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Robert Stadlober

"Herzwärme" in herzlosen Zeiten

30.11.2009 | 17:43 Uhr

In der Ostalgie-Komödie „Sonnenallee” spielte er Wuschel, den Stones-vernarrten Schallplattenliebhaber, mit 18 brillierte er dann in „Crazy”, verkörperte den halbseitig gelähmten Internatsschüler Benjamin Lebert: Am 21. November kommt der Schauspieler Robert Stadlober nun nach Lünen.

Im Rahmen des Kinofestes stellt er seinen Film "Zarte Parasiten" vor. Für Stadlober ist der Abstecher in der Lippestadt „alles andere als Pflichterfüllung” – vielmehr freue er sich auf den „Kontakt mit dem Publikum”, auf die Diskussion über einen ungewöhnlichen Film.

„Zarte Parasiten hat mehr Potenzial für Festivals, als für den Filmstart”, glaubt Stadlober, „und deshalb ist es extrem wichtig, dass er auf so vielen Festivals wie möglich gezeigt wird.” Tatsächlich kommt „Zarte Parasiten” – Christian Beckers und Oliver Schwabes Geschichte über ein junges Aussteiger-Pärchen, das ihre Zuneigung zum Broterwerb macht – so nachdenklich und langsam, so novembergrau-melancholisch und fast schon französisch reduziert daher, dass diesem intelligenten Anti-Blockbuster ein Aufstieg zum Kassenschlager quasi verwehrt bleiben muss. „Es ist ein Film über zwei Menschen, die versuchen, in einem herzlosen System mit Mitteln des herzlosen Systems Herzwärme zu geben”, sagt Stadlober, der sich unlängst noch in der ziemlich krachigen Komödie „Unter Strom” austoben durfte. „Vor Zarte Parasiten habe ich lange nichts gemacht, das für mich wirklich von Bedeutung gewesen wäre”, resümiert der 27-Jährige. „Ich sagte mir: Wenn dieser Film gedreht wird, dann muss ich unbedingt dabei sein. Auch, wenn er mit der Handy-kamera gefilmt wird.”

Beim Dreh viel gelernt

Bei den Dreharbeiten habe Stadlober viel gelernt – zum Beispiel über die Kunst des reduzierten Spiels, über die Kraft der kleinen Geste. Vor allem Schauspieler-Kollege Sylvester Groth (in Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds” karikierte er meisterhaft den diabolischen NS-Propagandaminister Joseph Goebbels) habe ihm bei den Dreharbeiten eine wichtige Botschaft mit auf den Weg gegeben: „Weniger ist mehr, hat Sylvester gesagt. Man muss eben nicht immer für den Filmpreis spielen.”

Genau den aber könnte „Zarte Parasiten” in Lünen gewinnen – zumindest theoretisch: Am Samstag, 21. November, 19.30 Uhr, wird der Film in der Cineworld gezeigt, im Rahmen des Wettstreits um die „Lüdia”, den mit 20 000 Euro dotierten Publikumspreis. Robert Stadlober hat sein Kommen angekündigt, ebenso wie die beiden Regisseure und Schauspielerin Maja Schöne. „Mir ist es egal, wie groß ein Festival ist”, sagt Stadlober, im Gegenteil schätze er die „familiäre” Atmosphäre überschaubarerer Veranstaltungen. „Kleine Festivals”, sagt Stadlober, „machen einfach mehr Spaß.”

Philip Ritter

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