Krankheiten nicht tabuisieren
10.02.2012 | 19:19 Uhr 2012-02-10T19:19:00+0100
Lünen.Eine Menschenkette zog sich am Freitag durch die Fußgängerzone vom Tobiaspark bis zum Ende der Lange Straße. Die Aktion zum Tag der Kinderhospizarbeit sollte auf die Situation lebensbedrohlich erkrankter Kinder, ihrer Familien und Geschwister aufmerksam machen.
Die Hauptveranstaltung des diesjährigen Gedenktages fand am Kölner Altstadtufer auf dem Schiff „MS Rhein Energie“ statt, bundesweitwurden aber viele weitere Feiern und Aktivitäten organisiert.
„Das Sterben von Kindern muss enttabuisiert werden“, erklärt Roswitha Limbrock, Vorstandsmitglied der Deutschen Kinderhospizstiftung. Die Lünerin zeigt sich begeistert von den Aktionen, die gestern durchgeführt wurden. Hand in Hand standen Schüler des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums und der Geschwister-Scholl-Gesamtschule in der Fußgängerzone, um „Verbundenheit mit den betroffenen Kindern auszudrücken“, so Rudolph Leismann, Lehrer am Stein-Gymnasium. Im Vorfeld hatte die Schülervertretung in den Klassen über das Thema Kinderhospizarbeit informiert und Spenden gesammelt.
Auch an der Viktoriaschule gab’s mehrere Programmpunkte zu dem Tag. „Aufstehen, aufeinander zugehen, voneinander lernen, miteinander umzugehen!“, sangern die Schülerinnen und Schüler, streckten grüne Bänder in die Höhe und ließen Luftballons fliegen. Daran hatten sie Zettel mit Wünschen für die kranken Kinder befestigt. Gabi Skoupi, Lehrerin der Klasse 4b: „Wir wünschen ihnen zum Beispiel, dass sie Zeit mit ihren Familien verbringen können und dass ihnen ein Schutzengel zur Seite steht“. Zuvor hatten die Kinder bei einem ökumenischen Gottesdienst in der St. Marien-Kirche ein Rollenspiel aufgeführt. Die Botschaft, verpackt in eine Tiergeschichte, lautete, dass kranke Kinder nicht ausgeschlossen werden dürften, selbst wenn sie manchmal als „anders“ empfunden würden. Sie seien ein wichtiger Teil der Gesellschaft.
Grüne Bänder als Solidaritätsbekundung
In Lünen wehten an vielen Geschäften gestern die grünen Bänder. Auch das Rathaus und der Bauverein bekundeten so Solidarität. Die Aktionen zum Tag der Kinderhospizarbeit sind damit aber noch nicht vorbei: am Sonntag wird der Barbershopchor „First Ladies“ mit einem Benefizkonzert in der Cineworld Lünen auftreten.
Nach Ansicht von Roswitha Limbrock ist die Kinderhospizarbeit im Vergleich mit der Erwachsenenhospizarbeit noch viel zu unbekannt. Cerem Gül und Rejhan Orman aus der Klasse 4a der Viktoriaschule hoffen nun, dass ihre Luftballons bei jemandem ankommen - und dass die Wünsche darauf in Erfüllung gehen. Nicht nur bei ihnen hat der Tag der Kinderhospizarbeit die Relevanz der Rücksichtnahme und der Unterstützung betroffener Familien ins Gedächtnis gerufen.
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