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Büffeln in den Ferien

Pennst du noch oder paukst du schon?

11.08.2009 | 18:57 Uhr

Seine Freunde sind noch in Italien, Frankreich und der Türkei. Sie schlafen bis mittags, aalen sich am Strand, lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen. Mehmets* Wecker hingegen klingelt um sieben Uhr. Er verbringt seine Tage am Schreibtisch.

Und mit Sonne hat sein Bauch in letzter Zeit keine Bekanntschaft gemacht. Dafür aber mit nervösem Kribbeln. Denn während andere Schüler die letzten Ferientage genießen, bereitet sich der 20-Jährige auf seine Nachprüfung vor.

„Ich war im letzten Schuljahr einfach eine faule Socke”, gesteht Mehmet. Jetzt jedoch hat ihn die Lernwut gepackt. In letzter Minute. Wenn er nämlich die Prüfung in Deutsch vergeigt, war's das mit der Versetzung in die 13. Klasse und vorerst auch mit dem Fachabitur am Lippe-Berufskolleg. Game over.

Für seine zweite Chance paukt Mehmet nun in einem Ferienkurs bei der Schülerhilfe. Drei Wochen, täglich, je 90 Minuten: Erörterung, Werbeanzeige und Kommentar stehen auf dem Lehrplan, Dozentin Anne-Janine Müller hilft ihm, den versäumten Stoff aufzuholen. „Beim Satzbau war er anfangs noch unsicher. Aber er hat große Fortschritte gemacht”, so ihr das Urteil. Die Motivation sei groß. Er mache sogar jeden Tag seine Hausaufgaben. „Man muss mir wohl in den Hintern treten, damit es klappt”, glaubt Mehmet.

Doch nicht immer ist es Faulheit, die die Schüler auch während der Ferien statt ins Freibad in die Nachhilfeinstitute treibt. „Die Stofffülle ist so groß, dass manche Schüler sie in der Schulzeit nicht mehr allein bewältigen können”, hat Hans-Peter Gorlas, Leiter des Studienkreises Lünen, beobachtet. Durch die Auswirkungen des „Turbo-Abiturs” werde sich dieses Problem noch verstärken, vermutet Gorlas. Viele nutzten schon jetzt auch ohne drohende Nachprüfung Lernangebote in den Ferien.

Jonas Wünderich (12) etwa brütet seit drei Wochen jeden Tag über seinen Lateinvokabeln. Auf dem letzten Zeugnis hatte er eine fünf – das soll sich nicht wiederholen. „Mit den Übersetzungen musste ich mich immer ganz schön quälen”, gesteht er. Der „Kasus knacktus”: Akkusativ, Genitiv, Ablativ – Fälle waren einfach nicht sein Fall. Aber inzwischen ist der Knoten geplatzt. „Jetzt läuft es gut”, sagt Jonas – und Nachhilfelehrer Michael Sochaczewski nickt. „Es ist wichtig, dass die Kinder sehen: Da sind Leute, denen geht es ganz ähnlich. Und wenn es die ersten Erfolgserlebnisse gibt, kommt auch der Spaß am Lernen.” Entscheidend sei aber, dass die Anmeldung zum Kurs nicht allein der Wille der Eltern sei. „Die Kinder müssen dahinter stehen. Sonst kann man hier auch gegen Wände reden”, weiß Sochaczewski.

Jonas hat sich bewusst für den Ferienkurs entschieden. Und er will am Ball bleiben, auch im neuen Schuljahr Hilfe in Latein annehmen, um den Anschluss nicht zu verlieren. Für ihn steht fest: „Nächstes Jahr tu' ich mehr für die Schule. Da will ich länger Ferien haben!”

* Name geändert

Daniela Thamm

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