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Trio di Clarone im...

Klarinettisten meisterten Kontraste

15.03.2010 | 07:00 Uhr

Lünen. Es kommt nicht oft vor, dass Künstler von Weltruf ihren Weg in die Lippestadt finden. Deshalb war der Freitagabend einer der Höhepunkte in der diesjährigen Konzertsaison, denn mit dem Trio di Clarone hatte sich die Elite der Klarinettensolisten angesagt.

Selten war bei einem Klassikkonzert der Publikumszuspruch so groß.

Trio di Clarone, das sind Professor Wolfgang Meyer, Rektor der Musikhochschule Karlsruhe, Reiner Wehle, Weltreisender in Sachen Klarinette und Professor an der Musikhochschule Lübeck und die Gründerin Sabine Meyer, sechsfache Echo-Preisträgerin, ehemalige Solo-Klarinettistin bei Karajans Berliner Symphonikern und ebenfalls Inhaberin einer Professur in Lübeck. Mitgebracht hatten sie eine nicht alltägliche Programmzusammenstellung. Den Schwerpunkt bildeten mehrere Kompositionen von Mozart, daneben gab es ein Stück von Carl Philipp Emanuel Bach und ein zeitgenössisches Werk von Aribert Reimann sowie Klarinettenstücke von Francis Poulenc und Igor Strawinsky. Das Konzert begann mit vier Arien aus der Oper „Titus” von Mozart, und durch das ausdrucksstarke Spiel der Solisten konnten die Zuhörer erkennen, was Reiner Wehle bei seinen Erläuterungen auf den Punkt brachte: „Kein Instrument kommt in Tonumfang, Dynamik und Klangfarbe so nah an die menschliche Stimme wie die Klarinette, und deshalb ist sie auch so hervorragend geeignet, Arien und Gesangspartituren widerzugeben.”

Instrumentalmusik

wie gesungen

Natürlich braucht man ein hochkarätiges Künstlerteam wie das Trio di Clarone, das sogar das Atemholen sychronsiert, um Schmettergesang und Coloraturen der Arien aus den Klarinetten herauszuholen.

Nicht umsonst war Mozart ein ausgesprochener Fan der Klarinette und des Bassett-horns. Eigens für dieses Instrument schrieb er das Divertimento KV 439b, das das Trio di Clarone bravourös vortrug. Obwohl, wie Reiner Wehle betonte, das Bassetthorn die „Zicke” unter den Klarinetten ist, sich manchmal einer sauberen Intonation widersetzt, auf zuviel Hinblasen mit Quietschen antwortet. „Aber ein Künstler kann mit diesem Instrument die weichen Seiten seines Gemütes vorführen.” Die Solisten beherrschten das so meisterhaft, dass einem beim „La ci darem la mano” aus „Don Giovanni” wie von einer menschlichen Stimme gesungen das „Reich mir die Hand mein Leben” ins Ohr kam.

Ein typisches Merkmal von Sabine Meyer und ihrem Ensemble sind die harten Kontraste. Die erreichen sie durch das Aneinanderreihen von klassischen und zeitgenössischen Stücken. So folgte auf das melodiöse „Duo C-Dur” von Carl Philipp Emanuel Bach das „Solo für Klarinette” von Aribert Reimann. Das ist etwa so, als folgte im Unterhaltungsprogramm von WDR4 auf einen Tango von Rudi Schuricke ein Heavy-Metal-Titel von Doro Pesch. Doch besonders hier zeigt sich das ungeheuer breite Vielseitigkeitsspektrum von Sabine Meyer, denn gerade die zeitgenössische Musik verlangt eine Fülle von Nuancierungen. In diesem der Klarinettistin auf den Leib geschrieben Stück waren „Spaltklänge” und die „Flatterzunge” gefragt, was sie souverän ausführte. Und es zeigte sich, dass die „Königin des guten Tons” auch eine atonal erscheinende Tonfolge harmonisch rüberbringen kann. Als Zugabe nach begeistertem Applaus und „Standing Ovations” gab es Mozarts „Jahrhundert-Ohrwurm”, das Duett von Papageno und Papagena aus der „Zauberflöte”. tex

Diethelm Textoris

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