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Kolumne

Wachsen oder zerbrechen

17.01.2012 | 15:57 Uhr

Viele Schüler leiden unter dem zu hohen Schuldruck des G8-Modells. Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der vermehrte Stoff, der auf die gleiche Zeit verteilt sein soll, zu oberflächlicherem Unterricht führt. Es werden nicht mehr oft Themen wiederholt oder vertieft und nicht so viele Fragen beantwortet. Das können sich Schüler für das Abitur allerdings nicht erlauben.

Große Klassen werden vernachlässigt, weil nicht auf jeden einzelnen eingegangen werden kann, das war schon bei uns so. Wer keine Leistung bringt, wird ausgesiebt. Außerdem merke ich selbst als Schülerin der Jahrgangsstufe 11, dass der gelernte Stoff schnell im Hirn aussortiert wird. Zum Bestehen des Abiturs ist das nicht gerade hilfreich. Für weniger Leistungsdruck versuchen Schulen wie unsere wieder Samstagsunterricht und mehr Nachmittagsstunden einzuführen. Schüler reagieren aber oft mit Trotz weil sie ihre Freizeit opfern sollen, und ihre Aufgaben gar nicht oder nur teilweise erledigen, um noch Freunde treffen zu können oder Hobbys nachzugehen.

Da aber bald die ersten Zeugnisse aus der Qualifikationsphase anstehen, die also schon in den Abiturschnitt mit einfließen, darf man nicht schludern. Es geht mitlerweile schon um alles, auch wenn das manche noch nicht realisiert haben. Man steht unter sehr hohem Druck. Manche Eltern von jüngeren Schülern an der Schule beklagen sich sogar schon darüber, dass ihren Kindern „die Kindheit genommen“ wird.

Der soziale Druck macht sich besonders in meinem Doppeljahrgang bemerkbar. Auch wenn man durch den gemeinsamen Unterricht neue Freunde findet, hilft einem das nicht unbedingt sich durchzusetzen. Man merkt die größere Lebenserfahrung der G9er und somit den größeren Konkurrenzkampf. Die älteren Schüler denken häufig sie müssten besser sein als die Jüngeren, viele Jüngere fühlen sich dadurch oft herausgefordert.

Manche wachsen an dieser Herausforderung, andere zerbrechen daran.

Michaela Fränzer

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