Druckreif – seit genau 20 Jahren
21.02.2012 | 17:57 Uhr 2012-02-21T17:57:00+0100
Lünen.Mit Partys und Drogen ging’s los. Es folgten Ausflüge in die rechte Szene oder zu transsexuellen Menschen. Zu den Zutaten zählte aber auch weniger schwere Kost, schmackhafte Selbstversuche in Pizzerien oder Eisdielen etwa. Bands wurden vorgestellt, Bewerbungstipps aufgedröselt, Outfits und Sportarten unter die Lupe genommen. Tausende Artikel und Fotos später staunen die Jugendlichen heute darüber, dass „ihre“ Seite älter ist, als sie selbst: Die Lüner Jugendseite feiert ihren 20. Geburtstag.
„Wir wollen mehr für Jugendliche machen“, lautete vor zwei Jahrzehnten die einhellige Meinung der Lokalredaktion unserer Zeitung. „Und das landetet auf meinem Schreibtisch“, erinnert sich Barbara Höpping, die „Mutter“ der Lüner Jugendseite.
Jugendliche schreiben für Jugendliche
Die Grundidee war schnell klar, erzählt sie: „Nicht die Alten sollten versuchen, über junge Themen zu schreiben, sondern Jugendliche für Jugendliche.“ Höpping rührte die Werbetrommel an den Schulen, bis sich Anfang 1992 schließlich die erste Jugendredaktion in der Lippestadt fand.
Druckreif waren die ersten Geschichten schließlich am 20. Februar 1992. „Tolle Stulle heißt die Seite für junge Leute, die mehr erfahren wollen und was zu sagen hatte“, schrieb die
Redaktion damals. Die ersten großen Themen: Das Lüner Partyleben und ein Interview mit einem Drogenbeauftragten – Anfang der 90er Jahre hatte es in der Lippestadt zehn Drogentote gegeben.
Schreiben, wie der Schnabel gewachsen ist
Das war der Startschuss für die „Tolle Stulle“ – und der Name war zunächst jeden Monat Programm: „Gut und dick belegt sollte unserer Seite sein, so wie eine ordentliche Stulle“, erinnert sich Barbara Höpping. Und garniert wurde das Ganze oft mit einer Extraportion Mut. Wie bei der Kopftuchdebatte, die auf der Lüner Jugendseite schon im März 1992 geführt wurde – offene Statements von türkischen Mädchen inklusive. Oder bei den Interviews mit einem transsexuellen Menschen, der ebenso offen mit der Jugendredaktion sprach, wie der Ex-Nazi, der sich den Fragen der Nachwuchs-Reporter stellte. Zu den Zutaten zählte aber auch immer der lokale Bezug: Was passiert an meiner Schule, in den Proberäumen der Bands, warum wird das Jugendzentrum geschlossen? „Schreibt, was euch bewegt und schreibt es, wie euch der Schnabel gewachsen ist“, lautet die Ansage von Barbara Höpping.
Zunächst wurde die Stulle den Lesern monatlich serviert, bis sich die Jugendseite zum fünften Geburtstag ein besonderes Geschenk machte: „Tolle Stulle erscheint ab sofort jede Woche“ titeln die Macher 1997 – auch wenn der Salat auf dem Toast immer noch grau ist. Farbe kommt dann erst im Mai 2002 ins Spiel: Da erscheint die erste Ausgabe in Farbe.
Verjüngungskur vor drei Jahren
Name und Logo blieben, bis vor drei Jahren doch einmal ein neues Styling her musste: Aus der „Tollen Stulle“ wurde jugend.ich. „In diesem Namen steckt, was die Seite ausmacht: dass sie von Jugendlichen für Jugendliche gemacht wird – und sich jeder darin wiederfinden kann“, erklärt Redakteurin Daniela Thamm, die die Betreuung der Jugendseite damals von Florian Adam übernahm.
Mit Partys und Drogen fing es an, mit dem Klischee über Jugendliche hatte das aber schon damals nichts zu tun. Die hat die Lüner Jugendseite in zwei Jahrzehnten zwar immer wieder gerne aufgegriffen – sie selbst aber nicht erfüllt. Die These von diesem angeblichen schwierigen Alter, die konnte Barbara Höpping in 17 Jahren „Stulle“ schon nicht bestätigen. Und das ist bis heute so geblieben. Woche für Woche trifft sich die Jugendredaktion, um Themen zu entwickeln. Woche für Woche schwärmen die jungen Autoren aus, um ihre Geschichten rund zu kriegen. Und liefern sie Woche für Woche pünktlich ab, damit sie auch in Zukunft jeden Mittwoch eine dick belegte Jugendseite servieren können.
09:12
Liebe Jugendredaktion, 16 Jahre lang "Tolle Stulle", heute "Jugend.ich", macht weiter so. Es freut mich riesig, dass die Zeit zeigt, dass mein Konzept vor 20 Jahren richtig war. Vertrauen in Jugendliche lohnt sich für alle Seiten. Ich wünsche mir, dass es auch in Zukunft immer wieder junge Kollegen und Kolleginnen gibt, die sich redaktionell für den Erhalt dieser Seite stark machen. Danke und ein herzliches wöchentliches "Glückauf".
Barbara Höpping