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„Den Schlüssel rumdrehen“

26.05.2012 | 07:00 Uhr
„Den Schlüssel rumdrehen“

Lünen.   Taxiverband will die Fahrpreise erhöhen - voraussichtlich ab November. Ein Drahtseilakt

Mit den Preiserhöhungen ist das immer so eine Sache, das wissen schon Grundschüler. Wer selbstgemachte Limo am Straßenrand verkauft, oder das Spielzeug, das nicht mehr gebraucht wird auf dem Kinderflohmarkt feilbietet, der will auch was dafür haben. Möglichst viel, logisch. Doch wo liegt die Grenze, bei denen die Kunden nach einem Blick auf das Preisschild dankend abwinken?

Die Taxifahrer im Kreis Unna drückt der Schuh an genau dieser Stelle. Die Einnahmen sinken, dafür wird das Benzin teurer. Wie weit können sie die Preisschraube anziehen? Nach „fest“ kommt ja bekanntlich „ab“. Voraussichtlich im November steigen die Tarife, der Kreis Unna muss die Preiserhöhung noch diskutieren und bestätigen, ohne das Parlament geht es nicht. Doch die Sorge um den Fahrgast, sie bleibt – auch inklusive politischer Schützenhilfe.

Kranke statt Kneipe

„Wenn man sich die Spritpreise anguckt, ist das nur gerecht“, sagt zum Beispiel die Lüner Taxifahrerin Sibylle Scholz. „Es sind ja mehr die Älteren, die fahren, und die haben noch Geld.“

Der selbstständige Taxifahrer Alfred Gotsch sieht die Preiserhöhung realistisch: „Mit dem Preis komme ich klar. Aber die Leute nicht. Die fahren nicht mehr. Ich bin seit 23 Jahren Unternehmer, fahre mein Taxi auf eigene Rechnung. Normalerweise müsste man die Preise anheben. Benzin, Versicherung – alles wird teurer, auch die Berufsgenossenschaft. Vor 20 Jahren habe ich 230 D-Mark bezahlt. Jetzt kostet es 560 Euro. Da kann man nichts machen, da kann man nur bezahlen.“

INFO
27 Euro pro Stunde

Auf den ersten Blick sollen sich die Tarife ab November moderat erhöhen. Wer oft und weiter fährt, muss trotzdem deutlich mehr bezahlen:

Montag bis Samstag von 6 bis 22 Uhr gilt der Tagtarif. Dann beträgt der Grundpreis, der bei Fahrtantritt auf dem Taxameter steht, zurzeit 2,50 Euro. Dieser Grundpreis soll um 20 Cent auf 2,70 Euro steigen. Ähnlich verhält es sich mit dem Kilometerpreis, der um 20 Cent auf 1,70 Euro steigen soll.

Die Wartezeit eines Taxis muss ebenfalls bezahlt werden, es kostet zurzeit 24,40 Euro pro Stunde. Bald soll der Preis auf 27 Euro pro Stunde steigen.

An Sonn- und Feiertagen gilt ganztägig der Nachttarif, der aktuell 2,90 Euro Grundpreis und 1,60 Euro pro Kilometer beträgt. Auch dieser Tarif soll steigen.

Bleibt abzuwarten, ob die Kunden das in Zukunft auch so sehen. Vor einigen Wochen hatte der Verband des privaten gewerblichen Straßenpersonenverkehrs Nordrhein Westfalen (VSPV) eine Umfrage unter Taxiunternehmern gestartet. Die Umfrage hat ergeben, dass einige sich steigende Preise wünschen. „Es geht vor allem um die gestiegenen Kosten“, sagt eine Lüner Taxiunternehmerin, „dass man die ein bisschen besser reinkriegen kann.“ Sie berichtet vom schwächer werdenden Nachtgeschäft: „Früher gab es auch mehr Kneipen. Dafür haben die Krankenfahrten zugenommen.“

Noch sind die Preise nicht beschlossene Sache. „Mit viel Glück und ein bisschen Wohlwollen könnte es klappen“, sagt Friedhelm Herwig, Geschäftsführer des VSPV, dem die Zwickmühle zwischen Kosten und wegbleibenden Kunden klar ist: „Man will den Kunden nicht verlieren. Aber anders geht es im Moment nicht mehr. Es hat auch nur am Rande mit dem Benzinpreis zu tun, das Taxigeschäft hat sich verändert. Bus und Bahn liefern super Angebote. Große Feiern gibt es kaum noch. Gäbe es die Krankenfahrten und Schulfahrten nicht, könnten wir den Schlüssel rumdrehen.“

Tim Müßle



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