Vor der Provence kam der Papierkrieg
29.06.2010 | 18:16 Uhr 2010-06-29T18:16:00+0200
Lünen. Mit ungefähr sechs Jahren wird jeder von uns eingeschult. Nach vier Jahren Grundschulzeit scheiden sich die Wege.
Der eine fühlt sich auf der Realschule am besten aufgehoben, der Andere meint es auf dem Gymnasium schaffen zu können und wieder ein Anderer wählt die Gesamt- oder Hauptschule. Später allerdings müssen sich wieder alle der einen, wahrscheinlich wichtigsten Frage im Leben stellen: „Was mache ich mit meiner Zukunft?“
In der Schule bekommt man Informationsmaterial – Heftchen, Einladungen zu Veranstaltungen, Termine zur persönlichen Beratung. Völlig überfordert von all diesen Dingen – schließlich wollte ich neben dem ganzen Schulstress auch noch so etwas wie ein Leben haben – beachtete ich diesen ganzen Trubel um meine Zukunft zunächst gar nicht. Die Zukunft schien mir noch weit entfernt, bis zu dem Tag, an dem ich von einer Mitschülerin erfuhr, dass sie nun bald ihr erstes Bewerbungsgespräch haben würde. Sofort schrillten bei mir die Alarmglocken. Oh Gott, und was ist mit mir? Ich erinnerte mich, wie ich vor Jahren meinen Eltern stolz verkündet hatte, dass ich ja sowieso nach dem Abitur als Au-pair nach Frankreich gehen würde. Und nun kam das Abitur so rasend schnell auf mich zu, dass ich das Gefühl hatte, die Zeit würde mir davon laufen.
Immer wieder ging ich in mich, versuchte mir vorzustellen, wie es sein würde tatsächlich ohne meine Familie, meine Freunde und meine vertraute Umgebung zu leben und kam zu dem Entschluss, dass diese Erfahrung das einzig Richtige für mich sein würde.
Nicht vom Infomaterial
erschlagen lassen
Spontan setzte ich mich an den Computer und tippte die Schlagworte „Au-pair Frankreich“ bei der Suchmaschine ein. Bombardiert von unzähligen Seiten klickte ich mich durch die Seriösesten durch, bis ich meine Auswahl auf die drei am besten zu mir passenden Agenturen begrenzte und ließ mir Prospekte zuschicken. Nachdem ich auch diese durchforstet hatte, entschied ich mich für eine Agentur. An einem freien Nachmittag nahm ich mir vor, alle meine ungeklärten Fragen persönlich am Telefon beantworten zu lassen. Nach diesem Telefonat hatte ich ein dermaßen gutes Gefühl, dass ich mich sofort aufmachte, die Bewerbungsunterlagen auszufüllen. Fast einen Monat saß ich an den Unterlagen. Es hieß sämtliche Bögen auf Französisch auszufüllen, Persönlichkeitsreferenzen von Lehrern einzufordern, jegliche Bescheinigungen und Zeugnisse zusammenzutragen und diese wiederum zu übersetzen und Fotocollagen zu gestalten.
Als die Bewerbung Anfang Januar abgeschickt war, begann das große Zittern. Würde die Agentur eine geeignete Familie für mich finden? Und was, wenn nicht? Mitte März wurde ich dann aber erlöst: Die Agentur machte mir einen Gastfamilienvorschlag. Und was soll ich sagen? Ab dem 4. Juli werde ich hoffentlich wunderbare sechs Monate in Südfrankreich in der Nähe von Grasse, Cannes und Nizza verbringen.
Mit diesem Erfahrungsbericht möchte ich euch zeigen, dass ihr euch nicht von Infomaterial erschlagen fühlen müsst. Geht in euch, überlegt, was ihr wirklich machen möchtet. Redet mit Freunden, oder recherchiert im Internet. Viele Wege führen nach Rom, meiner jetzt erst einmal in die Provence!
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