Experten rechnen mit mehr Güterverkehr
21.01.2009 | 22:00 Uhr 2009-01-21T22:00:00+0100Anwohner sollten sich nicht täuschen lassen, wenn es auf der Hamm-Osterfelder-Bahnstrecke zur Zeit ruhiger ist. Die Konjunkturkrise hat den Güterverkehr kalt erwischt. Langfristig ist aber mit mehr Verkehr auf der Strecke zu rechnen als je zuvor.
Das bestätigte der NRW-Sprecher der Deutschen Bahn, Gerhard Felser. Vorbehaltlich aktueller Zahlen, die erst zum Quartalsende bekannt seien, geht er von einem massiven Einbruch im Güterverkehr aus. Die Bahn befürchtete Ende vergangenen Jahres ein Minus von 40 Prozent. Felser hält diese Prognose für realistisch. Aktuelle Zahlen lägen ihm zwar nicht vor. Auch nicht für die Hamm-Osterfelder. Aber er ist überzeugt, dass es in Lünen genauso ist, wie anderswo. Die Krise bremst den Schienen-Güterverkehr regelrecht aus.
Beispielsweise das Tief in der Automobilbranche. Erz und Koks, Grundstoffe für die Stahlproduktion, würden vor allem über die Schiene transportiert. Andere Stoffe, Zwischenprodukte und Container-Züge auch. Über die Hamm-Osterfelder rollt unter anderem der Güterverkehr, der die Seehäfen im Norden mit den Produktionsstätten im Westen und Süden verbindet – und umgekehrt.
Zurzeit rollt er von und zu den Produktionsstätten nur sehr eingeschränkt. So sehr, dass die Bahn laut DB-Sprecher Felser 300 Kilometer Gleisstrecke nur zum Abstellen ungenutzter Güterwaggons anmieten muss.
Dieses wird sich spätestens mit Ende der Krise erledigt haben. Und es ist zu erwarten, dass in Zukunft weit mehr Güterverkehr über die Schiene rollt als jemals zuvor. Experten gehen von steigenden Zahlen im Schiffsverkehr in den nächsten Jahren aus.
2011/2012 soll außerdem das dritte Gleis zwischen Emmerich und Kreuz Oberhausen gebaut werden. Dann rollen noch mehr Güter und Waren z.B. über die niederländische Betuwe-Linie, eine der ambitioniertesten Güterverkehrsverbindungen im europäischen Schienennetz, die den Umschlagplatz Rotterdam mit Deutschland und anderen EU-Ländern verbindet.
Außerdem wird der Bahn-Knotenpunkt Hamm bis 2010 ausgebaut, um die wachsenden Güterverkehre aus den Seehäfen besser in Richtung Süden und Westen verteilen zu können. Zweck der Maßnahme: eine „Blockverdichtung”, die eine dichtere Zugfolge ermöglicht.
Um die zu erwartenden Kapazitäten zu packen, geht die Bahn noch andere Wege. In einem Pilotprojekt wurden unlängst Güterzüge mit einer Länge von bis zu 1000 Metern auf die Schiene gebracht. Technisch ausgerichtet ist das Streckennetz in Deutschland für Züge bis 750 Meter. Für den Betrieb längerer Züge müsste das Netz leit- und sicherungstechnisch ertüchtigt werden. Signalabstände würden größer, die Bremswege anders. An eine schnelle Umsetzung sei daher eher nicht zu denken, erklärte Gerhard Felser.
Was das Lärmsanierungsprogramm betrifft, steht Lünen zwar auf der vom Bundesvekehrsminister erstellten Liste. Es würde aber noch Jahre dauern, bis hier tatsächlich Schallschutzwände errichtet werden, so der Bahnsprecher. Das Programm mit dem ehrgeizigen Ziel, den Lärm im Streckenbereich bis zum Jahr 2020 zu halbieren startete am Mittelrhein. Zurzeit werde entlang der Strecken im Niederrheinischen saniert. Von dort würde man dann nach Norden fortfahren, teilte der Bahnsprecher mit. Der Bund stellt für die Lärmsanierung jährlich 100 Mio. Euro bereit.
Lärmsanierung ist nicht zu verwechseln mit Lärmschutz, auf den Anlieger einen Anspruch haben, wenn die Strecke neu gebaut wird. Lärmschutz dient der Lärmvorsorge, Lärmsanierung sind Maßnahmen an bestehenden, baulich nicht zu verändernden Schienenwegen.
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