Preis geht an den Trommler für die Hauptschule
19.07.2011 | 18:13 Uhr 2011-07-19T18:13:00+0200
Lünen.Zivilcourage ist eine wesentliche Voraussetzung, um den Heinrich-Bußmann-Preis verliehen zu bekommen. Sie bewies Jürgen Ortlepp als Rektor der Heinrich-Bußmann-Schule jahrzehntelang - als Verfechter und unermüdlicher Trommler für die Hauptschule.
Nichts und niemand konnte ihn bremsen, in Wort und Tat zu demonstrieren, dass „seine“ Hauptschule der lebende Beweis dafür ist, dass es keine aussterbende Schulform sein muss. Trotz einer durchaus respektablen Liste von Vorschlägen für den Preis einigte sich die Jury am Montagabend darauf, den Lehrer aus Leidenschaft und „Menschenfischer“ für sein Lebenswerk zu ehren.
Als Rektor über 20 Jahre stand Jürgen Ortlepp immer vor seiner Schule und hinter ihrem Namen. Daher ist der Preis für ihn eine konsequente und öffentlich notwendige Folge seines Wirkens. Seit 1983 war Ortlepp Schulleiter der Heinrich-Bußmann-Schule in Lünen-Süd. Als die Hauptschullandschaft 1991 schwer in Bewegung geriet, wurden am Ende drei Hauptschulen zusammengelegt, ihr Rektor wurde Jürgen Ortlepp. Untergebracht ist sie bis heute an der Bebelstraße mit Namen Heinrich-Bußmann-Schule.
Als das Gebäude 2007 50 Jahre alt wurde, präsentierte sich die Schule als Identifikationsobjekt für Schüler, Eltern und Lehrer. Ausnahmslos alle Beteiligten feierten gemeinsam das Haus, in dem sie gleichsam wohnen, in dem sie sich zu Hause fühlen. Ein Technikhaus, ein Garten, Küchen, saubere Toiletten, ein Brotbackofen, eine Bar, in der bei Raummangel auch unterrichtet wird, ein einladender Schulhof, höfliche Jungen und Mädchen, die selten mit einem Abschlusszeugnis die Schule verließen, ohne einen Ausbildungsvertrag in der Tasche zu haben... Was gebaut werden musste, entstand durch Handarbeit, denn so lernten die Jugendlichen, sich aufs Leben vorzubereiten.
Städtisches Dauersparen schreckte Ortlepp nicht; er machte sich auf Sponsorensuche: Geld oder Naturalien. Mit leeren Händen kehrte er nie zurück an die Schule. Somit sparte er der Stadt im Laufe der Zeit eine Million Euro. Von einer Aktion zur anderen stieg der Bekanntheitsgrad der Schule.
Fürs Leben fit
Minister und Ministerinnen gaben sich die Klinke in die Hand und staunten über dieses Lüner Pflänzchen Hauptschule, das zum kräftigen Baum wuchs und mit seiner Krone alle Kinder (be)schützte, die unter ihr gehütet wurden. An Ideen, der Jugend Lust auf Schule zu machen und den Medien die Türen zu öffnen, damit sie das gute Beispiel, wie es gehen kann, in die Welt posaunen, mangelte es nicht. Jürgen Ortlepp machte die Jungen und Mädchen fürs Leben fit, sein Kollegium stand hinter ihm: „Ohne es wäre das alles nicht gegangen!“, sagte Ortlepp gestern zur Redaktion. Seine Nachfolgerin Ulrike Kleber setzt seine Arbeit fort, denn sie ging bei ihm in die Schule. Deshalb wird die Preisverleihung am 27. Januar 2012 auch in der Aula der Heinrich-Bußmann-Schule gefeiert. Kleber auf Anfrage unserer Zeitung: „Ich halte es für grotesk, wenn die Feier woanders stattfinden würde!“
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