Das aktuelle Wetter Lünen 1°C

Trianel

Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch

07.01.2010 | 09:23 Uhr
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch

Lünen. Sternsinger im Trianel-Rohbau? Das wollte die katholische Kirche in Lünen offenbar nicht. Kurz vor dem Termin, zu dem der Kraftwerksbetreiber eingeladen hatte, rief die Gemeinde die Sternsinger zurück. Jetzt geht auf der Baustelle das Gerücht, die Absage sei das Werk von Kraftwerksgegnern.

Mit der Verankerung der zentralen Stütze des riesigen Kesselhauses wollte Trianel am Mitwoch einen „weiteren Meilenstein” setzen. So heißt es zumindest in einer Pressemeldung. Für Gesprächsstoff auf der Baustelle sorgte ein anderes Thema: Diskutiert wird nicht über das neue Kohlekraftwerk, das 2012 ans Netz gehen soll - sondern darüber, warum die katholische Gemeinde ihre Sternsinger der Baustelle nicht ihren Segen erteilen lässt.

Die katholische Gemeinde hatte kurz vor dem Termin die Sternsinger abberufen, die von Trianel eingeladen waren und für deren Erscheinen es bereits die Zusage gab. Am Kühlturm machte die Runde, dies sei auf Druck von Kraftwerksgegnern in Reihen der katholischen Gemeinden passiert.

Trianel: "Ein unerhörter Akt"

Trianel-Pressesprecher Elmar Thyen sprach von einem „unerhörten Akt”. Er sei der Auffassung, dass für die katholische Kirche gelte, wenn jemand den Segen erbittet, dass er ihn auch bekommt. Die Bitte um Segen sei auch auf Wunsch der Bauarbeiter erfolgt und unter den 100 Gästen gestern seien Vertreter des Kesselbauers AE&E aus Österreich gewesen, Katholiken, die das Nichterscheinen der angekündigten Sternsinger sehr irritiert habe, so Thyen.

Mit drei riesigen Raupenkränen beginnt der Aufbau des über 100 Meter hohen Kesselhauses. Foto: Trianel

Bei der offiziellen Feier anwesend war auch SPD-Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer. In einem Brief an Erzbischof Hans-Josef Becker, den er am Nachmittag auch öffentlich machte, erklärte er: „Ich bin zutiefst befremdet, dass gerade die Kirche sich von einzelnen davon abbringen lässt, durchaus übliche und von den Beteiligten ausdrücklich gewünschte Bekundungen in Form des kirchlichen Segens für eine schadens- und unfallfreie Baustelle vorzunehmen.” Schmeltzer fordert Erzbischof Becker auf, sich der Angelegenheit anzunehmen, „da gerade bei den Beteiligten Unmut aufgekommen ist, der durch einzelne mit massivem Druck verursacht zu sein scheint.”

"Kein Entscheidung für oder gegen das Kraftwerk"

Pfarrer Ralf Hubert Bronstert, Leiter des Pastoralverbundes, drückte gestern sein Bedauern aus. „Es ist sehr schade, dass es so gelaufen ist. Dies ist aber keine Entscheidung für oder gegen das Kraftwerk.” Vorausgegangen seien kon-troverse Gespräche. Einige hätten gesagt, man könne das machen. Andere hätten ihre Sorge geäußert, die katholische Kirche werde vorgeführt und die Sternsingeraktion in der Diskussion um das umstrittene Kraftwerk missbraucht. Letztendlich habe er sich dagegen entschieden, um der Sternsinger-Aktion nicht zu schaden. Bronstert: „Um die Sache an sich ging es doch gar nicht mehr.” Das Generalvikariat in Paderbon sehe das genauso und trage seine Entscheidung mit. 

Diskussion kam erst am Abend zuvor auf

Unglücklicher Umstand ist, dass die Diskussion für oder gegen den Sternsinger-Besuch erst am Abend zuvor aufkeimte. Trianel hatte die Bitte über das Kindermissionswerk Die Sternsinger in Aachen bereits vor Weihnachten nach Lünen gerichtet. Pfarrer Bronstert bestätigte, auch sofort zugesagt zu haben. Den Bedenkenträger in den Lüner katholischen Gemeinden kam dies aber erst – möglicherweise aufgrund der Feiertagsruhe – am Dienstag Abend zu Ohren. Das bestätigte Dr. Matthias Laarmann, engagierter Katholik und bekennender Kraftwerksgegner. Er bezeichnete Bronsterts Entschluss als eine Entscheidung mit Augenmaß.

Andreas Gruber

Facebook
 
Kommentare
09.01.2010
19:49
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von zeitungsleser07 | #66

Einflussnahme auf die kath. Kirche in Lünen???

Kann doch nicht sein, man lese die Pressenotiz der GfL dazu (siehe http://www.gfl-luenen.de/de/aktuelles/2010/mitteilungendetail_6528.html).
Die GFL lehnt doch nur eine Instrumentalisierung der Sternsinger ab...ja mei,
das liegt dann wohl im Auge des Betrachters, ob und wie instrumentalisiert wird.

Das die GfL überhaupt zum Thema Stellung nimmt und Ihrem Vorstandsmitglied Laarmann den Rücken stärkt, werte ich schon als Indiz, dass hier politisch eingewirkt wurde.
Die BI-KKK hat sich immerhin ganz offiziell von dieser Vorgehensweise (Laarmann) distanziert (wenn sie auch die Sache befürwortet).

Und wenn die GfL verlautbart Der Sachverhalt sollte nicht überbewertet werden. Lünen steht vor wichtigen Problemen, die es gerade im Jahr 2010 zu lösen gilt
klingt es wie der reine Hohn,,,wer bewertet denn dieses Thema so über?
Oder ist dies nur ein verklausulierter Rüffel für das Vorstandsmitglied Laarmann, der nach allem durchaus angebracht wäre.
Wahrscheinlich wieder ein hektisch improvisierter Alleingang von Ihm mit erst im Nachhinein absehbaren Folgen für die ihn ertragen müssende Organisation(en).

08.01.2010
22:47
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von Alois_Egon | #65

@rea.list
Ja, das ist genau der weltweite Wohlstandsexport, der mit der Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland verbunden ist.
Aber wir haben ja noch genug davon.

Aber um mal wieder auf die eigentliche Thematik des Artikels zurückzukommen.

Man darf gespannt sein, ob seitens der Kirche die Sache einfach ausgesessen wird oder ob tatsächlich die dringend erforderliche Aufklärung kommt.

Ein paar Tage hat sie sicher noch Zeit, aber wenn dieser unglaublich Vorgang nicht aufgeklärt wird und entsprechende Konsequenzen nach sich zieht, wird zukünftig jede Veröffentlichung seitens der Kirche oder der GFL mehr als negativ belastet sein.
Allein dieser Umstand erfordert für die Glaubwürdigkeit der GFL schon den Rücktritt von Laarmann und seitens der Kirche möglicherweise auch der Austausch von Pfarrer Bronstert.
Die nun derart an die Öffentlichkeit gedrungene Einflussnahme stellt vermutlich nur die Spitze des Eisbergs dar und ist nicht nur unglaublich, sondern unerträglich.

08.01.2010
22:31
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von nine_of_ten | #64

@ der heilige

Der wahre Christ (wenn es den überhaupt per Definition gibt ist tolerant und weltoffen).

Ja auch der von ihnen angeführte Puff in Brambauer sollte wenn er darum bittet den Segen dafür erhalten dass den Leuten nichts ungutes widerfährt. Er soll den Segen nicht als Intitution erhalten, genausowenig wie der Segen für des Projekt Kraftwerk erteilt werden sollte.

Ausserdem glaube ich, wer sich den Namen der Heilige gibt ist weiter vom Christsein entfernt als alle anderen zusammen.

Desweitern (ich darf hier mal frei aus einem Leserbrief der Konkurrenz berichten), die Sternsinger sind bei den Dreikönigstreffen aller gross Parteien gewesen, sie haben auch schon das Kanzleramt gesegnet( soviel zu politischen neutralität der katholischen Kirche wie von Herrn Laarmann angeführt), ansonsten vielleicht mal googeln wo sie sonst noch überall zu finden sind und waren.

Und ich verspreche den Weltfrieden!!!

Kann ich zwar nicht halten aber die alternativen Energien können uns auch auf dauer nicht komplett mit strom versorgen wie versprochen.

Ausserdem ist mit streichen des Paragraphen wie vorher zugegeben doch eh alles legal.nd dieses Gesetzt wurde von den von uns in NRW gewählten Volksvertretern geändert. So what??

08.01.2010
22:25
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von rea.list | #63

@#60
Das Problem dabei ist auch, dass die Arbeitsplätze in China und Indien entstehen und auf der anderen Seite in anderen Bereichen bei uns abgebaut werden.
Der Bereich Photovoltaik ist dafür ein gutes Beispiel.

08.01.2010
22:15
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von Alois_Egon | #62

@Nasevoll
und kosten demnach in anderen Bereichen 2,86 Mio Arbeitsplätze

http://tinyurl.com/yf3hwld

08.01.2010
21:45
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von Nasevoll | #61

Es wird jetzt zwar das Thema verfehlt, aber selbst Frau Thoben hat Ende September nach dem verlorenen E.ON Datteln Prozess selbst bemerkt, dass dann alle Kohlekraftwerke gesetzeswidrig sein. Deshalb wurde am 16.12.09 im Landtag NRW der Klimaschutzparagraph 26 des Landesentwicklungsgesetzes gestrichen. Machen sie sich doch selbst z.B. bei Google kundig.
Übrigens die alternativen Energien versprechen bis 2020 weitere 1,3 Mio Arbeitsplätze

08.01.2010
19:29
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von buergerluenen | #60

Sehr geehrter Herr von Nasevoll,
so wie ich informiert bin, sind wohl alle Baustuffen
in Lünen bis jetzt von der Regierung genehmigt.
Deshalb ist wohl gesetzeswidrig eher Ihre eigene
Auslegung.
Sicherlich vor Gericht und auf hoher See kann man es nie genau wissen. Sie massen sich jedoch schon jetzt die Rolle des Richters an, wenn Sie behaupten es währe ja alles gesetzeswidrig. Sind Sie Einer??
Wenn Sie hier behaupten, die neue Anlage wäre nicht gut genug müssen Sie eigentlich ein Experte sein.
Da Sie auch Kopenhagen erwähnen wissen Sie auch mit Sicherheit eine Lösung für das weltweite Problem.
Deutschland ist leider nicht reich an Erdvorkommen. Das Einzigste was wir eigentlich haben ist Kohle,
Welche Stromerzeuger empfehlen Sie den für die Zukunft?
Etwa Windkrafträder, Hydrolektrozentrallen,Sonnenenergie (in Deutschland ??).
Welche Industrie schlagen Sie eigentlich vor damit wir in der Zukunft auch hier in Deutschland arbeiten und leben können?
Aus meine persönliche Auslandserfahrung der meiste Dreck zur Zeit wird leider in den ärmsten Länder produziert. Es gibt dort keine Arbeit (das droht uns bald auch) und dadurch auch kein Geld.
Die wenige Industrieobjekte einschl. Kraftwerke schleudern 100 mal soviel Dreck in der Natur wie unsere älteste Industrieanlage hier.
Wir reden alle noch auf einem sehr hohen Niveau.
Die Industrie ist dabei Deutschland zu verlassen da die Zukunft in Asien und Südamerika sein soll. Dort sind die Menschen hungrig und dort ist Wachstum in Sicht. Nur 10% (Hochtechnologie)wird bald aus Deutschland kommen. Wir werden bald nicht mehr exportieren und dadurch auch nicht mehr in der Lage sein unsere Bevölkerung zu ernähren. Wir haben schon viele Technologien verloren da wir einige Industriezweige nicht mehr haben.
Auch die Kraftwerke werden eines Tages aus Asien kommen oder die werden uns direkt von da aus mit Strom beliefern.
Dann haben Sie doch das was Sie haben wollen.
Keine Industrie, keine Krafrwerke, nur grüne Wiesen vor Ihrem Haus, viel Zeit, sauberes Wasser.
Ich frage mich nur dann wovon sollen wir leben ??

08.01.2010
18:48
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von der Heilige | #59

Wer bestellt den die Sternsinger zur Arbeit ?

as sollte doch nur wieder Werbung für die Dreckschleude werden.

Der wahre Christ bestellt die Sternsinger zu seinem Heim und nicht zur Arbeit.
Oder wird demnächst sogar der neue Puff im Brambauer besucht ?

08.01.2010
18:26
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von Nasevoll | #58

Da werden in Datteln und Lünen zwei Kraftwerke gebaut, die gesetzeswidrig sind. Sie stoßen täglich 1,5 und 1 Tonne Feinstaub aus, da nicht die beste Filtertechnologie verwendet wird. Parallel dazu verläuft die Klimakonferenz in Kopenhagen auf der auch verhandelt wird, wie viel Geld die Industriestaaten an die Entwicklungsländer für die von ihnen hervorgerufenen Klimaschäden überweisen sollen. Was macht man in NRW. Herr Rüttgers und Frau Thoben schaffen kurzerhand die Klimaschutzgesetze ab, damit obige Bauten legalisiert werden. Für dieses alles möchte Herr Ungethüm noch den Segen der Sternsinger haben? Das leitet er wohl aus der Erfahrung ab, dass er für Geld bisher immer alles bekommen hat.
Wie ethisch verwerflich seid ihr Lüner Bürger eigentlich, unsere Landesregierung mit eingeschlossen?

08.01.2010
18:16
Kirche untersagt Sternsingern den Kraftwerk-Besuch
von nine_of_ten | #57

Wenn in diesem Zusammenhang von gekonnt in Szene gesetzt die Rede ist, dann wohl eher gekonnt mit dem Kopf gegen die Wand gelaufen.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/2351509/create

Top Artikel aus der Rubrik
Umfrage

Was meinen Sie?

 
Neueste Aktivität
Aktuelle Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Heftige Kritik an Bezirksregierung
BUND zu...
Die Urteilsbegründung zum Verfahren um das Trianel-Kohlekraftwerk am Münsteraner Oberverwaltungsgericht liegt vor. Damit wird das weitere Vorgehen allerdings noch nicht konkreter, aber erneut Kritik an der Genehmigungspraxis der Bezirksregierung Arnsberg laut – auch im Zusammenhang mit der...
„Das nehmen wir nicht hin“
Neuordnung der...
Empörung, Wut und ganz, ganz tiefe Trauer. Mit diesen Worten kann man die Stimmungslage wohl am besten beschreiben, die nach Bekanntwerden der geplanten Neuordnung der Pastoralverbände Lünen-Mitte-Brambauer und Lünen-Südost in den angeschlossenen Gruppen und Vereinen herrscht.