Schachtzeichen glanzvoll verabschiedet
30.05.2010 | 18:11 Uhr 2010-05-30T18:11:00+0200
Lünen. Es ist zehn Uhr abends und es bildet sich eine lange Schlange vor dem einzigen sich in Betrieb befindlichen Fahrstuhl des Rathauses. Alle wollen in den vierzehnten Stock und nehmen lange Wartezeiten in Kauf.
Zahlreiche Menschen aus Lünen und Umgebung entschieden sich am Samstag gegen das Alternativprogramm von Länderspiel, Eurovision Song Contest und Klitschkokampf, um die hervorragende Sicht auf die Schachtzeichen zu genießen. Seit einer Woche schwebten die gelben Ballone – insgesamt sechs an fünf Standorten – über der Stadt und wurden zum Abschluss noch einmal beleuchtet. Wobei am Seepark nur noch ein Ballon, statt der zuvor zwei Exemplare, aufstieg, nachdem beide am Pfingstmontag zerstört waren.
Ballons konnten nicht so hoch hängen
Viele Profi- und Hobbyfotografen reihten sich an den Fenstern. Da die Ballone aufgrund des starken Windes nicht ganz so hoch hängen konnten wie erwartet, erwies sich die Motivsuche teils als schwierig. Denn nicht nur der Mond strahlte hell und rund. Harald Plümacher aus Brambauer hat einen eigenen Bezug zu den Schachtzeichen. 40 Jahre lang arbeitete er in den Zechen Achenbach und in Derne. Er besuchte die Veranstaltung im Rathaus mit seiner Frau Veronika, die sich über die herrliche Aussicht freute: „Von unserem Badezimmerfenster aus können wir den Ballon am Ufo sehen, aber das hier ist nochmal ein ganz besonderer Blickwinkel.” Vom 14. Stock aus hatte man nicht nur eine gute Sicht auf die Schachtzeichen, sondern auch auf Lünen. So stellten viele Besucher erstaunt fest, wie schön die Stadt von oben aussieht. „Für das Wetter kann ja keiner was”, ließ sich Reiner Artmann nicht vom tiefen Stand der Ballone entmutigen. Der Lüner freute sich über die Aktion. Da er lange Jahre für ein Zulieferunternehmen des Bergbaus gearbeitet hatte, sei er sehr an der Geschichte der Zechen interessiert und begrüßte die Idee der Schachtzeichen, die vielen Menschen vor Augen führte, welche Bedeutung dem Bergbau in Lünen und dem Rest des Ruhrgebietes zukam.
Familie Werk reiste sogar aus Dortmund an. „Die Entscheidung fiel zwischen dem Eurovision Song Contest und dem Ausflug nach Lünen”, so Mutter Bettina. Und niemand bereute die Wahl „Lünen statt Lena”. Per Fernglas konnte Familie Werk sogar einen Blick auf die Heimat werfen. Auch das Dortmunder U leuchtete hell in der Ferne.
Heute blieben die Schachtzeichen am Boden, da der Wind der Abschiedsvorstellung einen Strich durch die Rechnung machte – umso glanzvoller war der Samstag.
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