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Ein gedrucktes Stück Bergbaugeschichte

11.07.2008 | 18:09 Uhr

Brambauer. (os) Auf so manchem Dachboden ehemaliger Bergleute schlummert noch das eine oder andere Exemplar der "Gebrüder Stumm Werkszeitung für die Gefolgschaft der Zeche Minister Achenbach." Ab 1933 bis in die 40er-Jahre wurden die Lüner Bergleute ...

Für die Bergleute eine wichtige Informationszeitung: Die Werkszeitschrift für die Zeche Minister Achenbach. (Bild: Günter Blaszczyk)

... hautnah über die Geschehnisse im Zechenumfeld informiert - in den dunklen Jahren dieser Zeit allerdings auch heftig indoktriniert. Im Vordergrund standen meistens Artikel rund um das Produkt Kohle, daraus entstehende Produkte, deren Bedeutung und Wissenswertes rund um die Bergbautechnik. So behandelte ein Artikel in der Ausgabe Nr. 1 von 1938 ausführlich und im Detail die Entstehung von Grubengas, Wetterführung und das richtige Verhalten in gefährlichen Situationen. Offenbar schon in Erwartung von Luftangriffen befasste sich eine spätere Ausgabe von 1939 mit dem Thema Werksschutz und Luftangriffen - betont sachlich übrigens, auf die Gefahr für Bergleute wurde dabei kaum eingegangen, sondern eher auf Kosten und auf den Schutz der kriegswichtigen Einrichtungen des Betriebs.

Generell ist dem Blatt, das von einer Düsseldorfer Verlagsgesellschaft für Werkszeitungen vertrieben wurde, der zunehmende Einfluss der Nationalsozialisten deutlich anzusehen. So wurde unter anderem auf eine Bilderseite, die Anfang 1939 erschien, 1938 als "das Jahr des großdeutschen Reiches" gefeiert. Die "Kurznachrichten" befassten sich zeitweise fast ausschließlich mit den Frontenverläufen und dem Ausgang von Schlachten - und ein Artikel stellte gar die Behauptung auf, dass die Nachsilbe "Stein" zwar von den Juden benutzt worden sei, um ihre schon aus ihrem Namen ersichtliche Raffgier zu verschleiern, aber dass sie durchaus auch auf traditionsreiche bergmännische Familien hinweisen könne - finstere Propaganda, wie sie seinerzeit leider nicht ungewöhnlich war.

Dennoch war die Werkszeitung für die Menschen, die mit dem Bergbau lebten, eine wichtige Institution. Selbstverständlich hatte das Blatt, das an die Bergleute seinerzeit gratis ausgegeben wurde, auch eine Rubrik mit Listen von Arbeitsjubilaren und Familienanzeigen, über welche die Bergleute immer auf dem Laufenden waren, bei wem gerade ein runder Geburtstag anstand, wer heiratete oder gar eine Jubelhochzeit zu bieten hatte oder in welcher Familie es gerade Nachwuchs gab. Sportliche Erfolge von Bergleuten wurden ebenso dort verewigt wie andere besondere Ereignisse. Und dann gab es da noch die Rubrik "Aus dem Reich der Frau" - mit Themen, die aus heutiger Sicht durchaus skurril wirken: So befasste sich in 1939 ein Artikel ausführlichst und in aller Tiefe mit dem "Ausbessern von Strümpfen", klärt darüber auf, das Stopfen und Stopfen zweierlei ist, dass es damit nicht immer getan sei, wenn die Kinder die nagelneuen Strümpfe durch einen Sturz am Knie ruiniert hätten - und dass sich unrettbare Füßlinge abgeschnitten immer noch als Schutzüberzug nutzen ließen.

Das Archiv der Stadt Lünen hat eine fast vollständige Sammlung der Werkszeitung in seinen Regalen - schließlich ist sie ein wichtiger Teil der Stadtgeschichte.

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