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Leben retten mit der Nabelschnur

10.12.2008 | 16:24 Uhr

Babys sind geborene Lebensretter. Das Blut in der Nabelschnur ist nämlich reich an Stammzellen, die für Menschen mit lebensbedrohlichen Krankheiten wie Leukämie die einzige Hoffnung sein können. Am St.-Marien-Hospital ist die Nabelschnurblutspende seit Kurzem möglich.

Für Mutter und Kind ist der Eingriff risikolos. Es dürfte so ziemlich die einzige Blutspende sein, bei der der Spender nicht zur Ader gelassen wird – sondern eben zur Nabelschnur. Genau genommen zu dem Teil, der mit dem Baby nicht mehr verbunden ist. „Das Kind wird abgenabelt und der Mutter auf den Bauch gelegt. Dann wird der Bereich der Nabelschnur punktiert, der noch an der Plazenta hängt”, erläutert Hebamme Bärbel Köster. Den Blutverlust erleidet also nicht der Nachwuchs, sondern die Plazenta – der Mutterkuchen. Der wird wenig später ohnehin als Nachgeburt von der Mutter abgestoßen und in der Regel entsorgt.

Verschwendung, rein medizinisch betrachtet. Die Stammzellen im Nabelschnurblut sind schließlich wertvoll. „Stammzellen, auch fremde, können bei kranken Menschen dazu dienen, die Bildung eigener Stammzellen wieder anzuregen”, erklärt Köster. Das wiederum ist bei Leukämie und anderen Erkrankungen des blutbildenden Systems entscheidend, damit die Patienten ein widerstandsfähiges Immunsystem aufbauen können. Die Babystammzellen sind dabei effektiver als die von erwachsenen Spendern.

Alles geschieht freiwillig und für die Familien kostenlos. „Die Spenden sind nicht personengebunden, sondern der Allgemeinheit zugänglich”, sagt Dr. Donat Romann, Chefarzt der gynäkologisch-geburtshilflichen Klinik. Generell hätten Eltern zwar die Möglichkeit, die Blutspende ihres Kindes gegen Geld in einer privaten Stammzellenbank lagern zu lassen, um im Falle einer späteren Erkrankung des Nachwuchses exklusiv darauf zugreifen zu können. Die Lüner Mediziner kooperieren aber bewusst mit der Universitätsklinik Düsseldorf, die die Blutspenden typisiert, tiefgekühlt lagert und über eine Datenbank weltweit zur Verfügung stellt. Findet sich im Bestand für einen Patienten geeignetes – also: in wesent- lichen Merkmalen ähnliches – Spenderblut, kann es von überall angefordert werden.

„Wir wollen das Prinzip bekannt machen, um einen breiten Pool aufzubauen”, sagt Dr. Romann. Seit Mitte Oktober ist die Option Teil der Eltern-Beratungen. Sieben Spenden sind bisher entnommen worden. „Wir sind optimistisch, dass wir das steigern können”, sagt der Chefarzt. „Onkologische Krankheiten nehmen zu. Entsprechend wird die Zahl der Leukämiekranken zunehmen.”

Florian Adam

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