Energie
Kolumbien-Kohle in der Diskussion
05.08.2010 | 18:32 Uhr 2010-08-05T18:32:00+0200
Lünen.Noch ist kein Stück Kohle zum Lüner Trianel-Kraftwerk geliefert worden. Wenn es aber soweit ist, dann ist es wahrscheinlich, dass auch Kohle aus dem von Menschenrechtsorganisationen scharf kritisierten kolumbianischen Tagebau „El Cerrejón“ in Lünen landet.
Trianel bestätigte das auf Anfrage unserer Zeitung. Das Unternehmen wird die Kohle von dem Rohstofflieferanten RBS Sempra beziehen, der inzwischen von JP Morgan übernommen wurde. Die Kohle komme aus einer Reihe von Ländern, zum Beispiel Polen und Russland, aus Südamerika – und eben auch Kolumbien. „Die Kohle, die wir brauchen, ist ein Mischprodukt, damit eine konstante Qualität geliefert werden kann“, erläuterte Heike Vollert-Stüber von der Unternehmenskommunikation bei Trianel. RBS habe den United Nations Global Compact unterzeichnet, den Globalen Pakt der Vereinten Nationen, und sich damit zur Förderung der Einhaltung von Menschen- und Arbeiterrechten verpflichtet. Ferner schließt der Pakt Zwangsarbeit aus und fordert Bestrebungen zur Abschaffung von Kinderarbeit und zur Steigerung von Umweltbewusstsein. Kritiker halten den Pakt für unwirksam, da er Minimalforderungen transportiere und bei Nichteinhaltung keine Sanktionen vorsehe.
Schlechte Verhältnisse
Die Kritik an Energieunternehmen, die auf Kohle aus El Cerrejón setzen, bezieht sich zum einen auf die Vertreibung der Bewohner, deren Städte für den Tagebau geräumt wurden, Auch werden die Arbeitsbedingungen unter anderem von der dänischen „DanWatch“ im Bericht „The Curse Of Coal“ als erbärmlich bezeichnet und es wird von schweren Erkrankungen berichtet.
Trianel habe bereits im Oktober Kontakt mit kolumbianischen Kommunalpolitikern gehabt, um mit ihnen über die Zustände im besagten Tagebau zu diskutieren, erinnerte Heike Vollert-Stüber. Sie seien auf Einladung von Misereor in Deutschland gewesen.
Sie hatten in der Aachener Konzernzentrale über die schwierige Auseinandersetzung um Entschädigungen, faire Umsiedlung und die Anerkennung begangenen Unrechts berichtet. Trianel habe vereinbart, den Kontakt zu den beiden Politikern aufrecht zu halten. Ferner stehe das Unternehmen im Kontakt mit dem „FoodFirst Informations- und Aktionsnetzwerk“ (FIAN) in Köln, so Heike Vollert-Stüber.
Andere Interpretation
Bei FIAN, einer weiteren Nicht-Regierungsorganisation, welche die Verhältnisse in El Cerrejón kritisiert, wunderte man sich gestern jedoch über dieses Statement. „Ich habe noch nie etwas von Trianel gehört“. so Sebastian Rötters, der bei FIAN für den Themenkomplex zuständig ist, an der Rundreise mit den Kolumbianern selbst aber nicht teilgenommen hatte. Möglicherweise interpretiere Trianel manche Dinge ja etwas anders: So habe FIAN den Besuch der Kolumbianer bei Trianel zusammen mit Misereor organisiert. Möglicherweise sehe Trianel das als Dialog mit FIAN.
Die Argumentation von Trianel zum Thema ähnele ansonsten der von Eon, so Rötters. Beide bezögen sich auf den „Panel Report“ des Minenbetreibers über die Zustände bei der Umsiedlung und die daraus gezogenen Schlüsse für Verbesserungen. Dieser stamme aber aus 2007, seither habe sich kaum etwas verändert.
21:16
Da sitzt jemand an der Feder, der mal wirklich nachgefragt hat und dann sogar noch nachgehakt.
Beide Seiten kommen zu Wort - der Leser kann sich eine eigene Meinung bilden.
So eine Presse hätte Lünen in den letzten 20 Jahren schon gebraucht. Weiter so!
10:21
Blutkohle für Lünen!! Toll - weiter so!
21:16
Ach wirklich ? Ich danke es ist der heilige Gral der heimischen Kohleförderung ?
Aloys_Eugen, komm, erzähl uns was zu den Sozialplänen des Kohleabbaus in der dritten Welt, wo die Menschen höchstens an Überfressung steben wegen der gebratenen Tauben die vom Himmel fallen ...