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Forensik

„Man darf nicht so feige sein“

30.10.2012 | 19:08 Uhr
„Man darf nicht so feige sein“

Lünen.   Bei den Demonstranten gegen eine Forensik in Lünen hat sich die NRW-Gesundheitsministerin noch unbeliebter gemacht. Statt den Weg vorbei am organisierten Protest wählte Barbara Steffens am späten Dienstag Nachmittag den Hintereingang zum Hansesaal. Dort will sie am Abend Gründe nennen, warum die Zechenbrache Victoria I/II Forensik-Standort werden soll.

NRW-Gesundheitsministerin ist am späten Dienstag Nachmittag dem Trillerpfeifenkonzert und Buh-Rufen der Demonstranten gegen eine Forensik in Lünen ausgewichen. Sie hat für das Gespräch mit der Stadt und Politik und der anschließenden Bürgerversammlung im Hansesaal stattdessen den Hintereingang gewählt.

Als diese Nachricht um 17.56 Uhr bei den Demonstranten gegen eine Forensik in Lünen aufschlug, war die Verärgerung über die Ministerin umso größer. Mit einem noch lauteren Pfeifkonzert und mit noch mehr Buh-Rufen quittierte die Menge das Verhalten.

„Wenn man Landesministerin ist und eine solche Entscheidung verkündet, dann darf man nicht so feige sein“, kommentierte Michael Zawisch als Vertreter der Bürgerinitiative „Lünen ohne Forensik“ von der Bühne aus, die vor dem Hansesaal aufgebaut war.

Damit griff Zawisch die Stimmung der Menge vor ihm auf. Die Polizei sprach von rund 500 Menschen, die BI von „bestimmt tausend“. Viele von ihnen waren mit Transparenten erschienen, fast alle hatten die roten Karten in der Hand, die die Bürgerinitiative in einer Stückzahl von 10 000 auch in Briefkästen, an Schulen und Kindergärten verteilt hatte. Hinzu kamen 2000 Trillerpfeifen, die den BI-Helfern an deren Stand vorm Hansesaal aus den Händen gerissen wurden.

Deutlich erhöht hat sich inzwischen die Zahl der Unterschriften, die die Siedlergemeinschaft Barbara sammelt. Von 10 000 war die Rede, nachdem etliche Listen, die gestern noch im Umlauf waren, ausgezählt sind.

Der Vorstand der BI hatte zu Beginn der Demo, die offiziell gegen 17.45 Uhr startete, die Menschen noch einmal auf die Situation eingestimmt. Die Entscheidung der NRW-Gesundheitsministerin sei in einer „arroganten Art und Weise“ gefallen, so Arno Franke, „die wir als Demokraten nicht verstehen können“. Franke weiter: „Wir zweifeln nicht am Sinn einer Forensik. Doch hier steht der Standort zur Diskussion. Er ist mit uns nicht machbar und wir werden der Ministerin die passende Antwort darauf geben.“

Mehrfach wurde auf eine Benachteiligung Lünens verwiesen. Der Stadt seien vom Land positive Einrichtungen wie die FH verwehrt geblieben. „Und jetzt kriegen wir eine Forensik.“

Dr. Achim Grunenberg als BI-Vorstandsmitglied ging auch auf die Lage der Zechenbrache Victoria I/II ein, die nach dem Willen der Landesregierung Forensik-Standort werden soll. „Das liegt mitten in der Stadt. Das gibt es nirgendwo, dass eine Forensik so zentral gebaut wird.“

„Seien Sie laut, seien Sie deutlich, aber bitte bleiben Sie sachlich“, appellierte Zawisch noch um 17.53 Uhr an die Demonstranten. Drei Minunte später wurde es laut und wurde es deutlich – als bekannt wurde, dass die Ministerin den Hintereingang gewählt hatte statt an den Demonstranten vorbei zu fahren.

Von Andreas Gruber

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2012-10-30 19:08
Lünen