Friedenskreis fordert: "Raus aus Afghanistan"
28.09.2008 | 17:06 Uhr 2008-09-28T17:06:27+0200Lünen. Die heimischen Bundestagsabgeordneten sollen im Oktober im Bundestag eine Verlängerung oder Erweiterung des Bundeswehr-einsatzes in Afghanistan ablehnen und sich stattdessen für den Abzug der Bundeswehr einsetzen. ...
... Dies fordert der Friedenskreis Lünen in einem offenen Brief an die Abgeordneten Jörg van Essen (FDP), Laurenz Meyer (CDU), Dr. Dieter Wiefelspütz (SPD). In dem Schreiben heißt es wörtlich:
"Am 14. Oktober werden Sie als Abgeordnete des deutschen Bundestages mit darüber beraten und entscheiden, ob die Bundeswehr weiterhin an Militäreinsätzen in Afghanistan beteiligt werden soll. Bedenken Sie bei Ihrer Entscheidung, dass ein enormes Missverhältnis herrscht, zwischen den Ausgaben für diese Militäreinsätze und den Ausgaben für die zivile Hilfe in Afghanistan. Bei einem Abzug der Bundeswehr aus diesem Land würden etwa 500 Millionen Euro jährlich frei. Diese können dann für Entwicklungsprojekte eingesetzt werden, die für den Aufbau von politisch demokratischen Strukturen in Afghanistan unerlässlich sind, so man dieses dort wirklich will.
Eine Mehrheit der Menschen in der Bundesrepublik Deutschland ist gegen diese Militäreinsätze in Afghanistan, wie unlängst eine Umfrage der Tagesschau vom 6. September wieder bestätigt hat. Auch in Ihrem Wahlkreis ist dies so, wie mehrere vom Friedenskreis Lünen gemachte Umfragen ergeben haben.
Wir bitten Sie, diesem Votum der Menschen in Ihrem Wahlkreis Rechnung zu tragen und sich gegen die Verlängerung des Mandates für die Bundeswehreinsätze in Afghanistan einzusetzen. Das betrifft auch ein Nein zu der geplanten Erhöhung des Truppenkontingentes der Bundeswehr in diesem Land. Mit dem sieben Jahre andauernden Krieg in Afghanistan wurde keines der vorgeblichen Ziele erreicht. Im Gegenteil: Gewalt, Terror und Drogenhandel prägen den Alltag. In den meisten Regionen Afghanistans herrschen Warlords und Drogenbarone. Die Bevölkerung lebt in ständiger Angst und unter unwürdigen sozialen Bedingungen. Menschenrechte werden weiterhin mit Füßen getreten. Die Alphabetisierungsrate ist seit dem Einmarsch gesunken. Täglich sterben in Afghanistan 600 Kinder unter fünf Jahren. Alle 29 Minuten stirbt eine Frau bei der Geburt ihres Kindes. Die durchschnittliche Lebenserwartung ging zurück. Nach Meinung vieler Experten ist der Terrorismus nicht mit militärischen Mitteln zu bezwingen, einzig zivile Hilfe zur Selbsthilfe würde in Afghanistan dieses Ziel ermöglichen. Dieses fordern auch die Aktivisten der Afghanischen Friedens-Jirga. Der Friedenskreis Lünen bittet Sie, unter Berücksichtigung der oben angeführten Argumente und Fakten, keiner Verlängerung oder Erweiterung des Bundeswehreinsatzes in Afghanistan zuzustimmen und sich für den Abzug der Bundeswehr aus diesem Land einzusetzen."
Der Brief wurde an alle Bundestagsfraktionen geschickt.
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