Existenzängste in der Bäckerstraße
12.07.2009 | 11:56 Uhr 2009-07-12T11:56:00+0200Der Magnet ist weg, der Abwärtsstrudel ist da: Den Einzelhändlern in der Bäckerstraße bricht das Geschäft ein. Seit Hertie weg ist, gäbe es kaum noch Laufkundschaft, klagen die Geschäftsinhaber. Viele fürchten um ihre Existenz, ein erster Laden ist bereits pleite.
„Wir schließen Ende August”, sagt Thomas Kuklewski, Inhaber des Schuhgeschäftes „Mode für Ihn”. In Hausnummer 25 der Bäckerstraße läuft der Ausverkauf. „Es ist traurig aber wahr: Wir sind pleite”, so der Schuhhändler. Der Grund ist für ihn offensichtlich: „Seit Hertie weg ist, kommt keiner mehr in die Bäckerstraße.”
Eine Aussage, die auch die anderen Geschäfte unterstreichen. Ob „Modehaus Flair”, die Baguetterie „Baggy House”, die „Charin Boutique” oder das Teefachgeschäft „Die Praline” – alle Geschäftsleute berichten von weniger Laufkundschaft und damit auch von weniger Umsatz. „Es ist jeden Tag ein Kampf”, sagt etwa Lisa Piller, Inhaberin der Boutique Charin. „Wir alle hier haben massive Probleme seit Hertie geschlossen wurde.” Bärbel Klaas, Inhaberin der „Praline” ergänzt: „Die Leute machen einen Bogen um die Bäckerstraße seit das Hertie-Gebäude leer steht.”
Ein Problem, das auch das Wirtschaftsförderungszentrum Lünen (WZL) kennt. „Wir haben es von Anfang an befürchtet: Wenn Hertie schließt, kommen weniger Leute in die Bäckerstraße und in die gesamte Innenstadt”, sagt WZL-Geschäftsführer Michael Sponholz. Hertie sei ein Kundenmagnet gewesen – ohne Magnet verliere die Innenstadt an Anziehungskraft. Besonders betroffen seien die Bäcker- und die Mauerstraße. „Wir haben keinen Leerstand in der Langen Straße zwischen Babyhaus Mönninghoff und der Lippe-Brücke. Das ist die 1A-Lage”, erklärt Sponholz. Bäckerstraße und Mauerstraße seien „eher 1B-Lage”.
Die Stimmung bei den Händlern ist gereizt. Denn aktuell, so die Meinung der Geschäftsführer, ist das leerstehende Hertie-Haus nicht nur nicht anziehend, sondern sogar abstoßend. „Schauen Sie sich das Gebäude an: Es besteht nur noch aus Papierfetzen und Schmierereien”, sagt Lisa Piller. „Da kann man sein Schaufenster noch so schön dekorieren – der Gesamteindruck in dieser Straße wird vom Hertie-Haus dominiert.” Besserung ist nicht in Sicht. Eine baldige, neue Nutzung des geschlossenen Warenhauses scheint ausgeschlossen.
Das WZL hat derweil erste alternative Denkansätze, um die Situation der Einzelhändler in der Bäckerstraße zu verbessern. „Vielleicht ist es sinnvoll, den verkehrsberuhigten Bereich aufzulösen”, so eine Idee Sponholz. „Dann könnte man Parkplätze installieren, so dass die Kunden direkt an die Geschäfte heranfahren können.” Das würde helfen, findet Sonja Feldmann von der Baguetterie „Baggy House”. „Wir leben größtenteils von Stammkunden. Abends kommen wenige Kunden, weil sie vor dem Haus nicht parken können. Parkplätze wären also super”, so Feldmann.
Das wäre zwar kein Stark-Magnet, könnte aber zumindest etwas Anziehungskraft für die Bäckerstraße bedeuten.
07:58
Vielleicht liegt es ja auch einfach nur daran,das durch die Wirtschaftskrise und den gescheiterten Strukturwandel,(mehr Arbeitslose und Geringverdiener, als in irgendeiner offiziellen Statistik angegeben) die Kaufkraft der Bürger stark gesunken ist!!
Der unbeschwerte Konsum,gehört der Vergangenheit an.
Die Stadt Lünen sollte sich darauf einstellen,sich langsam aber sicher zu verkleinern (Verkaufsfläche Innenstadt),anstatt noch neu zu bauen.
In einem schönen neuen Geschäft,kann man ohne Geld,leider auch nichts kaufen!!