Lüner Empfang
16.02.2010 | 15:44 Uhr 2010-02-16T15:44:00+0100Berlin. Preisfrage: Es ist Montagabend, es ist stockdunkel und alle kichern. Was ist da los? Genau. Die Lüner sind wieder in Berlin.
Zur Halbzeit der 60. Berlinale zeigten auch dieses Jahr die Kinofestmacher ihre Wettbewerbssieger im großen Saal in den Hackeschen Höfen. Aus dem Geheimtipp ist längst eine sichere Nummer geworden. Die Leute wissen: Wenn die Lüner die Hauptstadt rocken, kommt es dicke. Saukomisch, kunstvoll, eigenwillig.
„Ich war ganz schön dumm.” Robert Cibis fährt sich durch die Haare. Der Regisseur des aktuellen Siegerfilms „Pianomania” sitzt im Clubsessel des „Oxymoron”, wo sich alle treffen, die nach der Filmvorführung noch ein bisschen feiern wollen, Projekte schmieden, Visitenkarten tauschen. Wieso dumm, Herr Cibis? „Ich komme aus Lippstadt. Also quasi von nebenan.” Aber nach Lünen hat er es nie geschafft – bis zum letzten Herbst.
Da lief sein unsagbar komischer Film über die Angst des Klavierstimmers vor dem Hammerkopf im Wettbewerb. Gewann, fand einen Verleih - und kommt im September ins Kino. „Natürlich”, sagt der 36-Jährige Dokumentarfilmer, „werde ich ab sofort immer nach Lünen fahren.” Wo sonst, fragt er, gäbe es denn noch so viele „echte Zuschauer” bei einem Wettbewerb?
Während ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt die internationale Benefizgala „Cinema for Peace” fast am Blitzlichtkollaps zu Grunde ging, blieb die Lüner Party am Montagsabend ihrem guten Ruf treu: Familiär, bodenständig - und traditionssicher bis ins Detail.
Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick und Landrat Michael Makiolla standen mit der restlichen Delegation aus Westfalen wie in jedem Jahr an ihrem Stammplatz rechts von der Theke, darum herum der Filmnachwuchs, die Förderer - und die wachsende Gemeinde der treuen Kinofestfreunde in der ersten deutschen Schauspielspielerliga.
Waldemar Kobus („Wickie”) war gekommen, auch Fabian Busch („Evet, ich will!”) schaute vorbei. Kinofestfreund Charly Hübner („Das Leben der Anderen”) überragte mit seinen knapp zwei Metern das Gewühl zusammen mit Kinofestmacher Michael „Mike” Wiedemann – dem anderen gut gelaunten Partylulatsch.
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Keine langen Beine, dafür aber Stimmung für drei brachte Florian Lukas mit: Das Mulitalent („Nordwand”, „Die Wölfe”) zog bis weit nach Mitternacht seine Bahnen durchs Partygedränge.
Bereits am Sonntagabend hatten die Lüner in der Landesvertretung gefeiert: Beim Berlinale-Empfang der NRW-Filmstiftung hielten sie die Fahne des Nachwuchsfestivals hoch – und erinnerten an die Schubkraft der mittlerweile 20-jährigen Fördermaschine aus Lünen: Die Schauspieler Daniel Brühl, Hannah Herzsprung („Lila, Lila”), oder auch die Oscar-gekrönte Regisseurin Caroline Link („Nirgendwo in Afrika”) waren schließlich mit ihren Filmen erst in Lünen, bevor sie international bekannt wurden.
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