Ortlepps Kompetenz gewürdigt
27.01.2012 | 20:59 Uhr 2012-01-27T20:59:00+0100
Lünen.Jürgen Ortlepp mit einem quieklebendigen Glücksschwein, Jürgen Ortlepp mit einer Henne, der Mann in Schweiß gebadet mit einer Schubkarre beim Renovieren der „weltbesten Hauptschule“, der ehemalige Rektor der Heinrich-Bußmann-Schule als lachendes „Opfer“ während einer Feuerwehrübung, als ministerialer Bussi-Empfänger, als cooler Talkrunden-Teilnehmer, als internationaler Botschafter mit seinen künstlerischen Schülern: Jürgen Ortlepp round the world, wie es ein Film-„Verschnitt“ aus der Vergangenheit dokumentierte, ist seit gestern aktuell der zehnte Lüner Heinrich-Bußmann-Preisträger.
Großer Bahnhof
Selten sind Preisverleihungen gemeinhin lustig, aber gestern Nachmittag hatten die Gäste in der Aula der Hauptschule an der Bebelstraße viel zu lachen, dank des Naturells des Geehrten. Ganz großer Bahnhof war angesagt anlässlich der Ehrung, die dort stattfand, wo Jürgen Ortlepp knapp 20 Jahre lang wirkte, tobte, arbeitete und den Ruf der Hauptschule in den Vordergrund des Bewusstseins von Öffentlichkeit und Politik trieb.
Deshalb war das Rahmenprogramm des Festaktes äußerst sinnfällig: Die neue Steeldrumband der Schule trommelte für den Trommler. Auch das Abschlusslied der Feier passte punktgenau zum Charakter des Preisträgers. Rektorin Ulrike Kleber (O-Ton:„Jürgen Ortlepp war mein Ziehvater!“) sang den legendären Chanson der berühmten Edith Piaf „Non, je ne regrette rien!“ als „Spatz der Bussis“ so herzergreifend wie das Original. Nein, Jürgen Ortlepp bereut nichts, denn seine unorthodoxen Methoden, Schüler-, Eltern- und Lehrerschaft zu motivieren und beispielshaft selbst mit anzufassen, zeitigten den gewünschten Erfolg. Die Bußmann-Schule entließ unter seiner Leitung glückliche Schüler. Nichts mehr kann Gesellschaft und Politik sich wünschen.
Der Jury-Vorsitzende, Prof. Dr. Ludwig Bußmann, ging in ernsthaften und gleichwohl launigen Worten auf die Entscheidung des Gremiums ein, das im Juli 2011 unter sieben Vorschlägen den Schulleiter a.D. als neues Gesicht für den Preis auswählte. Der „Menschenfischer“ habe es verstanden, Mitstreiter für die ernsthafte Sache mit seinem Lachen und seiner Lebensfreude anzustecken. Aus den Schülern und Schülerinnen seien selbstbewusste Teilhaber am Leben der Schule und somit der Bürgergemeinschaft geworden. Als „charismatische Vaterfigur“ habe er weit mehr als seine Pflicht getan, sondern die Jugendlichen „mit Güte und Konsequenz“ auf ein erfolgreiches Leben vorbereitet. Darüberhinaus sei die Jury der Auffassung, dass das „vielfältige Engagement, seine zupackende Art, seine Offenheit und Toleranz und seine Unerschrockenheit bei der Lösung von Problemen“ ihn zu einem würdigen Preisträger mache.
Die Lobeshymnen quittierte Jürgen Ortlepp mit liebevoller Ironie: „Da steh’ ich nun mit feuchten Händen und bin außerstande eine halbstündige Rede zu halten!“ Stattdessen dankte er der SPD, die den Preis auslobt, Annette Jansen und Ulrike Kleber, die die Feier ausrichteten und wies noch einmal nachdrücklich darauf hin, dass er alleine „ohne das absolut verrückte Kollegium“ nichts hätte schaffen können. Dann verteilte er das Preisgeld von 500 Euro auf die Stiftung des Kinderhospizes, kündigte an, aus seiner Privatschatulle eine Anschubfinanzierung für die Kita Steinstraße zu spendieren und plädierte, an die anwesenden Politiker gewandt, für den Erhalt der Hauptschule. So ist er: Politisch für die Sache bis zum Schluss, bitte keine Rührseligkeiten, aber gerne eine Prise Witz.
0mitdiskutieren