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Hilfe für das Leben nach einem Schlaganfall

30.10.2011 | 17:09 Uhr
Hilfe für das Leben nach einem Schlaganfall
SONY DSC Schlaganfall-Symposium im Lüntec. Eric Beyers (l.) und Klaus Thielker (r.) aus dem geschäftsführenden Vorstand des Schlaganfall-Landesverbandes NRW.

Brambauer. Über 200 000 Menschen im Jahr erleiden in Deutschland einen Schlaganfall. Für Betroffene, aber auch für deren Angehörige bedeutet dieses Ereignis einen großen Einschnitt in ihren gewohnten Alltag. Auf einem Schlaganfall-Symposium im Lüntec gaben am Samstag verschiedene Experten Hilfestellungen für den Umgang mit der Krankheit und für die Rückkehr zu einem möglichst normalen Leben.

Ausgerichtet wurde die Konferenz vom Schlaganfall-Landesverband NRW, der erst im Mai diesen Jahres von Castrop-Rauxel ins Lüntec umgezogen war. Um halb elf startete das Symposium in der großen Lichthalle des Gebäudes, wo sich etwa 100 Gäste eingefunden hatten. Lisa Nießalla von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Kreis Unna war beeindruckt, als ein Bus mit 47 Mitgliedern einer Gruppe aus Xanthen eintraf. „Man muss bedenken, dass all diese Leute einen Schlaganfall erlitten haben und der Ausflug hierher für viele eine große Anstrengung bedeutet“, so Nießalla.

Nach einem Grußwort des stellvertretenden Bürgermeisters Michael Haustein bedankte sich die stellvertretende Landrätin Andrea Hosang für die ehrenamtliche Arbeit der Anwesenden, die sich für ihren Einsatz alle selbst applaudieren durften. „Selbsthilfe wird im Kreis Unna großgeschrieben“, betonte Hosang und verwies auf mehrere hundert Gruppen, die hier existieren.

Eric Beyers und Klaus Thielker wollten erst nicht so recht auf die große Bühne, obwohl sie beide maßgeblich an der Gründung des Schlaganfall-Landesverbandes beteiligt waren und geschäftsführende Vorstandsmitglieder sind. Trotzdem richteten sie nach Aufforderung durch die Moderatorin ein paar Worte an das Publikum. Beyers betonte, der Landesverband wolle „neue Wege gehen“ und die verschiedenen Selbsthilfegruppen „enger vernetzen“, Thielker seinerseits wies darauf hin, dass im Vorstand des Verbandes nur Menschen arbeiten würden, die selbst einen Schlaganfall erlitten hätten und demnach „wissen, wovon sie reden“. Der Lüner Thielker brachte auch das Ziel des Symposiums auf den Punkt: „Hier werden viele Leute mit den verschiedensten Erfahrungen zusammengebracht. Ihr Wissen soll geteilt werden.“

„Ihr wissen soll
geteilt werden“

Auf dem Programm standen zahlreiche Vorträge und Workshops, die sich mit Therapieformen, aber auch Rechtsfragen auseinandersetzten. Großer Beliebtheit erfreute sich beispielsweise die Präsentation von Ergotherapeutin Barbara Köppel aus Unna. Sie hatten ihren Hund Bruno mitgebracht, ein eineinhalb Jahre junges Tier, das sich in der Ausbildung zum Therapiebegleithund befindet. An seinem Beispiel zeigte Köppel, welche positiven Auswirkungen die tiergestützte Ergotherapie haben kann. „Man sieht, wie sich die Gesichter der Patienten verändern. Sie entwickeln eine absolute Lebensfreude durch den Hund“, sagte Köppel. Ein weiterer Vorteil – insbesondere für Schlaganfallpatienten – sei, dass der Hund „Lust macht auf Bewegung“ und so dass Wiedererlernen von Bewegungsabläufen fördere.

Im Mittelpunkt der Präsentationen standen jedoch nicht nur die Schlaganfallpatienten selbst. Ein Workshop von Heilpraktikerin Claudia Lindemann hatte auch „Burnoutprävention für pflegende Angehörige“ zum Thema. Durch die emotionale Nähe zum Patienten erhöht sich für diese auch der Stress, da das eigene Wohlbefinden häufig hintan gestellt wird. Klaus Thielker weiß, dass der Umgang mit dem Schlaganfall für Angehörige oft schwerer sein kann, als für die Betroffenen selbst: „Nach Monaten des Helfens sind sie irgendwann leer.“

Gegen 17 Uhr endete das Symposium bei Kaffee und Waffeln, die Gäste begaben sich auf den beschwerlichen Heimweg. Und ein Großteil hatte sicherlich die ein oder andere neue Information im Gepäck, die ihm das Leben nach dem Schlaganfall erleichtern kann.

Tim Müller

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2011-10-30 17:09
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