"Die Strukturen zum Tanzen bringen"
03.10.2008 | 18:17 Uhr 2008-10-03T18:17:46+0200Gahmen. (pr) Jetzt ist er unterwegs, der Förderantrag für das Projekt Soziale Stadt: seit Anfang des Monats liegt das Papier der Bezirksregierung in Arnsberg vor. ...
... Punkt 3.7 des Handlungskonzeptes widmet sich einem heiklen Thema - der desolaten Nahversorgungs-Situation in Gahmen. Und weil ungewöhnliche Situationen auch ungewöhnliche Maßnahmen verlangen, befasst sich die Verwaltung derzeit mit unkonventionellen Lösungsansätzen. Allen voran Beate Schürmann: Angesichts der drohenden Schließung des Rewe-Marktes an der Gahmener Straße - noch immer wurde kein Nachfolger für den jetzigen Inhaber gefunden - schwingt sich die Stadtentwicklungsplanerin in revolutionäre Höhen und zaubert auch gleich ein passendes Brecht-Zitat aus dem Hut: "Die Strukturen müssen zum Tanzen gebracht werden", sagt sie und meint Strukturen, die auf den Seiten des Handlungskonzeptes mit düsteren Worten umschrieben werden: "Personen, die auf fußläufige Versorgungsangebote angewiesen sind, können sich in Gahmen nur noch auf einfachem Niveau versorgen", heißt es dort, oder: "Auf Grund sozialer Probleme im Stadtteil und fehlender Immobilien konnten Investorengespräche bisher nicht erfolgreich geführt werden."
Das trifft auch auf den Rewe-Markt zu: Mit einer Verkaufsfläche von nur 250 Quadratmetern ist er für "die Großen" uninteressant, sagt Schürmann - "die sind alle abgeklappert". Einen Interessenten aus der Privatwirtschaft gebe es zwar, allerdings könne sich dieser mit dem Eigentümer nicht einigen. Für Schürmann - deren Idealismus durch das Projekt Gahmen nur angestachelt wird - kein Grund zur Resignation. Wenn die Großen nicht anbeißen, dann soll der Stadtteil eben auf andere Weise zum Tanzen gebracht werden.
Und zwar mit alternativen Konzepten: Neben dem ungewöhnlichen NRW-Projekt "Dorv" (Dienstleistung und ortsnahe Rundumversorgung), das zur Rettung der lokalen Nahversorgung auf kleine Lebensmittelmärkte gekoppelt mit Post, Arztpraxis und anderen Dienstleistungen setzt, geistert momentan vor allem ein Zauberwort durch die Räume der Verwaltung: Es heißt "Bonus".
Seit 2003 eröffnete die Stuttgarter Bonus-gGmbH zwanzig von Rewe belieferte Supermärkte. Als gemeinnützige GmbH hat sich Bonus die "Verbesserung der Vermittlungsfähigkeit von Menschen mit geringeren Chancen am Arbeitsmarkt" auf die Fahnen geschrieben - das zumindest verspricht die Selbstdarstellung des Unternehmens im Internet. Weil Bonus "Standorte und Nahversorgungsstrukturen sichern" und Arbeitslosengeld-II-Empfänger beschäftigt will, wird die Einrichtung der Märkte in vielen Fällen von den Kommunen oder den Agenturen für Arbeit gefördert. Möglichst bald, so Schürmann, solle nun geprüft werden, ob auch Gahmen als Standort für einen solchen Markt in Frage kommt.
Und die Chancen stehen nicht schlecht - zumindest die Platzfrage dürfte in diesem Fall nicht dazwischenkommen: Weil Bonus-Filialen vergleichsweise klein sind, kämen verschiedene Lokalitäten in Frage - auch eine, in die Schürmann große Hoffnungen setzt: Die frühere Sparkasse am Marktplatz. "Wenn ein tragfähiges Konzept erstellt wird und das Gebäude baulich geeignet wäre", sagt sie, "dann hat die Sparkasse zugesagt, dass man es nutzen könne."
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