Orgel-Hilfe „von höchster Stelle“
01.01.2012 | 14:35 Uhr 2012-01-01T14:35:00+0100
Lünen. „Wer hätte das gedacht, als wir im November 2009 zu Spenden für unsere Orgel aufriefen, dass wir Ihnen zwei Jahre später ein renoviertes, klanglich ausgewogenes und attraktives Instrument vorstellen können“, erklärt Jutta Timpe, die Organistin der Stadtkirche St. Georg. „Ich habe den starken Verdacht, dass wir nicht nur Unterstützung von vielen Geldgebern, sondern auch von höchster Stelle hatten.“
„Sonst hätte sich nicht alles so glücklich fügen können“, so Timpe. Es ist Samstagabend 21 Uhr. Das traditionelle „Orgelkonzert in der Silvesternacht“ findet zum 18. Mal statt. Wieder haben sich über 200 Zuhörer eingefunden. Sie scheinen besonders gespannt zu sein, denn es ist das erste Mal, das die generalüberholte „Königin der Instrumente“ für die Öffentlichkeit im Konzert erklingt.
Um ihren Worten Ausdruck zu verleihen, zieht Timpe gleich zu Beginn im wahrsten Sinne des Wortes alle Register der Orgel und ihres eigenen Könnens. Mit der „Toccata und Fuge d-moll“ präsentiert sie das wohl bekannteste Orgelwerk von Johann Sebastian Bach, mit dem der junge, nicht einmal 25-jährige Komponist das Resümee seiner Lehrjahre als Organist zog.
Tränen in den Augen
Gerade dieses Stück verlangt ein virtuoses Pedalspiel, bei dem die improvisatorisch wirkenden Passagen eine Einheit mit dem Manualspiel bilden müssen. „Ich habe zu Hause eine Aufnahme aus Notre Dame in Paris, doch was ich hier in St. Georg gehört habe, trieb mir echt die Tränen in die Augen“, gesteht Berufskolleglehrer Michael Möllmann, der nach eigenem Bekunden nur gekommen ist, „um sich nicht irgendein ödes Fernsehprogramm ansehen zu müssen“.
Von Johann Sebastian Bach bringt Jutta Timpe noch „Von Gott will ich nicht lassen“ aus den Leipziger Chorälen und aus der „Fantasie G-Dur“ die Passagen Très vitement, Gravement und Lentement. Das letztere Stück lehnte der Komponist stark an den französisch bestimmten Geschmack der damaligen Zeit an. Es folgen Teile aus der „Sonata D-Dur“ von Carl Philipp Emanuel Bach, dem Sohn von Johann Sebastian. Danach stehen Werke bzw. Bearbeitungen zweier zeitgenössischer Komponisten auf dem Programm, um eine große Bandbreite der Orgelmusik und der Einsatzmöglichkeiten der instand gesetzten Orgel zu zeigen.
Von Mathias Nagel ist eine „Groovy Meditation“ und die Friedensbitte „Dona nobis Pacem“ zu hören. Den Abschluss bildet eine „Fantasia“ von Michael Schütz, bei der Jutta Timpe der Orgel schon fast poppig klingende, vor allem aber fröhliche Töne entlockt, die für die Konzertbesucher ein Übergang zu vielleicht noch folgenden Silvesterfeiern sein können. Um den Konzertablauf nicht zu stören, gibt es keinen Zwischen-, sondern nur einen Schlussapplaus. Der fällt aber um so kräftiger aus. Auch die Organistin ist mit dem Konzert zufrieden. „Die Mechanik muss sich allerdings noch etwas einspielen,“ räumt sie ein. „Zwei Register sind noch einzubauen. Dann werden wir die Gemeindemitglieder nicht mehr um Geld bitten müssen, jedenfalls nicht für die Orgel.“
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