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Homosexualität

Das Gefühl von Geborgenheit

04.10.2011 | 15:30 Uhr
Das Gefühl von Geborgenheit

Lünen/Dortmund.„Gay ist geil“, diesem Spruch begegnet man als erstes, wenn man auf dem Weg zu den Räumlichkeiten des Jugendtreffs Sunrise im Dortmunder Fritz-Henßler-Haus ist. Betritt man die Türschwelle, erwartet einen eine bunte, freundliche und zugleich fröhliche Atmosphäre. Hier treffen sich dreimal in der Woche schwule, lesbische und bisexuelle Jugendliche, um sich dort beraten zu lassen oder um Gleichgesinnte zu treffen – ein Angebot, das sich ausdrücklich auch an Lüner Jugendliche richtet.

In der Schule aus Angst nicht geoutet

Stefan Seefeldt (21) aus Lünen kommt schon seit April letzten Jahres regelmäßig zum Jugendtreff. „Mir gefällt es hier besonders, ein Teil der Gruppe zu sein. Das gibt mir das Gefühl von Geborgenheit.“ Stefan hatte sein Coming-Out zwischen 15 und 17 Jahren. Seiner Mutter hat er im Alter von 18 Jahren von seiner Vorliebe für Männer erzählt. In der Schule hat er sich jedoch nie geoutet. „Aus Angst“, wie der Lüner erzählt. „Ich bin nie wirklich auf Intoleranz gestoßen, aber ich habe es auch nie zum Thema gemacht, wenn ich mich bei den Menschen nicht wohl gefühlt habe“, berichtet er weiter.

Den Jugendtreff gibt es mittlerweile schon seit drei Jahren. Er finanziert sich über Geld vom Jugendamt und durch Spenden des Dachverbands der lesbischen, schwulen und transidenten Vereine in Dortmund SLADO e.V..

Stefan Seefeldt ist durch das Internet auf den Jugendtreff in Dortmund gestoßen. Für ihn war es eine gute Möglichkeit, Gleichgesinnte zu treffen, die mittlerweile zu Freunden wurden. Dies empfiehlt er auch jedem anderen Betroffenen, da es eine große Hilfe sein kann. „Je mehr ich das Freunden erzählt habe, desto mehr Rückgrat habe ich bekommen“, erzählt der 21-Jährige stolz.

Erster Kontakt über
die Online-Beratung

Doch nicht allen Jugendlichen fällt das Coming-Out so leicht wie Stefan. Deswegen bietet Jürgen Rausch, der Einrichtungsleiter, auch eine Onlineberatung an. „Viele Jugendliche trauen sich zu Beginn nicht, ins Sunrise zu kommen. Deswegen ist die Onlineberatung eine gute Möglichkeit, auch so helfen zu können“, erzählt er. Er habe auch schon mit Problemfällen zu tun gehabt, da das Suizidrisiko vier bis siebenmal größer sei. Auch begingen die Jugendlichen oft Selbstverletzungen.

Die Angst vor Mobbing in der Schule und vor der Reaktion ihrer Eltern sei ebenfalls sehr groß. „Das Sunrise ist wie ein Schutzraum, in dem es keinen Druck gibt, sondern hier erfahren die Jugendlichen Halt in der Gruppe“, berichtet der Einrichtungsleiter. Gerne würde Jürgen Rausch fünf Tage in der Woche einen Treffpunkt anbieten, doch dazu fehlen momentan die Mittel.

Für Jürgen Rausch ist jedoch nicht nur die Beratung wichtig, sondern auch die Aufklärung – vor allem in der Schule. „Wir schauen auch über den eigenen Tellerrand“, berichtet er.

Damit meint er beispielsweise Informationsabende über Partydrogen und Rechtsextremismus. Auch nehmen die Jugendlichen regelmäßig an Veranstaltungen wie dem Friedensfestival oder dem Christopher Street Day teil.

Das wöchentliche Programm ist allerdings genauso wichtig. Es wird zusammen gekocht, Filme geguckt oder sich einfach in ruhiger Atmosphäre unterhalten.

Um den Jugendtreff auch in der Umgebung zu bewerben, versucht das Sunrise neben dem Internet auch auf anderen Kanälen, die Angebote für homosexuelle Jugendliche bekannt zu machen.

Radio Sunrise jeden
Monat auf Sendung

Monatlich läuft die Sendung „Radio Sunrise“ im Bürgerradio 91.2. Das ist an jedem zweitem Sonntag um 20 Uhr der Fall. Außerdem gibt ein Fernsehprojekt auf querblick.tv mit Videos unter anderem zu den Themen Klischees und Coming-Out.

CArolin Siegeroth

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