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„Nachts fällt man aus dem Bett, so laut ist das“

26.01.2012 | 18:01 Uhr
„Nachts fällt man aus dem Bett, so laut ist das“

Lünen.Die Diskussion um den Bahnlärm entlang der Hamm-Osterfelder-Bahnstrecke soll politisch weitergeführt werden. Verbesserungen, wie sie vor allem Anwohner fordern, seien nur über Einflussnahme auf Bundesebene herbeizuführen.

Mit dieser Einschätzung und Absichtserklärung endete am Donnerstag Nachmittag das Zusammentreffen des SPD-Arbeitskreises Stadtentwicklung mit Betroffenen an der Hubertusstraße, unweit der Bahnlinie.

Anwohner schilderten noch einmal eindringlich ihre Lebenssituationen entlang der Güterstrecke. „Du brauchst nur das Fenster auf Kipp stellen, dann kannst du den Fernseher noch so laut stellen, du hörst ihn nicht mehr.“ Das berichtete Heiko Pähler aus der Hubertusstraße.

Viele pflichteten ihm bei. „An Autobahnen werden Lärmschutzwände gebaut. Aber hier?“ „Unser Enkelkind fängt an zu schreien, wenn der Zug vorbeifährt.“ „Ich wohne an der Horstmarer Straße. Nachts fällt man aus dem Bett“. Anette Giffhorn, Anwohnerin der Eduard-Petrat-Straße in Horstmar hat mal nachgezählt. Sie kam auf 60 Züge in der Nacht.

Die Häufigkeit ist das eine. Ein anderes Problem ist, dass der Lärm mit der Geschwindigkeit zunimmt. „In unserer Ecke ist es ganz schlimm, weil die Strecke hier abschüssig ist und die Züge noch schneller fahren“, erzählte Anette Giffhorn.

Ingo Moerke aus der Hubertusstraße entdeckte in dem Mietshaus, in dem er lebt, Risse am Kamin und im Keller. Für ihn ist die Drosselung der Geschwindigkeit eigentlich das Wichtigste.

Christel Friedrichs will aber von der Bahn erfahren haben, dass sogar an eine Geschwindigkeitserhöhung auf der Strecke gedacht ist – sobald die Züge von Oberhausen-Sterkrade zentral gesteuert würden. Die defekten Gleise in Nähe ihres Hauses werde in der neunten Kalenderwoche repariert, habe man ihr ferner mitgeteilt. Das sei auch der Grund, warum die Züge momentan langsamer unterwegs seien.

Geht es nach dem Kriterinkatalog von Bund und Bahn, hätte Lünen kaum Chancen auf Verbesserung. Beim Lärmschutz seien erst Strecken mit mehr als 60 000 Zügen pro Jahr dran, erklärte Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick. „Da liegen wir weit drunter.“

Auch mit den Dezibel-Werten ist das so eine Sache. Es mache keinen Sinn, damit zu argumentieren, ist Lünens früherer technischer Beigeordnete Jürgen Evert überzeugt. Das führe nur zu einem Kampf um Hoheitsdeutung von Zahlen, was am Ende keine Verbesserung bringt.

Er riet dazu, sich mit den Betroffenen anderer Städte zusammenzutun. In dem von der Bahnstrecke durchquerten Ballungsraum lebten zwei Millionen Menschen. „Wenn wir geballt auftreten, werden wir Erfolg haben.“

Einen ersten Schritt kündigte die Lüner Kreistagsabgeordnete Brigitte Cziehso an: „Wir werden mit unseren Bundestags- und Landtagsabgeordneten sprechen und deren Kontakte nach Berlin nutzen.“ Auch für SPD-Arbeitskreis-Sprecher Rüdiger Haag ist der Weg über die politische Schiene der einzig richtige – zumal die 75 Kilometer lange Strecke zwischen Oberhausen und Hamm mit dem Ausbau der Betuwe-Linie (Anbindung an den Seehafen Rotterdam) in Zukunft noch stärker befahren sein wird.

Andreas Gruber

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