Die Lacher zur richtigen Zeit
10.01.2012 | 15:21 Uhr 2012-01-10T15:21:00+0100
Lünen.„Regel Nr.3 für Castingteilnehmer: Je schlimmer das Schicksal deiner Eltern, desto weiter kommst du in einer Castingshow. Dabei gilt: Krebs ist out – die Idee hatten schon Millionen Leute vor dir – Knast ist in!“
Klingt ziemlich sarkastisch, aber kennt das nicht jeder erfahrene TV-Gucker? Man hat bei jeder Castingshow á la DSDS das Gefühl, dass dramatische Geschichten viel mehr zählen als gesangliche Fähigkeiten. Und genau aus diesem Grund fiel es mir nicht schwer, zum Thema „Überall Konkurrenz“, zu welchem die Neue Literarische Gesellschaft in Recklinghausen Texte von jungen Autoren suchte, eine kleine Satire zu verfassen. Mein erster wirklicher Wettbewerb also – ein Konkurrenzkampf zum Thema Konkurrenz.
Zwanzig Autoren folgten dem Ruf, der in den meisten Fällen in Form von Flyern durch die Schulen im Kreis Recklinghausen – zu denen auch meine gehört – gewandert waren. Elf von ihnen erhielten die Gelegenheit, in der Altstadtschmiede in Recklinghausen ihre Werke einem interessierten Publikum vorzustellen.
Was empfindet man, wenn man selbst dazu gehört?
Zunächst einmal natürlich Panik. Eine Satire, vor allem eine über ein aktuelles Thema wie Castingshows steht und fällt mit der Reaktion der Zuschauer. Was, wenn niemand an den lustig gemeinten Stellen der Geschichte lacht? Was, wenn andere viel anspruchsvollere Themen gewählt haben? Diese Fragen bedrängten mich im Vorfeld. Und anspruchsvoll wurde es dann auch. Es gab Geschichten über Selbstmord aus Angst vor zu viel Konkurrenzdruck, missglückte Forschungsexperimente einer jungen Alchemistin, die unbedingt beweisen wollte, was sie konnte und den tragischen Unfall eines Jungen, der erkennen muss, dass Schönheit und Beliebtheit nicht alles im Leben sind.
Es passierte alles wie von selbst
Und dann ich. Herzklopfen, als ich die Bühne betrete. In der Hand die Broschüre mit den Texten aller Teilnehmer, aus der ich gleich meine Geschichte vorlese. Ich stelle mich vor und schlage die Seiten auf. Und dann passiert alles wie von selbst: Ich lese viel langsamer und ruhiger vor als noch beim Üben in unserer Küche – und siehe da, die Lacher aus dem Publikum, die ich mir gewünscht habe, ertönen an den richtigen Stellen. Allein das ist schon eine Sache, die mich stolz macht. Und auch wenn ich nicht gewonnen habe, immerhin wurde meine Geschichte in einer Broschüre unters Volk gebracht. Und schon das zählt.
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