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Kinderarbeit soll von Gräbern verschwinden

05.05.2012 | 07:00 Uhr

Lünen. Die Liga gegen Armut blickt auf die Friedhöfe und in die Küchen der Stadt. Denn dort gäbe es noch zu oft Grab- und Natursteine, die indische und chinesische Kinder aus den Steinbrüchen der Welt geschlagen haben. Mit Hilfe der Stadt und der christlichen Gemeinden möchte die Liga dem ein Ende machen. Zumindest auf dem Stadtgebiet.

Wie in München, bestätigt durch ein Gerichtsurteil, sollen nur noch fair gehandelte Grabsteine auf den neun konfessionellen und städtischen Friedhöfen aufgestellt werden. Dr. Ulrich Weber und die Liga warten derzeit noch auf die Landtagswahlen und die Entscheidung, ob eine Änderung des Bestattungsgesetzes nötig ist oder nicht.

Die Tendenz vor Ort ist eindeutig, sagt Ulrich Weber: Keiner der Friedhofsbetreiber möchte weitere Grabsteine aus Kinderhänden.

Auch mit drei der vier für Lünen relevanten Steinmetze habe Weber bereits gesprochen, kommende Woche trifft er den nächsten Steinmetz. „Sie unterstützen den Verzicht“, sagt Weber.

„Appellarisch arbeiten“

Dass das Verzicht verpflichtend wird, würde Ulrich Weber freuen, ist aber nicht zwingend. „Wir arbeiten appellarisch“, sagt er. Wer einen Grabstein beim Steinmetz kauft, sollte gezielt nachfragen, Steinmetze sollen offensiv werben. Auch im Baumarkt gäbe es nur eine richtige Entscheidung. Wer kein empfohlenes Siegel – etwa von „XertifiX“ und „Fair Stone“ – entdeckt, solle auf ein europäische Produkte bestehen. „Dann geht der Kunde auf Nummer sicher“, sagt Weber. Die Steinmetze hätten sie im Angebot, sie seien aber aus der Mode gekommen. Weber empfiehlt skandinavische Steine.

Deutlich teurer als indische oder chinesisches Steine seien diese nicht. „Die Schätzungen gehen von drei bis fünf Prozent aus“, sagt Weber. Bei einem 1000-Euro-Stein hat der Kunde mit 30 bis 50 Euro mehr ein besseres Gewissen. Unterstützung erfährt die Liga unter anderem durch die vereinigten Kirchenkreise Dortmund Lünen. „Wir haben gelernt, dass wir uns nicht einzig auf die ausbeuterische Kinderarbeit fokussieren können, es geht um unmenschliche Arbeitsbedingungen, um Gesundheitsgefährdung, und darum, dass ganze Familien in Schuldknechtschaft leben und bis zum Vierjährigen alle in den Steinbrüche müssen“, sagt Gerd Plobner, Rereferent für Entwicklungsdienst.

Mit Flyern und einer Ausstellung möchte die Liga weiter für das Thema sensibilisieren. Die Ausstellung wird im kompletten Juni bei der Sparkasse zu sehen sein. Am 6. Juni wird Benjamin Pütter die Ausstellung eröffnen. Der Misereor-Kinderarbeitsexperte hat vor sieben Jahren den Verein „XertifiX“ mit Freiburger Steinmetzen gegründet. Dessen Siegel garantiere Produkte aus Steinbrüchen, in denen Standards, darunter angemessene Löhne und der Verzicht auf Kinderarbeit, eingehalten werden.

Tobias Kestin

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2012-05-05 07:00
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