Einfach mal den Stecker ziehen
09.11.2010 | 16:12 Uhr 2010-11-09T16:12:00+0100
Lünen.Wie ist es, einen Tag lang komplett ohne Strom auszukommen? Dennis Betzholz hat sich darüber ein paar Gedanken gemacht. Ein (imaginärer) Selbstversuch.
Kerzen, ich brauche noch Kerzen. Panisch schaue ich auf meine Küchenuhr. Noch eine Viertelstunde, dann ist Ladenschluss – und ich habe keine einzige Kerze in der Wohnung. Obwohl die Weihnachtszeit kurz bevorsteht. Dass ich diesen Satz einmal sagen werde: Ich brauche Kerzen, dringend!
Zurück vom Last-Minute-Shopping atme ich tief durch und ich frage mich: Worauf habe ich mich da nur eingelassen. Einen Tag ohne Strom. 24 Stunden. Ohne alles. Ohne Fernsehen, ohne Telefon, ohne Waschmaschine. Und ohne Licht. Erleichtert ziehe ich die vier Dreierpakete Kerzen aus der Einkaufstasche.
Es ist kurz vor Mitternacht, als mir ein Licht – das letzte für die nächsten 24 Stunden – aufgeht. Strom kommt ja nicht nur aus der Steckdose. Strom erzeugen auch Batterien und Akkus. Also hänge ich alle Uhren ab, schalte mein Handy aus und verstaue meinen Rasierapparat in der Schublade. Alles im Sinne der Umwelt. Schließlich reden doch alle vom Klimaschutz.
Ich höre die Kirchenglocken, Geisterstunde. Ich haue die Sicherungen raus. Fortan ist es stockdunkel. Ich entscheide mich ins Bett zu gehen.
Duschen bei
Kerzenschein
Und bemerke: Selbst der Wecker ist funktionsuntüchtig. Also lasse ich die Rollladen hoch, damit mich das Tageslicht aus meinem Schlaf erweckt. Auf meine gewohnte Gute-Nacht-Musik verzichte ich ebenso. Zwangsläufig. Der Tag fängt ja schon gut an.
Es ist halb Zehn. Der noch schläfrige Gang ins Bad führt mir blitzschnell vor Augen: Dies wird ein langer Tag. Mein Bad hat kein Fenster. Ich stelle also die ersten Kerzen auf und gehe duschen. Und merke erst zu spät, dass die Haare heute trocken gerubbelt werden müssen. Kein Strom, kein Fön.
Die große Frage: Wie ernähre ich mich? Es gibt weder kalte (kein Kühlschrank) noch warme Mahlzeiten (kein Herd und keine Mikrowelle). Ich verputze eine Scheibe Brot – mit Schokostreuseln. Und bevorzuge, an diesem Tag viel zu putzen, spazieren zu gehen und zu lesen. Klingt einfach, ist es aber nicht. Putzen ohne Musik? Lesen ohne vernünftiges Licht? Ich gehe also spazieren. Zwei Stunden tapse ich durch die Gegend. Mein persönlicher Rekord.
Als es draußen dämmert, beginnen die schwersten Stunden des Experiments. Ich nehme Geräusche aus der benachbarten Wohnung war. Herr Nachbar hört Musik. Klassische Musik. Ich versuche mich abzulenken. Es funktioniert nicht.
Keine SMS, keine E-Mail,
kein Anruf
Dabei freue ich mich insgeheim nicht erreichbar zu sein: keine SMS, keine E-Mail, kein Anruf. Befreiend!
Ich zünde die letzten Kerzen an, mummele mich in meine Wolldecke und denke nach. Über mein Leben, über ein Leben ohne Strom. Die Minuten schleichen. Gegen 22 Uhr breche ich den Selbstversuch ab, lege die Sicherungen wieder um und atme tief durch. Die Zivilisation hat mich wieder!
Info:
Laut der Zahlen der Deutschen Energie-Agentur verbraucht jeder Mensch 4,38 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Tag.
Jede Kilowattstunde kostet den Verbraucher rund 20 Cent, so dass ich bei meinem Selbstversuch 87 Cent gespart habe.
Und ganz nebenbei habe ich die Umwelt geschont: Jede kWh setzt 640 Gramm Kohlendioxid (CO2) frei.
Das CO2 ist ein Treibhausgas, das zur Erwärmung der Erde beiträgt.
Mein Tag ohne Strom hat der Umwelt also 2,8 Kilo Kohlendioxid erspart.
Zum Vergleich: Ein Kilometer Autofahren erzeugt etwa 200 Gramm Kohlendioxid.
Ich habe also so viel Kohlendioxid gespart, wie 14 Kilometer Autofahrt erzeugen.
Informationen zur Deutschen Energieagentur gibt es im Internet unter www.dena.de
10:47
Lieber Dennis Betzholz
Zu Ihrem netten (imaginären) Selbstversuch einige Anmerkungen.
Ich gehe mal davon aus, dass Sie warm geduscht haben. Dabei haben Sie offensichtlich vergessen, dass auch Heizungen und Warmwasseraufbereitungen nicht ohne Strom auskommen. Also auch die hätten Sie abstellen müssen und sich entweder kalt duschen oder mit einer kalten Katzenwäsche zufrieden geben müssen.
Zu Ihrem edlen Motiv, das alles im Sinne der Umwelt zu tun, wo doch alle vom Klimaschutz reden, ebenfalls einige Anmerkungen.
Ich halte Sie für kritisch genug und in der Lage, sich unter Zuhilfenahme Ihres gesunden Menschenverstandes per Internet bei internationalen wissenschaftlichen Ausarbeitungen ein Bild davon zu machen, dass das gerne als Klimakiller bezeichnete CO2 unser wichtigstes Gas auf der Erde ist, ohne das es keinerlei Leben geben würde und das der Anteil an einer Klimaerwärmung, wenn überhaupt, weil dies in keinerlei Weise nachzuweisen ist, nur sehr gering sein kann.
Bei Ihren Recherchen wird Ihnen ebenfalls nicht entgehen, dass diverse Gruppen aus Politik, Wirtschaft und Umweltorganisationen mit dem allgegenwärtigen CO2 ein hervorragendes Äquivalent zur kirchlichen Erbsünde gefunden haben, mit dem sie nach religiösem Muster von Katastrophe, Menschenschuld und Ablasshandel die breite Masse für ihre eigenen Zwecke (Macht und Geld) gefügig machen.
Katastrophal wirkt sich dabei aus, dass selbst Teile der Wissenschaften sich im Sinne dieser Religion verwenden (siehe Climagate) bzw. verwenden müssen, denn vielen Wissenschaftlern bleibt ja aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz nicht anderes übrig, als nach dem Motto „wessen Brot ich esse….“ zu handeln. Genau so ist wohl auch das Verhalten vieler Lehrer, denen man ja wohl zuerst ein kritisches Verhalten zum Lehrstoff zumuten muss, zu sehen, die neuerdings wider besseren Wissens zur Indoktrinierung der Schüler in diese CO2-Hype an den Schulen beitragen.
Aber selbst, wenn das alles seine Richtigkeit hätte, muss man mit einem gesunden Menschenverstand doch zu dem Ergebnis kommen, dass der gesamte von Menschen produzierte industrielle Anteil an CO2 von 2 bis 3 Prozent an der gesamten natürlichen CO2-Emission auch nur ein ebenso geringen Effekt haben kann und damit in keiner Weise die wahnwitzigen und milliardenschweren Aktionen zur CO2-Reduzierung rechtfertigen.
Aber auch Ihre CO2-Aufrechnung ist nicht vollständig. So produzieren natürlich auch die benutzen Kerzen CO2 und da Sie ja als Mensch ebenfalls CO2 produzieren, hat sich dieser Wert durch Ihre besonderen Anstrengungen beim Last-Minute-Shopping und den für Sie ungewöhnlichen Spaziergang von 2 Stunden deutlich erhöht.
Für ganz Gläubige dieser Ökoreligion noch der Hinweis, dass jeder Mensch im Durchschnitt gut 1 KG CO2 jeden Tag beim Atmen ausstößt. Die von Ihnen errechnete Einsparung von 2,8 KG CO2 könnte durch den Verzicht auf das Atmen noch um 35,7 Prozent auf 3,8 KG verbessert werden. Das wäre doch ein lohnendes Ziel. Wenn alle ca. 80 Millionen Bundesbürger sofort das Atmen einstellen würden, hätten wir doch schon wieder 80 Millionen KG CO2 eingespart. Also nichts wie ran.
Zu guter Letzt würde ich Ihre Quintessenz, mit Ihrem Tag ohne Strom der Umwelt 2,8 KG CO2 erspart zu haben, anders definierten. Mit Ihrem Tag ohne Strom haben sie der Umwelt 2,8 KG unseres wichtigsten Lebenselixiers CO2 vorenthalten.
Interessieren würde mich noch Ihre Meinung, ob, und wenn ja aus welchen Gründen, ein Verzicht auf die Elektrizität erstrebenswert ist.