen an die Zeche – an die Bergwerksdirektoren Carl Haarmann oder Emil Stade. Geblieben ist auch eine gewisse Bergbaukultur und eine bis heute starke Gewerkschaft. Die heutige IGBCE hat in den zwei in Brambauer verorteten Ortsgruppen immer noch mehr als 1000 Mitglieder.

Die IGBCE ist es auch, welche am Samstag, 30. Juni 2012, mit einem Fest an den Jahrestag erinnern wird.

Oliver Schlappat



Kommentare
29.06.2012
14:14
Schicht im Schacht
von Trebusch | #1

Früher haben dort mal über 6000 Menschen in Lohn und Brot gestanden .Heute gibt es dort eine Handvoll Firmen mit viel,viel weniger Mitarbeitern .EInige davon 400-Euro-Kräfte Die Arbeitsplätze wurden aber nicht neu geschaffen ,lediglich der Standort der Firmen aus anderen Nachbarstädten umgesiedelt,die diese Arbeitsplätze verloren.Diese Augenwischerei ,in X die Firmenzelte abbrechen und in Y wieder aufbauen ,nennt man Strukturwandel .Arbeitsplatzgewinn?Gleich Null.

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