Mamis Stimme macht Lust aufs Lesen
07.07.2008 | 19:00 Uhr 2008-07-07T19:00:00+0200
Wer (vor-)lesen kann, ist klar im Vorteil - besonders, wenn es darum geht, dem eigenen Nachwuchs das geschriebene Wort nahezubringen. Das Projekt „Zum Lesen geboren” möchte Eltern mit Migrationshintergrund zu versierten Vorlesern ausbilden.
Kinderärzte und Büchereien unterstützen das Projekt, die Anmeldefrist für die kostenlosen Schulungen läuft auch in Lünen bereits. „Es ist ganz wichtig, früh anzufangen”, unterstreicht Anne Nikbin, Projektkoordinatorin und stellvertretende Leiterin der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien (RAA) Kreis Unna. „Über die Mutter-Kind-Bindung lassen sich Bücher von klein auf positiv belegen. Wenn das Kind auf dem Schoß der Mutter sitzt, sich geborgen fühlt und vorgelesen bekommt - das prägt. Das ist eine große Chance.”
Mit Vätern funktioniert das natürlich genauso. Angesprochen sind Familien mit Kindern im Alter von 0 bis 6 Jahren. Ein zentraler Aspekt des Projektes ist, dass die „interkulturellen Mütter und Väter” zweisprachige Vorleseangebote machen. Die jeweiligen Bücher enthalten die Texte also einerseits auf Deutsch, andererseits in der Muttersprache der Eltern. Das gibt den Erwachsenen zusätzliche Sicherheit beim Vorlesen, und den Kindern einen doppelten Lernreiz. Menschen mit den Herkunftssprachen Russisch, Polnisch, Türkisch, Arabisch und Italienisch können teilnehmen; und das nicht nur in Lünen, sondern auch in Kamen, Bergkamen, Unna und Schwerte. „Es war ungeheuer schwierig, zweisprachige Bücher in diesen Sprachen zu bekommen”, berichtet Nikbin. Das ist einer der Gründe, wieso das Projekt erst jetzt in die Schulungsphase geht, obwohl es am 1. August 2007 startete. Zunächst musste die notwendige Infrastruktur aufgebaut werden. Ein entscheidend wichtiges Glied waren dabei die Kinderärzte.
„Wir haben alle Kinderärzte in den teilnehmenden Städten besucht und ihnen das Konzept vorgestellt - und alle haben sich bereiterklärt, mitzumachen”, sagt die Koordinatorin. Einerseits richteten die Kinderärzte daraufhin unterstützt von der RAA Leseecken mit zweisprachiger Literatur in ihren Praxen ein, unübersehbar gekennzeichnet durch einen großen, gelben Schmetterling als Logo der Aktion. Andererseits sind es die Ärzte, die die Eltern bei den rgelmäßigen Untersuchungen der Kinder auf das Projekt aufmerksam machen. „Sie weisen die Eltern darauf hin, wie wichtig Vorlesen für die gesamte Bildungslaufbahn ist”, erläutert Nikbin. Die Erfahrungen, die die RAA damit beispielsweise in Schwerte gemacht habe, seien sehr gut - nicht zuletzt deshalb, weil Ärzte in vielen der betreffenden Kulturkreise als besondere Respektspersonen gelten und ihre Ratschläge geachtet würden. Im nächsten Schritt klinken sich, wie in Lünen, die Stadtbibliotheken ein, die ihre Räume für die Vorleseschulungen zur Verfügung stellen. In zwei zweistündigen Sitzungen vermittelt die Diplomsozialpädagogin Renate Enters den Eltern, worauf es beim „guten” Vorlesen ankommt. Erst gibt es zwei Stunden Theorie, eine Woche später dann den zweistündigen praktischen Teil, zu dem die Teilnehmer ihre Kinder mitbringen, um das Erlernte zu erproben. Und damit es auch genügend „Stoff” zum Vorlesen gibt, hat die Stadtbücherei Lünen ebenfalls einen Bereich mit zweisprachigen Kinderbüchern eingerichtet. Zu erkennen - na klar - am großen, gelben Schmetterling.
Termine für Lünen: Kurs I: 15. und 22. Oktober, je zwei Stunden; Alternativ: Kurs II am 16. und 23. Oktober, jeweils in der Stadtbücherei. Die Teilnahme ist kostenlos. Anmeldeformulare bei Kinderärzten sowie in der Bücherei. Infos: RAA Kreis Unna, (02307) 9 24 88 80
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