Das aktuelle Wetter Luenen 9°C
Hermann Nüdling

Kunst gegen Bürokratie-Mühlen

30.12.2011 | 18:18 Uhr
Kunst gegen Bürokratie-Mühlen
Hermann Nüdling im Sommer 2011.

Lünen.   Zu dessen 80. Geburtstag im Januar würdigen die Lüner Karl Marek und Hans-Jürgen Korn das Lebenswerk Hermann Nüdlings mit einer Ausstellung in der Stadtgalerie.

Als Hermann Nüdling 1980 einen Strich unter seine Zeit in Lünen zog, hatte der Stadtgrafiker mit kreativer Kraft und spitzer Feder viele Spuren hinterlassen: auf Behörden- und Zeichenpapier, Plakaten, Häusern, in Köpfen. Zu seinem 80. Geburtstag im Januar würdigen die Lüner Karl Marek und Hans-Jürgen Korn das Lebenswerk des Künstlers mit einer Ausstellung in der Stadtgalerie.

Dazu haben sie in einer Stiftung die 110 Bilder ausfindig gemacht, die Hermann Nüdling 1997 „den Bürgern Lünens schenkte“, wie Korn betont. Einige der Zeichnungen und Drucke aus den Jahren 1960 bis 1989 werden in der Schau zu sehen sein, außerdem Bilder aus Privatbesitz und aus dem Bestand des Künstlers, der heute in Wettrup im Emsland lebt. „Von seiner Examensarbeit für die Werkkunstschule Dortmund aus dem Jahr 1954 bis zur Grafik ,Sturz des Ikarus’ aus 2011 haben wir exemplarische Werke versammelt, insgesamt 114 Arbeiten“, berichtet Korn.

Die eigene Morbidität und die der Gesellschaft

Der ehemalige Konrektor des Stein-Gymnasiums hat mit dem Architekten Karl Marek seit dem vergangenen Frühjahr an der Ausstellung samt Katalog gearbeitet – aus eigenem Antrieb und ehrenamtlich. Die beiden Kunstfreunde sind fasziniert vom Schaffen Nüdlings, gebürtiger Dortmunder, der 1967 als Grafiker im Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Lünen eingestellt wurde und hier eine Kindermalschule einrichtete. Er brachte Kunst ins Rathaus und ins Gespräch, stritt dafür – auch mit der Stadtverwaltung.

Legendär sind sein „Lüner L“, das Akten-Zeichnung und frühes Stadt-Logo ist, sowie sein Jazz-Light-Plakat und seine Industriekollagen mit Material aus Lüner Betrieben. In seinen Zeichnungen geht es derb zu, häufig düster und bizarr. „Von der ,Morbidität des eigenen Lebens und der Gesellschaft’ will er erzählen in seinen ,Bildern zum Lesen’“, zitiert Korn, der sich intensiv mit der Biografie Nüdlings beschäftigt hat, den Künstler. Verluste seien bestimmend gewesen.

Mit dem Thema „Don Quijote“ trifft er den Nerv von Marek und Korn, die Kunst im Kampf gegen die Mühlen der Bürokratie sehen. Dass etwa dem städtischen Kulturbüro „kaum Geld für Ausstellungen zur Verfügung steht, ist nicht nur beschämend“, meint Marek, „sondern destruktiv. Über diesen Minimalismus müssen wir hinauskommen.“ Viel Überzeugungsarbeit sei nötig gewesen, um die Nüdling-Schau durchzusetzen. „Er hat einige Menschen mit seiner moralisch harten Sprache irritiert“, schildert Marek. „Aber wir wissen heute, dass Nüdling die Welt verdammt realistisch gesehen hat.“

Die Stiftung für Kulturpflege der Sparkasse Lünen, in deren Obhut sich die Arbeiten aus der Schenkung Nüdlings befinden, überzeugten die beiden schließlich, „für eine gewisse Finanzierbarkeit der Ausstellung und des Katalogs zu sorgen“, so Korn.

Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 29. Januar – vier Tage nach dem runden Geburtstag des Künstlers. Beginn ist um 11 Uhr, zur Einführung spricht der Philosophie-Professor Dr. Georg Meggle von der Universität Leipzig, ein Bekannter Nüdlings.

Bis zum 26. Februar ist die Nüdling-Schau zu sehen – „aber zu Museumsöffnungszeiten“, wie Marek und Korn betonen: montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags von 10 bis 17 Uhr. Die Stadtgalerie ist sonst offiziell – wie das Rathaus – nach 16 Uhr und am Wochenende geschlossen. Die Ausstellungsmacher haben Freiwillige gefunden, die die Aufsicht übernehmen. Es werden noch Helfer gesucht: 104-2299.

Jutta Wieloch

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/6204331/create

Umfrage

Was meinen Sie?

 
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Neuordnung der Kunst im öffentlichen Raum
Verwertungsrecht für...
Auch wenn das Stadtbad längt abgerissen ist, soll das Sgraffito von Günter Strupp bald wieder auftauchen. Seit wenigen Tagen liegt der Stadt nun das Verwertungsrecht für die Motive im „Fischgewimmel“ vor. Das macht den Weg für das Stadtmarketing frei – und ein Wiedersehen auf Tassen oder Bildern...
Engagement gegen Rechts geht weiter
Schweigeminute
Die Flaggen auf dem Rathaus-Dach wehen auf Halbmast, um 12 Uhr waren am Donnerstag alle 887 städtischen Mitarbeiter aufgerufen, ihre Arbeit zu unterbrechen, um in einer bundesweiten Schweigeminute der Opfer des rechtsextremen Terrors zu gedenken. Ganz praktisch geht der Kampf gegen den Rechts in...