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Neue Strecke fürs kommerzielle Paddeln

25.07.2007 | 04:40 Uhr

Bergkamen/Lünen. (bu) Unter der Schwimmweste wird es langsam warm. Freundlich plätschert die Lippe unter strahlender Sonne dahin. Das erste Kanu steht an der Einlass-Stelle an der Rünther Brücke bereit. Nun gibt es für 25 Teilnehmer kein Zurück mehr. Elf

Es ist es das erste Mal, dass am Sonntag neun kommerzielle 3er- und 4er-Kanus zwischen Rünthe und Lünen Fahrt aufnehmen. Nach langem Papierkrieg gab es Anfang des Jahres eine Sondergenehmigung für die "Lippe-Tour C". Eine echte Premiere also für Mathias Sandmann und sein Team von der Lippe-Touristik. Entsprechend euphorisch ist die Stimmung bei der Begrüßung in Lünen und im VKU-Sonderbus auf der Fahrt nach Rünthe. Die meisten Abenteurer kennen nicht nur Teilabschnitte der Lippe. Sie kennen sich auch bereits untereinander. Die anderen kommen sich in den nächsten vier Stunden näher - intensiver, als es mancher vorher gedacht hätte.

Einigen scheint das lange Paddel in der Hand jedoch noch etwas suspekt. "Ihr müsst es vorn einstechen und kräftig durchziehen", erklärt Andreas Voll. Der muss es wissen. Seit zweieinhalb Jahren ist er Experte für Kanutechnik und Sicherheit auf dem Wasser. Ein ausgebildeter Bootsführer eben. "Der Steuermann lenkt, indem er zwei Spezialschläge anwendet - er zieht das Paddel wie ein Schwert und zieht es im großen Bogen hinter sich." Hört sich einfach an. Allerdings: "Wenn ihr unbedingt kentern wollt, solltet ihr euch unbedingt alle gleichzeitig auf eine Seite lehnen", witzelt er. Nicht ohne den Zusatz: "Schwimmen in der Lippe ist übrigens verboten."

Das schafft Vertrauen. Der wackelige Untergrund beim Kapern des Kanus dagegen nicht. Irgendwie sitzen dann alle in neun Booten. Es folgen einige Übungsschläge und Wendemanöver unter der Rünther Brücke. Dann geht es los. Allerdings noch nicht für alle. Eine Kanu-Besatzung scheint magnetisch vom Ufer angezogen. Mehrere Rettungs- und Neueinweisungsaktionen später muss die Besatzung wechseln - fliegend Boot an Boot.

Inzwischen haben alle Steuermänner- und -frauen den Bogen raus. Es geht der Sonne entgegen. Libellen tanzen in Schwärmen über das Wasser. Kleine Fische beäugen misstrauisch die roten und grünen Kanus. Als die Kanus um die erste Flusskurve steuern, taucht eine Gruppe Haubentaucher mitsamt ihren Jungen lieber unter. Schon tut sich die nächste Flussbiegung auf. Der Wind bläst stramm gegen Ruder und Gesichter. "Fünf bis sechs Windstärken sind gut zum Segeln, aber für uns bedeutet das ordentliche Anstrengung", liegen die mahnenden Worte von Andreas Voll den Kanuten noch in den Ohren.

Der Anblick von urigen Bäumen, die sich seit Jahrzehnten lässig ins Wasser lehnen, entschädigt für die ersten Muskel-Erschlaffungen. Die Bewohner der kleinen Höhlen in den Steilhängen - Schwalben und Eisvögel - lassen sich lieber nicht blicken. Dafür fliegt ein Schwarm Kanada-Gänse über dem Lippe-Mäander. Die Kühe an den Flusstränken schauen nur kurz auf - und saufen unbeeindruckt weiter. Lilafarbene Riesenblüten wiegen kollektiv im Wind. Hinter der nächsten Biegung taucht das mächtige Steag-Kraftwerk auf - vor urwaldähnlicher Flusskulisse. Obwohl die Arme langsam erlahmen, ist dieser Anblick einfach unbezahlbar.

Ein tolles Erlebnis in fantastischer Natur

Mindestens 24 verschiedene Kraftwerks-Perspektiven, Begegnungen mit Schwan-Familien und eine beschauliche Keks-Pause später landen alle wohlbehalten am Lippe-Wehr in Lünen-Beckinghausen. Das verhindert auch der Schwanenvater nicht, der vorsichtshalber seine Flügel reckt. Die Arme sind zwar etwas taub und manches Gesicht nicht nur sonnengerötet. Trotzdem steigt niemand sofort ins Auto. "Das war supertoll", tauscht sich hier ein Grüppchen aus. "Fantastische Natur", ist eine andere Kanu-Mannschaft begeistert. Die nächsten Tour-Buchungen sind schon in Arbeit. Es war eben ein ganz besonderes Erlebnis.

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