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Koje für verlorene Seelen

07.12.2011 | 18:58 Uhr
Koje für verlorene Seelen
Peter Bollmann, Koordinator bei „Wellenbrecher“, in der Koje.

Lünen.   In einer neuer Einrichtung in Lünen können Heranwachsende, zwischen 14 und 18 Jahren, die auf der Straße leben, übernachten.

„Für die normale Bevölkerung sind sie unsichtbar“, erklärt Koordinator Peter Bollmann vom Jugendhilfeträger Wellenbrecher. „Verlorene Seelen“, nennt Thomas Stroscher, Abteilungsleiter Jugend, Hilfen und Förderung der Stadt, die gestrauchelten Jugendlichen, die ganz unten angekommen sind. Ohne ein Zuhause, der Lebensunterhalt muss oft mit Drogen, Bettelei, Prostitution oder Kriminalität bestritten werden.

Diese Heranwachsenden gibt es auch in Lünen und sie sind die Zielgruppe des neuen Projektes „Koje“. Wellenbrecher und die Stadt bieten in Kooperation Schlafmöglichkeiten in zwei Wohnungen – Geschlechter getrennt – für sechs Jugendliche von 14 bis 18 Jahren an, die obdachlos sind und bei denen pädagogische Hilfeprogramme nicht greifen konnten. „Einfach weil es die Jugendlichen nicht wollen, die innere Einstellung fehlt und die kann man nicht erzwingen“, so die Verantwortlichen. „Das Bindungsumfeld der Jugendlichen ist nur die Straße. Sie haben das Vertrauen in die Erwachsenenwelt komplett verloren“, erläutert Stroscher.

In der „Koje“ gibt es ein Minimum an sozialen Regeln, aber keine verpflichtenden Programme, die die Jugendlichen aus sicherer Erfahrung ohnehin nur abblocken würden. Deshalb sei die „Koje“ ideal, um einerseits die Inobhutnahmepflicht zu gewährleisten, aber auch um „eine vernünftige Relation von Aufwand und Ertrag zu haben“, betonte Ludger Trepper, Bereichsleiter Jugend, Bürgerservice und Soziales. Teure Programme für Jugendliche, die jeden Hilfeansatz blockieren, seien dementsprechend nicht wirtschaftlich. Wichtig bei der Koje ist es aber, dass die Betreuer jederzeit dabei helfen können, eine Brücke zu weiteren Hilfeleistungen zu schlagen. „Wenn der innere Wille der Jugendlichen dann da ist“, so Trepper.

Die Koje bietet Grundversorgung, wie ein warmes Bett, zwei Mahlzeiten und Betreuung durch Fachkräfte. Die Koje ist von 19 Uhr bis um 10 Uhr besetzt. Die Hoffnung ist bei allen Beteiligten groß, diese Jugendlichen wieder auf den richtigen Pfad zu führen.

Für die Stadt ist das Pilotprojekt kein finanzielles Risiko, zahlen muss sie nur Belegungen. Die Sozialarbeiter von Wellenbrecher werden 365 Tage für die Jugendlichen da sein. Dort schlafen und die Räume betreten dürfen nur Jugendliche, die über das Hilfeplanverfahren des Jugendamtes angemeldet sind, dabei können Koje-Betreuer helfen.

Holger Schmälzger

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