Ein Empfang mit Liebeserklärung
14.02.2012 | 18:23 Uhr 2012-02-14T18:23:00+0100
Berlin. „Ich versuche es“, sagt Hannelore Kraft. Es ist Sonntagabend, gleich muss die Landeschefin den großen Berlinale-Empfang in der NRW-Botschaft eröffnen. Das spektakuläre Pailettenkleid sitzt, die Hochsteckfrisur hält. „Ich versuche es, aber ich kann’s nicht versprechen.“ So was sagt sie oft. Aber diesmal geht es nicht um Kitaplätze oder Mindestlöhne. Es geht ums Filmegucken. Festivalluft. Fantasiebeschleuniger. Die Landeschefin hat letztes Jahr das 22. Lüner Kinofest eröffnet – und möchte unbedingt wiederkommen. „Okay, es ist nicht die Berlinale, aber es ist ein fantastisches Festival mit ganz eigenem Charme.“
Ein paar Meter weiter steht an diesem Abend SPD-Urgestein Franz Müntefering und hält ein Schwätzchen mit der kleinen Truppe aus Lünen, die jedes Jahr das Kinofest beim großen NRW-Empfang vertritt. Und? Auch ein großer Lünen-Fan, Herr Müntefering? „Na ja,“ sagt der 72-Jährige und nickt anerkennend Richtung Kinofest-Macher, „gerade habe ich gehört, die machen das schon seit 22 Jahren.“ Das heißt...? Genau. Er war noch nie da. Hatte er einfach nicht auf dem Schirm. „Für Film habe ich mich nie so interessiert.“ Doch neuerdings schleppt ihn seine junge Frau Michelle ins Kino. „Habemus Papam“ hat er gerade gesehen, den Film über einen Papst, der keine Macht will. Muss ein komischer Gedanke sein für einen wie Münte. Aber gut möglich, dass sich die Münteferings dieses Jahr mal in Lünen blicken lassen.
24 Stunden später. Ortswechsel. In den Hackeschen Höfen feiern die Macher und die Fangemeinde des Lüner Kinofests. Mitten drin: die 90-jährige Ruth Bickelhaupt, Fotomodell auf den Festivalplakaten und Hauptdarstellerin im neuen Werbetrailer. Kinofest-Leiter Michael „Mike“ Wiedemann will sie „auf jeden Fall“ wieder für die neue Kampagne engagieren – dass der charmant-witzige Trailer im Herbst wieder gezeigt wird, ist längst ausgemachte Sache. Bickelhaupt bringt darin die Branche zum Tanzen: Tom Tykwer, Eva Mattes, Anja Kling – sie alle dürfen einmal mit ihr die Hüften schwingen.
Donnernden Applaus gibt es an diesem Abend in Berlin auch für Hella Wenders’ klugen, bezaubernden Siegerfilm „Berg Fidel“ über die Kinder einer integrativen Grundschule in Münster. Der Lüdia-Preisträger von 2011 hat inzwischen sogar einen Verleih gefunden: „Wahrscheinlich sind wir ab September im Kino“, freut sich die Nichte von Altmeister Wim Wenders. Sie hat Clemens Leonhard mit zum Lünen-Empfang gebracht – den Vater von David und Jakob aus dem Schulfilm.
Für Uschi Reich mischt sich diesmal Trauer in die Freude: Die Produzentin des preisgekrönten Kinderfilms „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ bekommt zum zweiten Mal hintereinander die „Rakete“ – diesmal widmet Reich sie ihrem alten Lehrer an der Münchner Filmhochschule: „Die meisten hier werden ihn nicht kennen, aber Mike und ich, wir haben damals bei Wolfgang Lengsfeld studiert. Er ist heute gestorben.“
Die meisten hier – das sind die bewährten Partygäste aus Westfalen und der Filmnachwuchs aus der ganzen Republik. Aber auch Langzeitprofis wie die Schauspieler Jochen Nickel („Vorstadtkrokodile“) und Waldemar Kobus („Wickie“) kommen gern. „Das Kinofest ist für mich der beste Ort, um Filme zu sehen“, sagt Kobus. Kein PR-Stress, keine Agenturfotografen, keine Absperrgitter. „Die lassen einen da in Ruhe.“ Es ist längst nach Mitternacht, also längst Valentinstag, und es klingt tatsächlich wie eine Liebeserklärung.
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