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Forensik

Freitag wird eine Bürgerinitiative gegründet

24.10.2012 | 14:42 Uhr
Freitag wird eine Bürgerinitiative gegründet

Lünen.   „Erst das Kraftwerk, jetzt die Forensik.“ „Die Mütter hier haben Angst.“ „Was machen Sie, wenn hier etwas passiert“. Anwohner und Bürger sind wütend, zornig und entsetzt über die Entscheidung des Landes, auf Victoria I/II eine forensiche Klinik zu bauen. Das wurde bei der Informationsveranstaltung am Mittwoch Vormittag auf dem Victoriaplatz deutlich.

Erwartungsgemäß hoch kochten die Emotionen bei dem von der Stadt am Mittwochvormittag am Victoriaplatz einberufenen Informationsgespräch zur Forensik-Entscheidung. Am Tag nach Bekanntwerden der Nachricht, dass das Land dafür die Zechenbrache Victoria I/II ausgewählt hat, schlugen Bürgermeister Hans Wilhelm Stodollick Wut, Zorn und Entrüstung der Anwohner und Bürger entgegen.

Allein als städtischer Vertreter und umgeben von ca 300 Anwohnern und Bürgern stand Bürgermeister Stodollick Rede und Antwort. Wirklich Neues konnte er nicht mitteilen. Noch immer liegt der Stadt Lünen keine offizielle Begründung des Landes für die Entscheidung vor.

Die Bürger machten sich Luft. Warum die Stadt sich überhaupt zu möglichen Flächen für eine Forensik geäußert habe? Andere Städte hätten das nicht getan. Dadurch habe Lünen dem Land die Brache Victoria I/II womöglich erst schmackhaft gemacht. Die Stadt sei selbst schuld, dass sie nun die Forensik bekomme.

Dem sei nicht so, versicherte der Bürgermeister. Die Fläche sei von der RAG-Montan-Immobilie dem Land angeboten worden. Man habe mit einer offiziellen Stellungnahme die Chance ergreifen wollen, dem Land gute Gründe gegen eine Forensik in Lünen zu benennen. Mit Schreiben vom 23. November 2011 hatte die Stadt dem NRW-Gesundheitsministerium ihre Bedenken zu den Flächen des ehemaligen Bundeswehrdepots in Selm/Lünen, dem Lippedreieck hinter dem St.-Marien-Hospital sowie der Zechenbrache geäußert. „Wir haben gesagt, dass uns Victoria I/II wegen der Nähe zur Wohnbebauung, wegen der Probleme mit der Erschließung und wegen der Altlasten im Boden als Standort für eine Forensik als ungeeignet erscheint“, erklärte Stodollick im Laufe der Gespräche gleich mehrfach. Beruhigen konnte der Bürgermeister die Gemüter damit nicht. „Sie hätten energischer auftreten müssen“, hieß es.

Viele Anwohner äußerten Sorge um ihre Familien und ihr Wohnumfeld, wenn nebenan eine Forensik gebaut wird. Inhaftierte Sexualstraftäter in unmittelbarer Nachbarschaft? Für viele nicht vorstellbar. Die Spannbreite der Äußerungen reichte von verängstigt bis offen ablehnend. „Triebtäter nach Sibirien“ stand auf dem Schild, das ein Mann hochhielt. „Ich hätte besser Triebtäter ins Hertie-Haus draufschreiben sollen. Dann würde man vom Rathaus aus jeden Tag sehen, was man da angerichtet hat.“

Dem Bürgermeister zur Seite stand Superintendent Winfried Moselewski. Er versuchte Anwohner zu beruhigen, die ihren Ängste gegenüber einer Forensik freien Lauf ließen. Der schlechte Ruf sei nicht berechtigt, meinte er sinngemäß und machte Mut, sich mit dem Thema zu befassen.

Was kann die Stadt jetzt noch machen, wollte Dieter Mendrina wissen. Der SPD-Kreistagsabgeordnete und Vorsitzende der Barbara-Siedlergemeinschaft hatte zuvor gelbe Aufkleber mit der Aufschrift „Forensik nicht mit uns“ verteilt. Bürgermeister Stodollick riet: „Bekunden Sie gegenüber dem Land ihren Willen“. Man könne eine Bürgerinitiative gründen. Auf Drängen von Anwohnern sagte Stodollick auch: „Ja, ich bin auch gegen die Forensik in Lünen.“

Zu diesem Zeitpunkt hatten wenige Meter entfernt CDU-Vertreter die Gründung einer Bürgerinitiative gegen die Forensik in Lünen bereits eingestielt. Das erste Treffen findet am Freitag, 26. Oktober, um 11 Uhr im Rathausfoyer oder davor ab.

Die Stadt ihrerseits sucht das Gespräch mit der Landesregierung, um ihre Bedenken gegen die Forensik-Entscheidung noch einmal vorzubringen. In der gemeinsamen und mit der Politik abgestimmten Stellungnahme des Verwaltungsvorstandes von Dienstag war bereits formuliert, dass man vom Land erwarte, die Entscheidung noch einmal zu überdenken. Parallel dazu, so Stodollick gegenüber den Anwohnern, wolle man überprüfen, ob es jurstische Möglichkeiten gegen die Standort-Entscheidung gibt.

Die Informationsveranstaltung mit einem Vertreter des NRW-Gesundheitsministeriums soll am Dienstag, 30. Oktober, um 18 Uhr im Hansesaal stattfinden. Der Termin ist allerdings noch nicht offiziell bestätigt. Bürger schlugen vor, wegen der zu erwartenden Zahl von Menschen einen größeren Raum zu wählen. Die Stadt hofft, dass NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens sich persönlich den Fragen stellen wird.

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Kommentare
25.10.2012
14:12
Gegenvorschlag
von MikeThyson | #4

Forensikbau in Düsseldorf!
Lünen ist so schon bescheiden genug. Kohlekraftwerke, Sozialfälle, Migranten. So gut wie jeder der kann hat die Stadt schon verlassen.

Nobot, bist du wirklich so dumm? Mir sind keine arbeitslosen Psychiater in Lünen bekannt. Diejenigen, die Arbeitsplätze kriegen, werden so weit wie möglich pendeln, denn keiner will verständlicherweise in Lünen wohnen.

24.10.2012
22:52
Freitag wird eine Bürgerinitiative gegründet
von Nobot | #3

Reflexhaft wird hier "Nein" geschrien, die ganze Diskussion ist von blanker Unkenntnis geprägt. Wie wärs denn, sich erstmal ein Bild zu machen? Aber das ist nicht zeitgemäß. Keine Ahnung, aber eine Meinung haben, das dagegen schon. Vielleicht sollten sich alle Beteiligten mal zurück ziehen und erstmal informieren. Schließlich kommen hier auch Arbeitsplätze, krisensicher und voraussichtlich auf ewig. Aber klar, die Psychiatrie ist anderswo immer besser angesiedelt als da, wo man selbst wohnt.

24.10.2012
20:42
Freitag wird eine Bürgerinitiative gegründet
von Karl-Napp | #2

Gegenvorschlag: Kein Forensikbau und dafür alle, die da reingehören auf freien Fuß setzen.

24.10.2012
17:46
Forensik in Lünen
von zeitungsleser07 | #1

muss man im Wohngebiet tatsächlich nicht haben!!! Veranstaltung vor Ort war chaotisch, kein Mikro, Stodollik wie immer "lautlos". Netterweise waren um diese Uhrzeit immerhin einzelne Politiker vor Ort: God/Stattpartei; Matthee/Grüne; mehrere von CDU,u.a. Zarwisch. Leider nicht erkennbar jemand von der SPD, schon gar nicht der für Sie als Bundestagskandidat antretende SPD-Stadtverbandsvorsitzende Thews.Von GfL = keinen gesehen.
Wie soll man die Abwesenheit vieler Lüner Politiker in dieser Frage werten? Thema erledigt, abgehakt?
Also wird es wieder auf den Widerstand der Bürger vor Ort allein hinauslaufen. Gründung Bürgerinitiative am Freitag 26.10. Rathaus 11 Uhr.
Macht mobil, kommt zahlreich!!!

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