Prozess
Diebe fahren Neuwagen aus geöffnetem Autohaus
10.09.2009 | 13:56 Uhr 2009-09-10T13:56:00+0200Lünen. Es war ein Diebstahl, dessen Dreistigkeit einem die Sprache verschlägt: Während die Mitarbeiter des Lüner Autohauses Schmidt in Kundengespräche vertieft waren, fuhren ausgebuffte Ganoven seelenruhig mit zwei nagelneuen Wagen davon. Am Mittwoch fiel gegen einen der Diebe das Urteil.
Es geschah bei laufendem Betrieb: Während die Mitarbeiter des Autohauses Schmidt in Kundengespräche vertieft waren, fuhren ausgebuffte Ganoven seelenruhig mit zwei nagelneuen Wagen davon. So geschehen am 6. Mai. Am Mittwoch wurde einer der Diebe vor dem Dortmunder Schöffengericht zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren verurteilt.
Wagen sollten nach Polen verfrachtet werden
Der 31-Jährige hatte einen A4 aus dem Gebäude geschmuggelt, der nach Polen verfrachtet werden sollte. Allerdings kam er nicht weit: An der nächsten Kreuzung stand zufällig die Polizei, und der kam das Auto mit dem Nummernschild „Autohaus Schmidt” komisch vor, zudem war der Wagen in Schutzfolie verpackt. Der Dieb landete in Untersuchungshaft. Sein Kollege hatte mehr Gaunerglück: Er kam mit dem nagelneuen „Q5” im Wert von 70 000 Euro bis zu einer Halle, wo man dem Luxuswagen ein geklautes Nummernschild anschraubte. Aufgefallen ist der „Q5” in Prag, in Kürze soll er nach Lünen überführt werden.
„Das ist eine ganz neue Qualität. So etwas Abgezocktes habe ich noch nicht erlebt”, sagte Amtsrichter Dr. Reiner Kollenberg. Unglaublich: Die beiden Diebe fuhren im Mai mit einem Lastenaufzug in die oberen Etagen des Autohauses, schnappten sich die Schlüssel und fuhren die Neuwagen vom Gelände.
"Ein nicht ganz legales Ding in Deutschland"
Der Angeklagte – er fiel bisher wegen kleinerer Einbrüche auf – sagte lediglich: „Ja, ich habe am Steuer gesessen.” Ein Bekannter sei damals in Polen auf ihn zugekommen und habe ihm einen Job angeboten: „Er sagte: Ich brauche einen Fahrer für ein nicht ganz legales Ding in Deutschland.” Die Namen der Hintermänner will er nicht preisgeben. „Offensichtlich stehen einflussreiche Strukturen hinter diesen Taten”, sagt Rechtsanwalt Marius Meurer. „Mein Mandant hat panische Angst, dazu weitere Angaben zu machen.”
Denkbar sei, so Amtsrichter Dr. Kollenberg, dass die Bande die Festnahme des Angeklagten einkalkulierte: „Für die brenzligen Situationen werden immer die nützlichen Idioten eingesetzt.”
17:23
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
17:23
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.