Atomkompromiss schadet Wettbewerb
07.09.2010 | 21:25 Uhr 2010-09-07T21:25:00+0200
Lünen.Der Atomkompromiss stieß gestern auch in der Lippestadt nicht gerade auf Zustimmung. Im Gegenteil: Die Stadtwerke glauben, dass damit die großen Energiekonzerne gestärkt und die kleinen, auch die Stadtwerke, geschwächt und beim Beschreiten neuer Wege ausgebremst werden. Auch Trianel ist alles andere als begeistert.
Alle Einzelheiten des Abkommens kannte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Achim Grunenberg gestern noch nicht. Dennoch glaubt er, dass die Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke den Kleinen im Energiemarkt spürbar schaden werde. „Es gibt ohnehin wenig Raum für Wettbewerb“, so Grunenberg. „Da ist es nicht gut, dass die Großen jetzt auch noch bevorzugt werden und eine Mehrwirtschaftlichkeit von Milliarden von Euro erwarten können.“ Man werde jetzt erst einmal abwarten müssen, wie im Einzelnen letztendlich alles umgesetzt werde. „Aber Fakt ist: Wenn das alles so umgesetzt wird, wie es sich andeutet, dann wird es wenig Spielraum geben, in etwas Neues zu investieren.“ Damit meine er nicht nur erneuerbare Energien, sondern auch die dezentrale Versorgung mit konventionellen Energieträgern. Auch die eigenen Investitionen in zum Beispiel Kohlekraftwerke habe man ja unter den bisher geltenden Bedingungen getätigt. Er wundere sich darüber, dass der Atomausstieg, der ja eine beidseitige Vereinbarung zwischen Regierung und Energieversorgern gewesen sei, jetzt so einfach gekippt werde. Er baue deshalb auf vorhandenes Nachverhandlungspotenzial – und auf die Tatsache, dass es durchaus Stimmen gebe, die davon ausgehen, dass die Laufzeitverlängerung noch gekippt werden könne.
Regelrecht entsetzt ist man bei Trianel. „Das 40-seitige Papier ist in weiten Teilen klassische Klientelpolitik zugunsten der großen vier Stromkonzerne“, so Sprecher Elmar Thyen gestern. „Entgegen allen Beteuerungen der Bundesregierung werden die Stadtwerke und die Stromkunden Verlierer des Konzepts sein.“ Wettbewerb werde auf Jahrzehnte verhindert, bereits getätigte Milliardeninvestitionen in hocheffiziente, moderne Kraftwerke entwertet. „Die neuen Marktteilnehmer werden für Ihr Vertrauen in die Politik bestraft.“ Als Konsequenz drohe ein Investitionsstau – mit der Folge, dass alte, ineffiziente Kohlekraftwerke länger am Netz bleiben müssten.
Eine Laufzeitverlängerung der Kernkraftwerke habe auf die Wirtschaftlichkeit des Lüner Kraftwerks unbestritten wirtschaftliche Auswirkungen, fährt er fort. Wie diese sich in Euro und Cent ausdrücken würden, lasse sich noch nicht seriös beziffern. In der Gesamtschau werde es wirtschaftlich rentabel bleiben. und auch wie geplant ans Netz gehen. An der Planung, im kommenden Jahr mit dem Bau des Windparks Borkum zu beginnen, halte Trianel fest. fest. „Wir werden 2011 die erste Ausbaustufe mit 40 Windkraftwerken mit je fünf Megawatt Leistung starten.“
Das Unternehmen gehe davon aus, dass dass die Bundesregierung, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Lünen zugesagt habe, die wettbewerbliche Komponente nicht außer Acht lasse und Ausgleichsmaßnahmen ins Energiekonzept einarbeiten werde. „Wir schlagen die Abschaltung alter, ineffizienter Braun- und Steinkohlekraftwerke der Atomkonzerne vor“, so Thyen. „Dies nützt dem Klima und dem Wettbewerb.“
18:12
Wo gibt es denn einen nennenswerten Wettbewerb?
Wo ist denn der Strommarkt ein freier Markt?
Abgesehen davon, dass die Kernenergie in Deutschland völlig falsch diskutiert wird, weil natürlich nur wir Deutschen schlau sind und der Rest der Welt dumm, zeigt doch die Diskussion, dass es lediglich um die ökonomische Verteilung des Marktes geht.
Der Verbraucher bleibt völlig außen vor.
Wo, bitte schön, sparen die Energieunternehmen, wenn sie die Kraftwerke länger laufen lassen? Der Aufwand und die Produktion bleiben doch gleich und nur durch die bilanzielle Auswirkungen der dann abgeschriebenen Kraftwerke entsteht eine rechnerische Entlastung und könnte zu einer weiteren Reduzierung des Strompreises führen.
In einem freien Markt mit funktionierendem Wettbewerb würde diese Vergünstigung natürlich dem Verbraucher zu Gute kommen. Nur, diese Variante wird nicht mal im Ansatz in Erwägung gezogen.
Es reicht ja auch noch nicht, dass wir Stromverbraucher den teuersten Strom in Europa zahlen und in den nächsten 20 Jahren allein für die ökologisch wie ökonomisch unsinnige Subvention von Photovoltaik 60 – 80 Mrd Euro zahlen müssen, obwohl damit rechnerisch lediglich gut ein Prozent der Energie erzeugt wird. In der Praxis verschlimmert sich die Rechnung noch deutlich, weil durch das Grundlastproblem nicht ein einziges herkömmliches Kraftwerk abgeschaltet werden kann.
Nimmt man allein das Engagement der Stadtwerke Lünen in Photovoltaik, wurden dort bisher gut 800.000 kwh seit Anfang 2009 erreicht und mussten mit 345.000 Euro von uns Stromverbrauchern subventioniert werden. In 20 Jahren müssen wir so allein dafür gut 4,5 Millionen Euro zusätzlich zahlen. Das alles kann man nur als Wahnsinn bezeichnen, den man sich allenfalls in Zeiten des Wohlstandes vielleicht noch leisten kann.
An anderer Stelle wie in Spanien mit mittlerweile 20 Prozent Arbeitslosen hat man nun auch rückwirkend die zugesicherten Subventionen zum Teil gestrichen.
Die Regierung hat sehr wohl erkannt, dass auch unser Wohlstand derartige Luxusprojekte nicht mehr lange tragen kann und bereitet nun endlich den Rückzug vor.
Wurde aber auch Zeit.
Zeit wird es auch für uns Verbraucher, der Regierung klar zu machen, dass wir neben den Milliarden-Subventionen für das EEG nicht auch noch einseitig unser Staatsdefizit zurückführen wollen und die Vorteile einer Laufzeitverlängerung für uns einfordern. Leider fehlt und dafür noch die richtige Plattform, aber irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, da werden Autobrände in Lünen genauso an der Tagesordnung sein, wie heute schon in Hamburg und Berlin, von den südeuropäischen Ländern mal ganz zu schweigen.
Und die Stadtwerke haben als Unternehmer die Risiken zu tragen und keinerlei Legitimation, nun auch noch dafür die Stromkunden zu schröpfen.
Der Umstand, dass es doch unserer Wirtschaft so gut geht, die öffentlichen Kassen aber alle mehr als leer sind, zeigt doch, dass in Deutschland offensichtlich die falschen Kreise steuerpflichtig sind.
16:10
Zitat aus Bericht:
und die Stromkunden Verlierer des Konzepts sein.“
Genau das ist es nicht, denn die Stadwerke haben auf eine Strompreiserhöhung spekuliert, wenn sie Windstrom für über 10 Cent/kWh Produktionspreis oder gar 40 cent/kWh bei Photovoltaik als Basis ihrer Energieproduktion ansetzen. AKW-Strom gibt es für ca 3-5Cent je kWh auf dem Markt!