Medienpreis fürs Magenknurren
17.07.2011 | 17:11 Uhr 2011-07-17T17:11:00+0200
Lünen/Essen.Die Lüner Schülerinnen Carolin Rau und Pia Friedrichs haben mit ihrem Artikel „48 Stunden Magenknurren“ beim Medienprojekt unserer Zeitung „Zeitung und Schule“(ZEUS) einen Preis gewonnen. Sie hatten zwei Tage „gehungert“ und selbst ausprobiert, wie man mit einer sehr kleinen Tagesration Lebensmittel auskommt und dann darüber eine Reportage geschrieben. Für diese Idee gab es für sie den Zeus-Award für die „Beste Zeus-Aktion“, der ihnen am Samstag in Essen überreicht wurde.
Maximal 1000
Kalorien am Tag
Für die beiden Mädchen, die gemeinsam die achte Klasse am Gymnasium Altlünen besuchen, war die Entscheidung der Zeus-Jury eine große Überraschung. „Wir hatten von dem Zeus-Award gehört und uns gedacht, dass wir uns dafür unheimlich anstrengen müssten“, erinnert sich Pia Friedrichs. Die beiden Mädchen schlugen sich den Preis wieder aus dem Kopf, weil er für sie unerreichbar schien. „Doch dann haben wir ihn gewonnen, einfach so, ohne, dass wir darüber nachgedacht hatten.“ Die Freude bei Pia und Carolin war riesig.
Fast schwieriger als das Schreiben selbst sei ihre Hungeraktion gewesen. Maximal 1000 Kilokalorien pro Tag durften sie zu sich nehmen. Gerade so viel wie ein Deutscher in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg durchschnittlich zu essen hatte. „Die Schülerinnen sensibilisieren mit ihrem Versuch für eine Situation, die in der Überflussgesellschaft von heute für die Mehrheit unvorstellbar ist“, so das Urteil der Zeus-Jury. Weiter heißt es: „Wie schwer es für die Menschen im Nachkriegsdeutschland gewesen sein muss, können Carolin und Pia nun sehr gut nachvollziehen. Denn allein den Schultag mit knurrendem Magen zu überstehen, ist offenbar eine Herausforderung.“ Für dieses außergewöhnliche Experiment mit geschichtlichem Hintergrund vergab die Zeus-Award-Jury den Preis in der Kategorie „Beste Zeus-Aktion“.
„Wir haben uns in der Schule in einem Deutsch-Geschichte-Projekt mit der Nachkriegszeit beschäftigt“ – und so sei die Idee entstanden erinnert sich Pia Friedrichs. Der Lehrer hatte es ihnen vorgeschlagen. „Warum nicht“, dachten sich die Mädchen. Und nach den zwei Tagen hungern ging es an den Computer.
Mehrere Nachmittage hatten die beiden Freundinnen nach der Schule zusammengesessen, Stichpunkte gemacht, von ihren Erlebnissen berichtet, sie gegenseitig bewertet und in Reihenfolge gebracht. Schließlich wurden Absatz für Absatz zusammengefügt. „Am schwierigsten war es, den Anfang zu schreiben“, erklärt Carolin Rau. Also hätten sie mittendrin begonnen, später erst verfassten sie Anfang und Ende. Sie schickten den Text ab und besserten ihn zweimal nach.
Und so wurde am Dienstag, 7. Juni, die preisgekrönte Geschichte der Mädchen veröffentlich, die sich mit drei Bildern über eine ganze Zeitungsseite erstreckte. Am Ende blieb die Erkenntnis der Beiden. „Wir konnten nach zwei Tagen aufhören zu hungern, die Menschen damals nicht.“
0mitdiskutieren