„Es hätte Tote geben können“
10.09.2010 | 17:29 Uhr 2010-09-10T17:29:00+0200
Lünen.Fassungslos blicken Peter Marx und Reinhold Hülk durch das vergitterte Fenster dessen, was einmal die Hausmeisterwohnung am Sportplatz in Schwansbell war. Übrig geblieben sind darin nur noch Trümmer, Schutt und Asche. Schon mehrfach ist der Verein von Einbrechern und Zerstörungswütigen heimgesucht worden. „Aber dieses Mal hätte es Tote geben können“. so Peter Marx. Denn eigentlich hätte Reinhold Hülk in dem Gebäude übernachten sollen.
In zwei voneinander getrennten Gebäuden haben die Unbekannten in der Nacht zu Freitag Feuer gelegt. Das am Eingang zum Gelände beherbergt die Umkleiden und eben die Hausmeisterwohnung, die lange nicht belegt war. Hier sollte Reinhold Hülk einziehen.
Schaden insgesamt in sechsstelliger Höhe
Er ist Mitglied im Lüner SV, betreut unter anderem die erste Mannschaft mit. Durch seinen Einzug wollten er und der Verein dem massiven Vandalismus entgegenwirken. Einen großen Teil seines Hausrats hatte Hülk schon dort untergebracht. „Mixer, Toaster, Staubsauger. Einen Schrank hatte ich auch schon aufgebaut“, berichtet er mit verzweifeltem Unterton. Bis auf seine Anzüge sei eigentlich schon fast alles in der Wohnung gewesen. Jetzt ist alles verbrannt. Den Mietvertrag für die alte Wohnung hat er gekündigt. „Hoffentlich kann ich das rückgängig machen.“ Von Glück im Unglück zu sprechen, ist da fast schon zynisch: Reinhold Hülk wollte sich einen Hund anschaffen, erst dann wäre er in die Hausmeisterwohnung gezogen. Den Hund hatte er noch nicht bekommen, nur deshalb war er in der Brandnacht nicht dort.
Einige Meter weiter, am Clubhaus, ist ein schmales Fenster zur Geschäftsstelle eingeschlagen, tiefschwarzer Ruß hat sich an der Wand darüber abgesetzt. Auch hier haben die Unbekannten Feuer gelegt. Die gesamte Einrichtung ist zerstört, der beißende Geruch von verbranntem Kunststoff hat sich auch im Rest des Gebäudes festgesetzt. „Im Moment können wir hier gar nichts mehr machen“, so Peter Marx vom Vorstand des Lüner SV. Auf gut 70 000 Euro schätzt er den Schaden in der Hausmeisterwohnung – der trifft den Verein. Etwa 80 000 dürfte der Schaden im Clubhaus betragen – der trifft die Zentrale Gebäudebewirtschaftung Lünen (ZGL), der das Haus gehört.
Ob der Spielbetrieb am Wochenende überhaupt stattfinden konnte, war bis zum Freitagabend noch nicht klar: Bei den Spielen der Senioren und Jugendmannschaften muss der Verein Spielergebnisse elektronisch übermitteln. Die nötigen Daten und Zugänge dafür gab es nur auf einem der verschmorten Computer.
Die Feuer sind die dramatische Spitze des Eisbergs. Neunmal haben Unbekannte in diesem Jahr schon zugeschlagen. „Am Anfang waren es Einbrüche und Vandalismus, später haben sie einen Feuerlöscher im Gebäude entleert oder die gesamte Trikotage gestohlen und in den See geworfen“, so Peter Marx. Einmal hätten sie sogar den neuen Kleinbus des Vereins gestohlen und 200 Meter entfernt in eine abgestellte Kabeltrommel gerammt – Totalschaden.
An einen Zusammenhang mit Brandstiftungen im Stadtgebiet der letzten Tage glaubt Marx nicht. Er glaube vielmehr, dass jemand ganz gezielt dem Verein schaden wolle. Was wirklich dahinterstecke, das müsse aber die Polizei herausfinden.
Wie das Vereinsleben jetzt weitergeht, ist noch nicht klar. Auch weiß Marx noch nicht, wie sich der SV gegen solche Anschläge schützen soll. „Die Polizei war ja schon sehr hilfreich, hat sich hier postiert, ist verstärkt Streife gefahren.“ Doch die Täter hätten immer wieder gezielt die Zeiten abgepasst, in denen die Beamten eben nicht vor Ort gewesen seien. Ein Sicherheitsdienst rund um die Uhr – das kostet viel Geld. Aber irgendetwas müsse und werde sich der Lüner SV einfallen lassen. „Bald ist der Kunstrasenplatz fertig, den nehmen sich diese Leute sonst auch noch vor.“
0mitdiskutieren