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Diktate und ein amputiertes Bein

07.02.2012 | 18:20 Uhr
Diktate und ein amputiertes Bein

Lünen. An vielen Schulen steht im Moment das Praktikum an – zwei Wochen nur langweiliges Kopieren und Kaffee kochen? Nein, der Ausflug ins Berufsleben lohnt sich in der Regel, weiß die Jugendredaktion. Sie hat sich bei den Praktikanten umgehört und festgestellt: Die Schüler sind in den verschiedensten Betrieben in Lünen und Umgebung unterwegs und machen spannende Erfahrungen – vom Bierbrauer bis zur Pathologin.

Die Bereiche, in die die Praktikanten hineinschnuppern, sind sehr unterschiedlich: Am Gymnasium Altlünen gibt es zum Beispiel Plätze bei der Warsteiner Brauerei, dem Institut für Pathologie der Uni Bochum, der Aidshilfe Bochum oder dem Malsaal des Theaters Dortmund. Auch die beiden Partnerbetriebe Caterpillar und Sparkasse sind vertreten.

Hilfe beim Einleitender Narkose

Und entsprechend unterschiedlich sind die Erfahrungen der Schüler. Katharina Haake (17) und Hendrik Jeglinski (18) zum Beispiel tauschen für zwei Wochen die Rollen: Es ist 10 Uhr morgens – Frühstückspause in der Kardinal-von-Galen-Schule. Es geht lebhaft zu, heute vielleicht sogar noch etwas lebhafter als sonst, denn in der letzten Reihe sitzen zwei neue Gesichter. Katharina und Hendrik verbringen gerade den zweiten Tag ihres Schülerpraktikums hier.

Beide besuchten früher selbst die Kardinal-von-Galen-Schule und sind nun in der Jahrgangsstufe 12 des Gymnasium Altlünen. Sie lernen den Grundschulalltag einmal aus der Lehrerperspektive kennen, dürfen Diktate beaufsichtigen, Fragen der Kinder beantworten und sogar selbst Unterrichtsstunden planen. „Mich bestätigt das Praktikum darin, dass ich unbedingt Lehrerin werden möchte“, sagt Katharina.

Ganz andere Aufgaben hat dagegen Denise Dreckmann (18), die später gerne Medizin studieren würde. Sie testet im St. Marien-Hospital, ob der Alltag einer Anästhesistin oder Chirurgin etwas für sie ist. Sie darf helfen, Narkosen einzuleiten und im OP-Saal dabei sein: „Am ersten Tag hätte ich fast eine Beinamputation miterlebt.“ Auch bei einem Notkaiserschnitt hat sie schon hospitiert: „Es war wunderbar, hinterher das gesunde Baby zu sehen.“

Marie Blaszczyk (18) sieht sich die Arbeit bei der Firma Caterpillar in der PVE (Produktionsverantwortliche Einheit) an. Dort werden Bergbaumaschinen montiert oder bestellt. Marie darf an Meetings teilnehmen und Kunden auf Englisch anrufen. Außerdem war sie bei einem „Webinar“ dabei, einer Besprechung, bei der man mit Geschäftspartnern in anderen Ländern über das Internet konferiert. „Ich fühle mich jetzt schon wie ein gleichwertiges Teammitglied“, sagt Marie.

Vor besonderen Herausforderungen steht Ina Holev (17): Sie arbeitet während der zwei Wochen im „Musée de la Chartreuse“ in der französischen Stadt Douai.

Ina übersetzt Ausstellungsinfos und Leihverträge aus dem Französischen ins Deutsche und ist bei Führungen dabei. „Es bringt mich sprachlich weiter, weil ich extrem viele Vokabeln dazulerne, auch ungewöhnliche Fachwörter. Man wird relativ selbstständig im fremden Frankreich.“

Führungen im französischen Museum

Die Jugendlichen schnuppern also in ganz unterschiedliche Bereiche hinein – eines ist ihnen aber allen gemeinsam: Was zählt, sind die neuen Erfahrungen, weiß Kirsten Boriesosdiek, betreuende Lehrerin am Gymnasium Altlünen: „Je nach Betrieb können die Schüler oft tolle Sachen selbst machen, manchmal aber auch nur zuschauen. Natürlich hängt das auch vom Einsatz der Schüler ab.“ Und auf einen wichtigen Grundsatz hatte sie sie Praktikanten vorher hingewiesen: Dass sie keine Hilfskräfte zum Kaffee kochen sind.

Johanna Mack

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